Wirtschaft
«Der Staat wird den Cajas mit 100 Milliarden Euro helfen müssen»
Von Stephan Israel, Brüssel. Aktualisiert am 20.07.2010 7 Kommentare
Daniel Gros ist Direktor des Brüsseler Centre for European Policy Studies (CEPS), eines angesehenen Wirtschaftsinstituts.
Artikel zum Thema
Am Freitag nach Börsenschluss will die CEBS, die Vereinigung der europäischen Bankenregulierer, die Resultate des sogenannten Stresstests für 91 europäische Banken publizieren. Dieser sorgt bereits jetzt für Diskussionen und Kritik.
Herr Gros, wird der Stresstest für Europas Banken nächsten Freitag die Finanzmärkte überzeugen?
Es gibt jetzt zumindest berechtigte Hoffnungen. Die gab es ursprünglich nicht.
Das heisst, die Kriterien für den Stresstest wurden nachgebessert?
Die Szenarien, die durchgespielt werden, sind ziemlich realistisch. Bei möglichen Verlusten etwa mit Staatsanleihen hätte ich mir etwas mehr Stress gewünscht. Wichtig ist aber, dass jeder vom Ausgang der Tests auf die einzelnen Banken und ihre Bilanzen zurückschliessen kann. Jeder Akteur kann dann selber die Kriterien verschärfen und seine eigenen Tests durchspielen.
Gibt es denn Kandidaten, bei denen schon klar ist, dass sie den Stresstest nicht bestehen werden?
Die alten Bekannten. Interessant ist ja, dass der Grossteil des Kapitalbedarfs bei den nicht öffentlich kotierten Banken besteht wie etwa den spanischen Cajas, den deutschen Landesbanken oder der deutschen Hypo Real Estate. Sonst bleiben nicht so viele Wackelkandidaten. Fragezeichen sehe ich in Frankreich. Dort ist nicht ganz klar, wie die Regierung die Gefahr gebannt haben will. Da muss man zuerst den Test abwarten.
Kann Spanien seine Regionalbanken nach dem Test selbst auffangen?
Der spanische Staat wird den Cajas mit 90 bis 100 Milliarden Euro helfen müssen. Die Staatsschulden würden also von 60 auf 70 Prozent des Bruttosozialprodukts steigen. Ein sehr unschöner Sprung, für den spanischen Staat unter normalen Umständen aber tragbar.
Könnte also der Eurorettungsschirm zum Zug kommen und Spanien bei der Bankenrettung helfen?
Es kann so weit kommen, aber nicht sofort. Der Stresstest zeigt ja nur über den Daumen gepeilt die Risiken der nächsten 12 bis 18 Monate. Wir haben im Fall Spanien das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Spaniens Wirtschaft wird weiterhin schwach bleiben, denn die Probleme am Immobilienmarkt sind noch nicht alle auf dem Tisch. In Spanien wird es also noch eine Weile abwärtsgehen.
Wie wird Deutschland abschneiden, dessen Regierung zuerst gegen den öffentlichen Stresstest war?
Da dreht sich alles um die Landesbanken und die schon verstaatlichte Hypo Real Estate. Für den deutschen Staat ist es vor allem politisch unangenehm, dass man schon wieder bei der Bankenaufsicht versagt hat.
Also kaum direkte wirtschaftliche Folgen – müssen wir nicht mit Bankenpleiten rechnen?
Die deutschen Landesbanken sind ohnehin staatlich garantiert. Dass deren prekäre Lage einmal öffentlich gemacht wird, kann ja keinen Run auslösen. Es kann nur bei den Politikern zu ein paar roten Ohren führen, weil viele von ihnen in den Aufsichtsräten der Banken sitzen und nichts gemerkt haben. Diese Banken waren in den letzten Jahren überall dabei, wo es etwas zu verlieren gab.
Alles begann mit der Überschuldung Griechenlands. Ist das Szenario einer möglichen Staatspleite Griechenlands genügend berücksichtigt?
Natürlich nicht. Aber eine Umstrukturierung wäre jetzt einfacher zu machen. Das Argument, dass man darüber nicht reden darf, weil das einen Bankenkollaps auslösen würde, gilt nicht mehr. Der Stresstest spielt das Szenario eines Abschlags von 17 Prozent auf den jetzigen Marktpreis durch. So gesehen bereitet der Stresstest eine Umschuldung vor, weil man das vorher simuliert hat.
Rechnen Sie damit, dass es im Fall von Griechenland nun rasch zu einer Umschuldung kommt?
Nein, die Griechen wollen das nicht, und solange sie alle Auflagen erfüllen, kann man sie nicht dazu zwingen.
Schweizer Banken machen beim Stresstest nicht mit. Wie würden sie abschneiden?
Von den Statistiken her sind die Schweizer bei den Staatsanleihen ziemlich stark engagiert. Man sagt mir aber, dass die Statistiken ein falsches Bild ergäben, die Zahlen widerspiegelten das Engagement von Auslandsfilialen griechischer Banken. Was dabei stimmt, weiss ich nicht.
Die Schweiz als Insel beim Bankenstresstest, ist das ein Risiko?
Die Schweizer hätten sich beteiligen können. Aber der Markt hat offenbar genügend Vertrauen, dass das in der Schweiz richtig gehandhabt wird. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.07.2010, 16:00 Uhr
KOMMENTAR SCHREIBEN
7 KOMMENTARE
Es wäre sicher von Vorteil gewesen, wenn die beiden Grossbanken UBS und CS dem Bankenstesstest ebenfalls unterzogen worden wären. Das Vertrauen in diese beiden Banken hat aufgrund bekannter Ereignisse in jüngster Zeit sehr stark gelitten. "Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser"!
Vertrauen? In die Handhabung der Risiken durch Schweizer Banken? Wie blauäugig kann man noch sein? Auch für Schweizer Banken, und zwar alle, müssen glaubwürdige, von der Nationalbank und dem Papiertiger Finma beaufsichtigte Stresstests her. Sofort!
die spanischen banken haben alle den stresstest bestanden... da wird doch gelogen, dass sich die balken biegen! wer hat den all diese städte finanziert die leerstehen?!
Ich denke mal die Europäischen Regierungen werden schon vorgegeben haben, wie das Resultat dann auch aussehen soll, um ihren eigenen Kopf zu retten. Wer überhaupt noch etwas glaubt was heutzutage zusammengelogen wird, ist wirklich absolut naiv.
Welch eine schlaue Frage!Weshalb hat sich die Schweiz wohl nicht beteiligt?So kann man doch das Deckmäntelchen und den Schleier viel besser ausbreiten,die Fahne vielleicht auch noch drüber.Dann kann man getrost sagen,was sind wir doch gut.Genauso werden die Kommentare ausfallen und die kleinen Fingerchen werden hinaus über die Grenze auf die EU zeigen und die Börsenkurse krachen.So einfach ist das
Die Schweiz war in der Lage die Banken mit eigenem Geld zu stützen.
Klar, der Staat wird den Banken wieder helfen. Dadurch leiden die Staatsfinanzen, weshalb der Staat bei den Banken dasselbe Geld wieder ausleihen muss - dank tiefen Ratings zu hohen Zinsen, was die Investoren freut. Man könnte die Steuern auch direkt den "Investoren" zahlen. Das wäre effizienter und würde sparen helfen. Aber nein, dieses System muss einen "komplexen" Schein wahren. Warum wohl?
Wirtschaft
Meistgelesen in der Rubrik Wirtschaft
Body Coach
-
Der BodyCoach hilft Ihnen, gesund und nachhaltig abzunehmen. Er stellt einen individuellen Ernährungsplan zusammen, erstellt Einkaufslisten, schlägt Rezepte vor und unterstützt Sie beim Training.
SBB Freizeit
Bernerwirtschaftstage
Schul-Spezial
Wohnraumfenster aus Kunststoff
Kunststofffenster unterstreichen jede Architektur und eröffnen neue Lebensräume.





