«Bei Indexstand 5500 droht die Abwärtsspirale»
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 13.07.2011 37 Kommentare
Und wieder keimt die Hoffnung: Nach den Kursverlusten der letzten Tage, befindet sich die Schweizer Börse wieder einmal im positiven Bereich.
Und wieder keimt die Hoffnung auf besseres Börsenwetter: Passanten betrachten an der Bahnhofstrasse die Kursentwicklungen beim Hauptsitz der UBS. (Bild: Keystone )
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Nach dem heftigen Sturm an den Börsen zeigen sich wieder erste Sonnenstrahlen. Der Schweizer Leitindex, wie auch andere Leitindizes in Europa, hat heute wieder im grünen Bereich eröffnet. Besonders deutlich hat sich das bei den Bankentiteln gezeigt, die zu den grössten Verlierern gehörten. In der Schweiz haben sowohl die Credit Suisse als auch die UBS heute Morgen Kursgewinne von mehr als 1,5 Prozent verzeichnet.
Einige Anleger stellen sich jetzt die Frage, ob mit der Entwicklung der letzten Wochen die Märkte ihren Boden gefunden haben. Und ob jetzt der Zeitpunkt für einen Einstieg gekommen sei. Andere überlegen sich wiederum, ob nicht der Moment für einen Ausstieg aus den Aktien genutzt werden sollte. Immerhin deuten nicht nur die Nachrichten aus der Eurozone kaum auf eine baldige Besserung der Lage hin. Zu den ernüchternden Zahlen zum US-Arbeitsmarkt kommen trübe Aussichten für die US-Wirtschaft und eine steigende Blasengefahr in Fernost. Bernerzeitung.ch/Newsnet hat Christian Gattiker befragt, den Leiter Research und Chefstrategen der Bank Julius Bär.
Kein Einstiegszeitpunkt...
Anzeichen für einen baldigen Aufschwung an den Börsen sieht Gattiker nicht: «Die Eurokrise bleibt erhalten und hat mit der Ausdehnung auf die grösseren Länder Spanien und Italien eine neue Dimension erreicht», sagt Gattiker. Er rechnet damit, dass die Börsen auch in den nächsten Wochen weiter nachgeben werden. Der Chefanalyst empfiehlt Anlegern, die sich einen Einstieg überlegen, jetzt noch zuzuwarten, bis die Euro-Politiker eine Lösung parat haben, der die Märkte auch glauben. Bisher war davon kaum etwas zu merken.
Bis dato haben sich viele Investoren ein Spiel aus den stark volatilen Bankentiteln gemacht: Einsteigen bei zwischenzeitlichen Tiefpunkten, um beim darauffolgenden Anstieg wieder zu verkaufen. Der Ökonom hält aber wenig von dieser Strategie: «Mit der Schnäppchenjagd lässt sich nicht wirklich Geld verdienen, ausserdem sind die Risiken sehr hoch.» Darüber hinaus meint Gattiker zu den Banken, dass sich diese seit zehn Jahren in einem «strukturellen Abwärtstrend» befinden, dessen Ende nicht abzusehen sei.
...und noch kein Ausstiegszeitpunkt
Trotz seiner Zurückhaltung gegenüber den künftigen Kursverlauf empfiehlt Christian Gattiker den Anlegern aber auch nicht, sofort auszusteigen: «Jeder sollte für sich eine Schmerzgrenze festlegen, unter die er auf keinen Fall zu gehen bereit ist,» meint der Chefstratege von Julius Bär. Er selbst rechnet mit einer baldigen Bodenbildung der Märkte. Sollten die Kurse aber unter den Bereich von 5500 bis 5700 Indexpunkte des SMI fallen, dann müsse man mit einer weiteren Abwärtsspirale rechnen, vergleichbar mit jener im Herbst 2008.
Sich selber eine Untergrenze zu setzen, empfiehlt Gattiker auch jenen Anlegern, die in ausländische Titel investiert sind. Vor allem im Hinblick auf den Frankenkurs. Denn der Absturz anderer Währungen gegenüber dem Franken hat schon bisher im Ausland erzielte Renditen in der Heimwährung zum Schmelzen gebracht. Der Research-Leiter selber sieht diese Grenze im übrigen bei einem Kurs zwischen 1.13 und 1.16 Franken pro Euro.
Kein Stress in den Ferien
Was aber tun mit dem nicht angelegten und daher frei verfügbaren Geld? Gattikers Empfehlung ist simpel: «In die Ferien gehen und ausgeben.» Wenn man ständig die Kurstableaus konsultieren müsse, könne man sich kaum entspannen. Ausserdem rechnet Gattiker mit weiteren Turbulenzen auf den Märkten, die sich vor allem im Herbst noch einmal akzentuieren könnten. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.07.2011, 13:23 Uhr
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