Die 5 Krisenherde von Nestlé

Trotz Milliardengewinn kämpft der Nahrungsmittelkonzern gleich auf mehreren Baustellen. Das sind die wichtigsten.

In der Defensive trotz Milliardengewinn: Nestlé-Chef Paul Bulcke.

In der Defensive trotz Milliardengewinn: Nestlé-Chef Paul Bulcke. Bild: Laurent Gillieron/Keystone

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Die Zahlen von Nestlé sind beeindruckend. Das Unternehmen ist im letzten Jahr um 4,2 Prozent gewachsen. Der Gewinn beläuft sich auf 9,1 Milliarden Franken. Er ging damit gegenüber dem Vorjahr zwar deutlich zurück, doch ist es immer noch sehr viel.

Dennoch sind die Experten mit den Nestlé-Zahlen nicht zufrieden. Vor allem im letzten Quartal hat das Geschäft des weltweit grössten Nahrungsmittelkonzerns die Analysten nicht überzeugt. Einige bezeichnen es sogar als «enttäuschend». Die Nestlé-Aktie verlor daher an der Börse heute mehr als 3 Prozent. Es ist ein schlechter Start ins Jubiläumsjahr des 150 Jahre alten Riesenkonzerns. Das sind die wichtigsten Baustellen für die Nestlé-Führungsriege:

1. Das Geschäft in China macht Sorgen

Die Wirtschaft in China wächst nicht mehr so rasant. Das spürt auch Nestlé. Obwohl einzelne Produkte sich im riesigen Absatzmarkt besser verkauften, erfüllten sich die Absatzerwartungen nicht. Zudem beginnt sich der Geschmack der chinesischen Kundschaft zu verändern. Nestlé muss sich dem anpassen, sonst könnte sich daraus ein Problem entwickeln. In China boomt der Internet-Handel. Davon will Nestlé nun auch profitieren. Dafür gibt es eine Partnerschaft mit Alibaba, dem chinesischen Internetgiganten. Von dieser Zusammenarbeit verspricht sich Nestlé einen besseren Zugang zum chinesischen Markt.

2. Der Nudel-Skandal in Indien

Nestlé wurde von der indischen Regierung vorgeworfen, dass die Bleiwerte in Maggi-Nudeln zu hoch seien. Zwar habe der Konzern bei Untersuchungen im Ausland nichts nachweisen können, teuer wurde der Skandal trotzdem. Die Firma nahm zwischenzeitlich die Nudeln aus den Regalen und das wirkte sich auf die Einnahmen aus. Die Entwicklung der Region «wurde erheblich durch das Thema Maggi-Nudeln in Indien beeinträchtigt», schreibt das Unternehmen. Das gehört zum Geschäft, sagt Nestlé-Chef Paul Bulcke an der heutigen Pressekonferenz. Wenn ein Unternehmen weltweit präsent sei, müsse es mit komplizierten Rechtsfällen rechnen. In die gleiche Kategorie fällt für Bulcke das Problem mit dem Hundefutter Beneful. In den USA wurde die Nestlé-Tochter Purina Petcare von Hundebesitzern verklagt, deren Hunde wegen des Futters gestorben sein sollen.

3. Die Margen enttäuschen

Die Analysten sind von der Margen-Entwicklung des Konzerns enttäuscht. Dafür verantwortlich sind vor allem die Hautpflege-Produkte. Doch auch in anderen Geschäftsbereichen wächst die Konkurrenz. «Bei uns blinken alle Warnlichter, der Wettbewerb wird grösser», so Bulcke heute Morgen an der Pressekonferenz. Das gilt auch für die wichtigen Nestlé-Marken Nespresso und Dolce Gusto. Einige Analysten hätten sich heute ein grossangelegtes Kostensenkungsprogramm erhofft. Davon hält die Konzernleitung nichts. Sie setzt stärker darauf, die Kosten langfristig zu senken und Abläufe zu verbessern. Im letzten Jahr liefen 30'000 kleinere und grössere Projekte, um Nestlé schlanker und produktiver zu machen.

4. Die stolzen Löhne der Chefs

Die hohen Löhne für die Nestlé-Chefetage sorgen immer wieder für Kritik. Das Unternehmen ist dafür bekannt, den grössten Unterschied zwischen den Toplöhnen und dem Einkommen der einfachen Angestellten zu haben. Daran ändert sich auch dieses Jahr kaum etwas. Nestlé-Chef Paul Bulcke erhielt im letzten Jahr eine Gesamtentschädigung von 9,07 Millionen Franken. Damit ging sein Einkommen um rund 250'000 Franken zurück. Insgesamt verdienten die Top-Shots beim Nahrungsmittelriesen im letzten Jahr aber mehr als zuvor, es sind 47,1 Millionen Franken. VR-Präsident Peter Brabeck kam im Vorjahr auf eine Gesamtentschädigung von 6,3 Millionen Franken, im letzten Geschäftsjahr sind es 5,73 Millionen Franken.

5. Unzufriedene Aktionäre

Der Gewinn schrumpft, die Aussichten für das kommende Geschäftsjahr überzeugen die Händler nicht, das bedeutet auch, dass die Aktie unter Druck gerät. Hinzu kommt, dass es kein neues Aktienrückkaufsprogramm angekündigt wurde und es keine Sonderdividende gibt. Dabei hätte sich so mancher Anleger wegen des 150-Jahr-Jubiläums des Konzerns eine besondere Ausschüttung erhofft.

2016 sei ein Jahr des Feierns, kündigte Nestlé-Chef Bulcke heute an. Zumindest den Aktionären ist derzeit nicht danach zumute. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

(Erstellt: 18.02.2016, 19:49 Uhr)

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