«Die Deutschen treiben Europa in eine Deflation»
Von Robert Mayer. Aktualisiert am 24.06.2010 24 Kommentare
«Wenn die Deutschen ihre Politik nicht ändern, wäre ihr Austritt aus der Währungsunion für den Rest Europas hilfreich.» Diese Position vertritt der amerikanische Hedgefonds-Manager George Soros in einem Interview in der heutigen Ausgabe der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit». Soros bezeichnete die deutsche Politik, die überschuldeten Staaten in der Eurozone auf einen harten Sparkurs zu verpflichten, als eine «Gefahr für Europa».
Kritik übte der US-Grossinvestor auch am Maastrichter Vertrag, der die Grundlage für die Europäische Währungsunion bildet. Dieser sei «von Anfang an fehlerhaft» gewesen, sagte Soros. Beispielsweise fehlten darin Regeln, die eine Deflation verhindern könnten. Dennoch tue Deutschland so, «als sei der Vertrag von Maastricht eine heilige Schrift». Die Folgen sind indes, zumindest aus Soros’ Sicht, fatal: «Leider kann man einen Kollaps des Euro und des europäischen Projekts nicht ausschliessen.»
Löhne und Preise müssten reduziert werden
Gegenwärtig, so warnte der umstrittene Grossinvestor, «treiben die Deutschen die Nachbarn in eine Deflation». Diese müssten Löhne und Preise reduzieren, wodurch eine lange Phase der Stagnation drohe. «Die führe zu Nationalismus, zu sozialen Unruhen, zu Fremdenfeindlichkeit» und gefährde also die Demokratie, sagte Soros mit Blick auf die europäische Geschichte im vergangenen Jahrhundert.
Nach Meinung des wohl erfolgreichsten Spekulanten, der in den 90er-Jahren mit seinen Wetten gegen das britische Pfund einen Milliardengewinn erzielt hatte, sieht sich Europa nicht mit einer Krise der Staatshaushalte konfrontiert. Vielmehr habe man es mit einer Bankenkrise zu tun. Soros sprach sich deshalb dafür aus, die unterkapitalisierten Geldhäuser mit frischem Kapital zu versorgen und dafür die Mittel des im vergangenen Monat etablierten europäischen Rettungsfonds zu verwenden (die für schuldengeplagte Staaten ohne Zugang zum Kapitalmarkt vorgesehen sind). Begründung: Eine Rekapitalisierung der Banken helfe auch den Ländern, weil sie dann ihre Staatsanleihen leichter verkaufen könnten. Die Krise in Spanien etwa liesse sich so lösen, erhalte doch der Staat nur deshalb kaum noch Geld, weil es den Banken schlecht geht. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.06.2010, 08:35 Uhr
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24 Kommentare
Normalerweise würden in einer freien Marktwirtschaft schächere Privatfirmen in Konkurs gehen oder von stärkeren Konkurrenten aufgekauft. Warum darf das bei den Banken eigentlich nicht passieren? Haben die einen Anspruch drauf nach jeder Dummheit vom Staat gerettet zu werden. Braucht der spanische Staat wirklich alle Banken oder nur die überlebensfähigen? Antworten
@ Gion Saram: Ich empfehle Ihnen eine Lektüre über Volskswirtschaft. In diesem Bericht geht es nicht um Bankenrettung, sonder um die Geldmenge, die für eine funktionierende Volkswirtschaft zur Verfügung steht. Es würde zu weit gehen, hier die Grundlagen zu erörtern. Antworten
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