Diese Schweizer Luxushotels könnten bald chinesisch werden

Acht Schweizer Hotels und die teuerste Suite der Welt würde eine chinesische Firma besitzen beim Kauf der Hotelgruppe Starwood. Warum ein Deal sogar Barack Obama Sorgen bereitet.

Die chinesische Firma Anbang will die US-Hotelkette Starwood kaufen: Davon sind auch mehrere Hotels in der Schweiz betroffen.

Die chinesische Firma Anbang will die US-Hotelkette Starwood kaufen: Davon sind auch mehrere Hotels in der Schweiz betroffen. Bild: Wilfredo Lee / AP/Keystone

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In der Hotelbranche bahnt sich ein riesiger Deal an. Internationale Medien berichten, dass die chinesische Versicherungsgesellschaft Anbang die US-Hotelbetreiberin Starwood für 14 Milliarden Dollar übernehmen will. Es ist eine Übernahme mit besonderen Vorzeichen. Denn Starwood ist weltweit bekannt für exklusive Luxushotels, und Anbang stammt aus dem Versicherungsgeschäft.

Der Hausrats- und Lebensversicherer aus China will seine Investitionen besser diversifizieren. Starwood ist ein riesiger Hotelkonzern mit bekannten Marken wie Sheraton oder Le Méridien. Um die Firma kursieren schon länger Übernahmegerüchte. Sie ist ein interessantes Ziel. Laut eigenen Angaben generiert sie gegen 6 Milliarden Dollar Umsatz, beschäftigt etwa 188'000 Mitarbeitende und besitzt rund 1300 Liegenschaften weltweit. Einige besonders edle Hotels davon sind in der Schweiz.

Exklusive Schweizer Adressen

Darunter befinden sich exklusive Häuser. So zählen etwa die drei Sheraton-Hotels in Zürich, das W in Verbier oder das President Wilson in Genf zu den Schweizer Hotels der Starwood-Gruppe. Im Genfer President Wilson befindet sich mit der Royal Penthouse Suite das teuerste Hotelzimmer der Welt - für eine Nacht muss der Gast rund 60'000 Franken hinblättern.

Die Schweiz wird bei Investoren aus dem Riesenreich immer beliebter. In letzter Zeit haben chinesische Firmen etwa den Thurgauer Trinkflaschenproduzenten Sigg oder den Flughafendienstleister Swissport übernommen sowie ein Kaufangebot für den Basler Agrochemiekonzern Syngenta vorgelegt. Die chinesische Wirtschaft wächst langsamer, die Firmen haben daher ein Interesse, im Ausland zu investieren.

In der Hotellerie scheinen chinesische Investoren allerdings noch keinen grossen Einfluss zu haben. Zwar ging Ende des letzten Jahres das Luzerner Hotel Palace an den chinesischen Investor Yunfeng Gao, doch eine grosse Welle von Übernahmen scheint bislang ausgeblieben zu sein. Dabei hiess es vor einigen Jahren in verschiedenen Schweizer Medien, dass die grösste chinesische Hotelgruppe Jin Jiang im grossen Stil in der Schweiz einsteigen wolle. Eine Hotelkette aus der Heimat könne den vielen Gästen aus China das bessere Angebot bieten, so die Überlegung. Die Nachfrage ist da. Immerhin legten die Übernachtungen in Schweizer Hotels von Gästen aus China im letzten Jahr um 344'000 oder 33 Prozent zu. Es ist die am schnellsten wachsende Gästegruppe.

Bieterschlacht mit Marriott

Nun könnte sich das ändern und chinesische Investoren über einen Umweg zu einigen spannenden Hotels kommen. Doch ist der Kauf von Starwood durch Anbang alles andere als sicher. Mit der Offerte aus China ist um Starwood eine Bieterschlacht entflammt. Denn eigentlich wollte die US-Firma mit der Marriott-Gruppe fusionieren. Im letzten Dezember kündigte Marriott an, Starwood für rund 12 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Doch nun liegt das Angebot von Anbang deutlich darüber.

Die Aktionäre von Starwood und Marriott sollen in den nächsten Tagen über die Offerte abstimmen. Nach den bisherigen Plänen von Marriott und Starwood sollte der Zusammenschluss bis zum Sommer abgeschlossen sein. Marriott kann nun noch nachlegen und den Starwood-Aktionären ein besseres Angebot unterbreiten. Sollte es der US-Firma gelingen, den Deal zu stemmen, entstünde der grösste Hotelkonzern der Welt. Marriott und Starwood würden zusammen auf rund 5500 Hotels in 100 verschiedenen Staaten kommen.

US-Präsident Obama muss Hotels meiden

Über die Chefetage von Anbang ist wenig bekannt. Recherchen von US-Medien lassen darauf schliessen, dass die Führungskräfte der Firma aus dem höchsten chinesischen Machtzirkel stammen. Belegt ist, dass der Versicherungskonzern bereits vor einiger Zeit im grossen Stil ins Hotelgeschäft einstieg. Anbang besitzt das renommierte Waldorf Astoria in New York. Den Kauf liess sich Anbang 1,95 Milliarden Dollar kosten. Das ist der höchste Preis, der jemals für ein Hotel in den USA bezahlt wurde.

Die mögliche Grossübernahme von Starwood durch Anbang bereitet wohl auch Barack Obamas Entourage Sorgen. Der US-Präsident darf wegen Sicherheitsbedenken nicht in chinesischen Hotels übernachten. Das New Yorker Waldorf Astoria fällt daher weg, früher war es ein beliebter Übernachtungsort für US-Präsidenten. Sollte Anbang mit seiner Offerte bei Starwood erfolgreich sein, kämen noch viele weitere Hotels hinzu, die Obama künftig meiden müsste – zumindest bis seine Amtszeit endet.

Korrektur:

In einer früheren Fassung dieses Artikels heiss es, dass das Adelbodner Hotel «The Cambrian» zur Starwood-Gruppe gehört. Es sei damit durch die mögliche Übernahme des Hotels durch Anbang betroffen wäre. Das stimmt nicht. Das Hotel ist im Besitz von englischen Eigentümern. An den Besitzverhältnissen des «The Cambrian» wird sich daher nichts ändern, auch wenn die Starwood-Gruppe verkauft würde. Das Cambrian-Hotel ist aber ein Kooperationspartner auf Buchungssystemen der Starwood-Gruppe. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

(Erstellt: 15.03.2016, 17:34 Uhr)

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