«Es braucht nicht nur erfahrene Damen und Herren»
Von Jan Derrer, Anatol Heib. Aktualisiert am 11.10.2011 13 Kommentare
Das Wahlmobil
Das Wahlmobil besucht Nationalratskandidaten zuhause. Bekannte, unbekannte, junge und alte. Sie haben genau 60 Sekunden Zeit, um potentielle Wähler zu überzeugen.
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Smartspider von Smartvote: Mentari Baumann (Bild: Smartvote.ch)
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Die Gemeinde Wileroltigen im Berner Mittelland zählt knapp 400 Bewohner, im Dorfkern steht das Restaurant zum Rebstock, ringsum Bauernhöfe und viel Grün. «Hier kennt jeder jeden und das ist gut so», sagt Mentari Baumann.
Die 18-Jährige ist Mitglied der Jungfreisinnigen des Kantons Bern und kandidiert für den Nationalrat. Sie wohnt mit der Familie in einem Bauernhaus. In ihrem Zimmer, einem kleinen gemütlichen Raum mit Holzwänden, hängen Poster des Times Square in New York, von London und Freunden. In der britischen Hauptstadt hat Baumann kürzlich einen Sprachaufenthalt absolviert.
Viele Schuhe
Der Blick von ihrem Balkon führt auf eine weitläufige Landschaft mit Wiesen und Feldern. Würde die Autobahn am Horizont fehlen, wäre es noch ruhiger. In einem Regal stehen Schuhe. Viele Schuhe. «Das ist wohl bei jeder Frau so», lacht Baumann. Sie steht im dritten Lehrjahr ihrer KV-Lehre, die sie beim EDA in Bern absolviert. Neben Romanen und DVDs (u.a. «Harry Potter», «Dr. House» und «8 Mile») gibt es in der obersten Reihe des Regals reihenweise Ordner mit Schulmaterial.
Auf dem Tisch ihrer Arbeitsecke liegen neben dem pinkfarbenen Laptop kleine Sonnencrème-Tuben, verziert mit dem Logo der Jungfreisinnigen – es ist Wahlkampf. «Ich habe bisher viel gelernt, auf der Strasse Unterschriften gesammelt, nahm an Veranstaltungen teil», erzählt sie. Im Schnitt investiere sie bis zu fünf Stunden pro Woche für die Politik. Es könne aber auch mal mehr sein.
Baumann: Klassische Lehre fördern
Gepackt hat sie die Politik in der 8. Klasse: «Die Lehrerin sprach im Unterricht mit uns über alle möglichen Themen.» Baumann will sich vor allem für die Jugendlichen einsetzen. Die Bildung ist ihr ein grosses Anliegen. «Ich möchte etwa, dass die klassische Lehre mehr Bedeutung hat. Heute reden alle nur noch von Gymnasium und Berufsmatura, die einen zu hohen Stellenwert haben.» Deshalb sei es heute schwierig, Jugendliche für Handwerksberufe zu begeistern.
Nach dem ersten Eindruck würde man die 18-Jährige eher der SP zuordnen. Doch «der Jungfreisinn mit seiner liberalen Politik und dem Wunsch nach der persönlichen Freiheit, kommt meinen Ansichten am nächsten», sagt Baumann. Es handle sich um eine Partei, die «nicht nur diskutiert und Parolen um sich wirft, sondern auch wirklich aktiv ist.» Das sehe man, so Baumann, beispielsweise an dem Referendum gegen Buchpreisbindung oder an der Offenlegung der Parteifinanzen. «Während andere noch am Diskutieren und Polarisieren waren, haben die Jungfreisinnigen die Finanzen öffentlich gemacht.»
Indonesische Wurzeln
Angesprochen auf ihren Vornamen sagt sie: «Mentari ist ein indonesischer Name und heisst Sonne.» Er soll an das Heimatland ihrer Mutter erinnern. Früher ist die Jungpolitikerin regelmässig nach Indonesien gereist. Jetzt fehlt die Zeit für ausgedehnte Reisen.
Neben der KV-Lehre und dem Wahlkampf bleibt ihr momentan auch nur wenig Zeit für ihr Hobby, das Reiten. Dafür trifft sie sich umso mehr mit Freundinnen. «Aber Politik ist natürlich kein Thema», lacht Baumann. Sie gehen essen, reden über Kleider und sonst alles, was bei 18-Jährigen Thema ist. «Da kann ich Abstand zur Politik gewinnen. Ich bin noch jung und darf mich auch entsprechend benehmen.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.10.2011, 13:54 Uhr
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13 Kommentare
Sollte eine 18-jährige Nationalrätin werden ,so finde ich das schon sehr krass. Nichts gegen Junge und frisches Blut, aber als Nationalrätin sollte man schon etwas im Leben gemacht haben. Man nennt das dann Lebenserfahrung. Früher machte man die Lehrjahre noch in der Kommune, sammelte so Erfahrungen und stiess sich die Hörner ab. Heute wollen sie ohne Erfahrung gleich in die Chefetage. Antworten
Solche jungen Leute würden dem Bundeshaus auf jeden Fall gut tun! Egal aus welcher politischer Ecke. Sie sind viel unabhängiger, offener und sehen vieles total anders als die ältere Generation. Und die FDP hätte neue nicht verfilzte Kräfte unbedingt nötig! Würde ich wählen! Antworten

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