Der Euro fällt und fällt – doch die Nationalbank darf nichts tun
Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 02.07.2010 78 Kommentare
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Viel Geld im Spiel
Der Ratschlag der Grossbanken an die Kunden ist klar: raus aus dem Euro, rein in den Schweizer Franken. Sowohl die Credit Suisse wie auch die UBS gehen von einem längerfristigen Kursniveau von 1.30 Franken pro Euro aus. Dazu Sandro Merino von der UBS: «Unsere Jahresprognose für den Euro liegt bei 1.30 Franken. Ganz genau lässt sich das aber nicht eingrenzen. 1.30 Franken heisst, dass wir mit einer Bandbreite von 1.20 bis 1.40 Fr. pro Euro rechnen. Für die Exportwirtschaft bedeutet dies, dass wir wegen der Währung längerfistig teurer sind als die Konkurrenz. Dies kann in Einzelfällen zu Produktionsverlagerungen führen.»
Offenbar leben die Schweizer Banken selbst auch nach dieser Devise. Jedenfalls haben die Netto-Auslandsanlagen der Banken im Mai gemäss Nationalbank von einem Plus von knapp 19 Milliarden Franken auf ein Minus von 35 Milliarden abgenommen. Damit wurde der Effekt der Ausweitung der Auslandsanlagen der Nationalbank zur Hälfte egalisiert.
Zudem haben sich die Hedgefonds auf den Franken eingeschossen. Und sie werden immer reicher und mächtiger, denn mit jedem Rappen, den der Franken hochgeht, haben sie mehr Kapital und bei den Banken noch mehr Kredit. Bis zu 20-mal wird der Einsatz durch Kredite erhöht. Und das Risiko, dass ihnen die Währungshüter einen Strich durch die Rechnung machen, ist klein geworden. Merino: «Die Nationalbank ist mit ihren Interventionen im historischen Vergleich sehr weit gegangen. Die SNB wird kaum im gleichen Ausmass weiter intervenieren.» (ar)
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Der Schweizer Franken hat gegenüber dem Euro ein Allzeithoch erreicht. Gestern Morgen kostete 1 Euro noch knapp 1 Franken 31 Rappen – so wenig wie noch nie zuvor. Auch der Dollar büsste gegenüber dem Franken deutlich an Terrain ein. Der Kurs der US-Währung sank auf 1.06 Franken.
Gegen Ende des Tages erholte sich der Euro zwar wieder ein wenig, doch mit einem Minus von 16 Prozent innert einem Jahr wird der Euro zu einem echten Problem für die Schweizer Wirtschaft. Und das wird wohl so bleiben. Beide Grossbanken prognostizieren für das ganze nächste Jahr einen Kurs von durchschnittlich 1.30 Franken.
Klammheimlicher Kurswandel
Die Nationalbank hat klammheimlich einen geldpolitischen Kurswandel durchgezogen. Gemäss neuesten Zahlen, die dem Internationalen Währungsfond (IMF) zur Verfügung gestellt werden, hat sie die Notenbankgeldmenge (M0) in der ersten Hälfte des Monats Juni von 128,1 Milliarden Franken auf 103,9 Milliarden zurückgefahren. Das sind satte 20 Prozent. Dies erklärt mindestens teilweise den rasanten Anstieg des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro in den letzten Wochen, denn der grösste Brocken dieses Geldmengen-aggregats sind die Netto-Auslandsanlagen und entsprechende Gegengeschäfte. Damit hat sich in der Notenbank die Fraktion durchgesetzt, die die forsche Verteidigung des Schweizer Frankens als Risiko für die Nationalbank taxiert.
Noch vor 10 Tagen tönte es ganz anders. Damals hielt SNB-Präsident Philipp Hildebrand eine Rede vor der Amerikanischen Handelskammer. Dabei sagte er zu den Risiken der Währungspolitik unter anderem: «Wir haben genügend Eigenkapital, damit wir auch sehr grosse Verluste wegstecken können.» Tatsächlich hat die SNB (SNBN 1089 2.06%) Rückstellungen für Währungsreserven von rund 41 Milliarden Franken gebildet, aber der Sturz Richtung 1.30-Franken-Marke hat bei den Euro-Beständen seit Jahresbeginn einen Buchverlust von über 10 Milliarden Franken verursacht. Kritiker sagen, damit hätte man besser ein Konjunkturprogramm finanziert.
Nervosität steigt
Nun steigt die Nervosität. Innerhalb der Nationalbank wurden geheime Stresstests durchgeführt. Ein Szenario sah vor, dass der Euro und der Dollar weitere 10 Prozent an Wert verlieren. Noch grösser ist die Gefahr beim Gold. Denn dieses ist in den letzten Monaten auf ein Rekordhoch geklettert. Wenn nun aber die Konjunktur schwächeln sollte, dann ist laut Stress-Szenario auch nicht mehr ausgeschlossen, dass der Kurs wieder auf die Hälfte sinkt.
Diese Stress-Szenarien haben Wirkung gehabt. Economiesuisse-Chef Gerold Bührer sieht jedenfalls nicht mehr viel Spielraum für Währungskäufe, auch wenn er bei einem Kursniveau von unter 1.40 Franken pro Euro die Gefahr von Arbeitsplatzverlagerungen ins Ausland sieht. Auch bei den Kantonen beginnen einige Finanzdirektoren nervös zu werden, weil sie sich davor fürchten, dass die 2,5 Milliarden Franken Ausschüttung, an die man sich gewöhnte, ausbleiben könnte. Martin Gehrer, Finanzdirektor des Kantons St. Gallen, verfolgt die Politik der SNB genau. «Es ist sicher nicht schön, wenn die Gewinne der Nationalbank sinken», sagte Gehrer in der «Handelszeitung».
Im schlimmsten Fall: Geld selber drucken
Einzig Daniel Lampart vom Gewerkschaftsbund ist anderer Meinung. Für ihn sind all die Befürchtungen aus der Luft gegriffen. In der Theorie hat er recht, eine Nationalbank kann nicht in Konkurs gehen, denn schlimmstenfalls kann sie ihr Geld selber drucken. Lampart: «Ich sehe die Risiken für die Realwirtschaft und schätze sie viel höher ein. Von mir aus gesehen, sollte die Nationalbank schnellstmöglichst wieder am Devisenmarkt intervenieren, denn der Franken ist krass überbewertet.»
Daniel Lampart spricht von einem drohenden Arbeitsplatzverlust von 30'000 Stellen. «Der Frankenkurs ist viel zu hoch. Es handelt sich um eine spekulative Blase. Darum muss nun die Nationalbank intervenieren», sagt Lampart, der auch Mitglied des Bankrats der Nationalbank ist. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.07.2010, 23:38 Uhr
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78 Kommentare
Die Nationalbank hat völlig falsch gehandelt. Sie hätte den Euro auf 1.20 fallen lassen müssen und danach intervenieren. Dies hätte 10 Mia Gewinn gebracht statt Verlust. Jeder Spekulant weiss nach der guten alten Regel " Never catch a falling Knive" dass man sich nicht gegen fallende Märkte stellen darf. Unglaubliche Anfänger diese Bundesspekulanten! Antworten
Die CH wird Opfer ihres eigenen Erfolgs. Weil bei uns im Vergleich zu anderen Volkswirtschaften seriös und gut gewirtschaftet wird, überschwemmen uns nun ausländische Bürger mit ihrem Geld um es vor ihren Regierungen in Sicherheit zu bringen. Tragisch, wenn wir unser System aufgeben müssten um uns dem tiefen Niveau des Auslands anzupassen. Die Welt könnte von uns lernen, leider will sie nicht. Antworten
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