Wie die UBS-Affäre in Frankreich ausgeschlachtet wird

Täglich gelangen in Frankreich neue Details aus dem Verfahren gegen die UBS an die Öffentlichkeit. Nun reicht die Bank eine Strafanzeige ein.

Die UBS steht im Steuerstreit am Pranger: Ein Franzose demonstriert in Paris gegen Steuerbetrug.

Die UBS steht im Steuerstreit am Pranger: Ein Franzose demonstriert in Paris gegen Steuerbetrug. Bild: Charles Platiau/Reuters

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Die UBS hat in Frankreich Ärger mit der Zeitung «Le Monde». Sie berichtet seit einigen Tagen ausführlich über immer neue Details aus dem Verfahren gegen die UBS. Der Bank wird in Frankreich Beihilfe zum Steuerbetrug vorgeworfen. Sie soll zwischen 2004 und 2012 Tausenden Kunden dabei geholfen haben, ihr Geld vor dem französischen Fiskus zu verstecken. Wie sie dabei vorging, zeigt das Blatt in einer Reihe von Artikeln auf.

In einem Statement hält die Bank fest, dass sie sich an die Gesetze gehalten habe. Zudem hat die UBS eine Strafanzeige eingereicht. Damit will sie klären, wie die vertraulichen Gerichtsakten bei der Zeitung gelandet sind.

Offenbar haben die Journalisten Zugang zu den Akten von Untersuchungsrichter Guillaume Daïeff, aus denen sie detailliert berichten. Vorgestern schlüsselten sie auf, wie hoch die Vermögen des typischen UBS-Kunden in Frankreich sind, gestern kam das belastende Protokoll des wichtigen «Zeugen 119» zum Zug und heute legt das News-Portal noch einmal nach: es präsentiert eine fiktive Rechnung für reuige französische Steuersünder.

Teurer Deal

Die Journalisten rechnen heute vor, wie teuer es die Franzosen nun zu stehen kommt, dass sie die Steuern in ihrer Heimat umgangen haben. Die Zeitung zeigt dies an einem Beispiel. Hatte ein Kunde bei der Bank ein Konto über 300'000 Euro, bleiben ihm nach diversen Steuerabzügen und Strafsteuern noch etwas mehr als 231'000 Euro. Vorausgesetzt er hat das Geld geerbt und nicht weiter auf das Konto einbezahlt. Sonst wird der Deal mit den Behörden noch teurer. Offenbar sei die Regularisierung vielen Kunden schwergefallen, da es sich bei den Konten um ein Familiengeheimnis gehandelt habe.

Es ist unklar, wie viele Steuersünder wirklich unter den französischen UBS-Kunden sind. Insgesamt sollen rund 38'000 Konten mit einem Vermögen von rund 8,4 Milliarden Euro von den Ermittlungen betroffen sein. Unter den Kunden befinden sich auch prominente Personen, wie Fussballer, Modemacher und Schauspieler. Der UBS wird unter anderem vorgeworfen, diese Kunden illegal angeworben sowie bei Steuerbetrug und Geldwäscherei unterstützt zu haben.

Ein Zeuge packt aus

In «Le Monde» packt auch der «Zeuge 119» aus. Er soll zwischen 2000 und 2010 für die UBS in der Westschweiz gearbeitet haben, wo er Hunderte Kunden aus Frankreich betreute. Seit 2014 arbeitet der Zeuge mit der französischen Justiz zusammen und schildert die Praktiken der Grossbank.

Laut seinen Ausführungen habe die Bank viel unternommen, damit die Post an die Kunden und die Berater der Bank nicht als solche erkannt wurde. «Zeuge 119» behauptet zudem, dass nur ein Bruchteil der Kundengelder korrekt versteuert gewesen sei. Je nach Kundensegment sollen nur 1 bis 2 Prozent deklariert gewesen sein.

UBS wehrt sich

Die UBS hat nun eine Beschwerde gegen die Berichterstattung eingereicht. Die Artikel sind laut einem Statement der Bank einseitig und würden das Untersuchungsgeheimnis verletzen. Das untergrabe die Unschuldsvermutung. Die Bank behält sich weitere rechtliche Schritte vor. Seit 2014 gebe es keine irregulären Konten mehr, sagte UBS-Frankreich-Chef Jean-Frédéric de Leusse den französischen Medien. Zudem habe die Bank mit den Steuerbehörden kooperiert.

Das Verfahren in Frankreich beschäftigt die UBS schon lange. Die Schweizer Grossbank hat 2014 eine Kaution von 1,1 Milliarden Euro hinterlegt. Letztes Jahr wurde gegen die lokale Tochter eine Busse über 10 Millionen Franken ausgesprochen. Gegen ehemalige UBS-Angestellte laufen zudem Ermittlungen. Wann das Verfahren abgeschlossen wird und ob die Bank eine Busse bezahlen muss, ist nicht klar.

Die Bank wehrt sich zudem gegen das Vorgehen der französischen Justiz und ficht es vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg an. Dies weil das Verfahren der französischen Ermittler unfair geführt sei. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

(Erstellt: 19.02.2016, 17:02 Uhr)

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