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Bei Fonds gibt es nur A-Post

Von Claude Chatelain. Aktualisiert am 01.06.2010

Wie die Banken führt auch Postfinance ein reichhaltiges Angebot an Anlagefonds. Sie verfolgt aber einen ganz anderen Ansatz und ist deshalb glaubwürdiger.

Postfinance bietet bei den Anlagefonds einen A-klassigen Service an. Sie vermittelt die besten Fonds von Dritten. (Bild: Keystone )

Schon mal versucht, bei einer Bank einen Fonds einer anderen Bank zu kaufen? Der Anlageberater wird davon abraten. Er wird darauf aufmerksam machen, dass der Kauf und das Verwahren fremder Fonds teurer zu stehen kommt als bei hauseigenen Fonds. Er wird auch sagen, der eigene Fonds sei mindestens so gut wie der fremde. Man könne eh nicht im Voraus sagen, welche Fonds in Zukunft besser oder schlechter abschneiden. Schliesslich wird der Anlageberater – mehr und mehr die Anlageberaterin – dafür bezahlt, Finanzprodukte aus der eigenen Küche zu verkaufen. Die UBS verkauft UBS-Fonds; die Kantonalbank Swisscanto-Fonds und die Raiffeisenbanken verkaufen Raiffeisenfonds sowie Fonds der Bank Vontobel, mit welcher die Raiffeisen-Gruppe eine enge Zusammenarbeit pflegt.

31 Fonds von Drittbanken

Wie macht es die Post? Postfinance verkauft auch die eigenen Postfinance-Fonds, die früher mal Postsoleil hiessen. Aber nicht nur: Das staatseigene Institut führt daneben eine Palette von 31 Anlagefonds diverser Anbieter im Sortiment.

Wohlverstanden: Bei allen Banken kann man Fonds anderer Banken zeichnen. Doch Postfinance bietet im Unterschied zu den Banken solche Drittfonds aktiv an. Und sie verlangt dafür nicht speziell hohe Gebühren. Im Gegenteil: Die Ausgabekommission beträgt einheitlich 1 Prozent. Die meisten Banken hingegen verlangen für Aktienfonds 1,5 bis 2 Prozent. Ausserdem ist die Depotführung bei Postfinance derzeit noch kostenlos, während die anderen Geldinstitute für die Verwahrung von Fonds eine Gebühr verlangen.

Ein Fonds pro Kategorie

«Das Grundangebot decken wir mit eigenen Fonds ab. Für das erweiterte Angebot greifen wir auf Drittfonds zurück», sagt Beat Witschi, Leiter Produkte und Mitglied der Geschäftsleitung von Postfinance. Das Grundangebot umfasst vier Anlagestrategiefonds, einen Obligationenfonds und die beiden Aktienfonds «Suisse» und «Global». Der ganze Rest mit all den Länder- und Branchenfonds wird von anderen Banken abgedeckt, wobei pro Kategorie nur ein einziges Produkt im Angebot figuriert. Das Zeichnungsvolumen dieser Drittfonds beträgt je nach Börsenjahr zwischen 20 und 40 Prozent.

Der Beste ist nicht der Beste

Dies ist nun der Trumpf von Postfinance: Sie ist in der Lage, jeweils den Besten der Kategorie herauszupicken. Den Besten? Daniel Mewes, Leiter Finanzdienstleistungen, relativiert. «Der beste ist nicht immer der Fonds mit der besten kurzfristigen Performance.» Zumal vergangene Renditen höchstens ein Indiz, aber nicht eine Garantie für künftige Renditen darstellten. Auch die innerhalb des Fonds entstehenden Kosten, der Anlagestil und das Risiko seien Auswahlkriterien.

Die Fondsauswahl wird jeweils von der unabhängigen Fondsanalysegesellschaft Bevag in Zürich vorgenommen. Und wenn ein Fonds die Erwartungen nicht zu erfüllen vermag, wird er nicht mehr aktiv verkauft und durch einen anderen der gleichen Kategorie ersetzt. «Pro Jahr werden zwei bis drei Fonds ausgewechselt», sagt Mewes. Ein Beispiel aus der letztjährigen Überprüfung: Im Bereich Aktien Japan wechselte Postfinance aus einem aktiv verwalteten Fonds in einen Indexfonds. «Wir glauben, dass wir mit dem Wechsel in einen Indexfonds mittel- bis langfristig im japanischen Markt am besten aufgestellt sind und zudem mit einer solideren Entwicklung rechnen können.»

Stichprobe Morningstar

Eine Stichprobe anhand der Resultate der Fondsanalysegesellschaft Morningstar zeigt, dass die Fonds im Postfinance-Portfolio tatsächlich meistens in der oberen Hälfte der Rangliste zu finden sind. Allerdings nicht immer: Postfinance führt auch Drittfonds im Angebot, welche von Morningstar schlechte Noten erhalten.

Warum? Witschi gibt zu bedenken, dass Morningstar für die Qualifizierung der Fonds andere Kriterien heranzieht. Ausserdem müssten die von Postfinance angebotenen Fonds bestimmte Bedingungen erfüllen. Beispielsweise muss jeder Fonds mit einem Fondssparplan ab 100 Franken zu haben sein. Eine Vorgabe, die nicht alle Fondshäuser zu erfüllen vermögen.

Fonds sind besser als Konti

Zur Erinnerung: Postfinance-Kunden besitzen häufig nicht nur ein Konto, sondern ein Set, nämlich ein Privat-Set, Online-Set, Plus-Set, Ausbildungs-Set oder Jugend-Set. Diese Einteilung erfolgt je nach Alter und je nachdem, wie viele und welche Konti man besitzt, ob man sie online oder nicht online führt. Das komplizierte und zum Teil irreführende Angebot führte verschiedentlich zu Kritik. Was hingegen das eben beschriebene Fondsangebot betrifft, wäre die gleiche Kritik nicht angebracht. (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.06.2010, 09:59 Uhr

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