Wahlen 2011

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Die Schweiz wählt

Alles zu den National- und Ständeratswahlen vom 23. Oktober 2011

Vom Bildschirm in die Politik

Von Simone Rau. Aktualisiert am 26.10.2011 20 Kommentare

Ex-Fernsehjournalist Matthias Aebischer ist einer von auffällig vielen TV-Moderatoren, denen die Wahl in den Nationalrat gelang. Ein Überblick über die bekanntesten Gesichter.

1/5 Da war er noch im Fernsehstudio – jetzt wird er für die SP im Nationalratssaal sitzen: Matthias Aebischer
Bild: SF

   

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Als TV-Moderator Matthias Aebischer Anfang des Jahres seinen Job beim Schweizer Fernsehen quittierte, um für den Nationalrat zu kandidieren, staunte die Presse. Noch ein Prominenter, schrieben viele, erst noch ein gut aussehender. Nach den Wahlen ist klar: Prominenz allein reicht nicht aus. Herzchirurg Thierry Carrel, Ex-Skistar Paul Accola, Strafrechtsprofessor Martin Killias, Banker Thomas Matter, Ärzte-Präsident Jacques de Haller: Sie alle scheiterten als Quereinsteiger für den Nationalrat. Aebischer dagegen hat für die SP Bern einen Sitz geholt. Und damit sogar den populären und bekannten Berner Stadtpräsidenten Alexander Tschäppät geschlagen.

Entsprechend gross ist Aebischers Freude über den Erfolg: «Ich bin stolz, dass mein Plan aufgegangen ist. Offenbar reicht es eben doch nicht, einfach nur prominent zu sein – auch wenn die Leute dies immer behaupten.» Sein Ziel sei es gewesen, die Wähler davon zu überzeugen, dass er sich als seriöser und glaubwürdiger Journalist auch für die Politik eigne. Dazu habe gehört, sagt er, seinen Job beim SF hinzuschmeissen. «Es war mir wichtig, ein klares Statement abzugeben: Es ist mir ernst mit der Politik.»

«Ein dickes Fell zulegen»

Ebenso ernst meinten es schon viele andere Fernsehjournalisten vor ihm. Und auch sie hatten Erfolg. Etwa der Zürcher FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger, früherer «Arena»-Moderator und bis 2002 SF-Chefredaktor. Neun Jahre nach seinem Weggang beim SF kehrte er diesen Sommer mit seiner eigenen Politsendung «Filippos Politarena» auf den Bildschirm zurück. Dazwischen war Leutenegger unter anderem als Geschäftsführer des Medienunternehmens Jean Frey AG tätig. «Als ich 2003 in den Nationalrat gewählt wurde, kannte ich die bisherigen Parlamentarier», sagt Leutenegger heute. «Und viele kannten mich. Das war sicher ein Vorteil.» Schwierig sei es hingegen in der eigenen Partei gewesen, besonders im Heimkanton. Am Anfang könne man als Neuling nicht mit politischen Leistungen trumpfen und müsse sich zuerst die Sporen abverdienen. «Man hat mir die ersten Jahre zu spüren gegeben, dass ich nicht die klassische Ochsentour absolviert habe», sagt Leutenegger. «Da gab es nicht nur freundschaftliche Gefühle.»

Anfangs ernüchtert habe ihn zudem das Gefühl, als «einer von 200» nur in der Partei handlungsfähig zu sein. Alleine könne man nichts bewirken, das brauche Geduld und Durchhaltewillen. Was würde er denn Aebischer raten? «Er soll sich ein dickes Fell zulegen.» Noch mehr würde er ihm aber empfehlen, sich neben seiner Uni-Lehrtätigkeit einen weiteren Job zu suchen. Nur so bleibe er finanziell unabhängig vom Parlament – auch im Falle einer möglichen Abwahl. Und überhaupt: «Die Tendenz hin zu immer mehr Berufsparlamentariern finde ich für unser Land verheerend.»

«Gutes politisches Training»

Von seiner journalistischen Erfahrung profitiert in Bern auch der bisherige Aargauer SVP-Ständerat Maximilian Reimann, der soeben in den Nationalrat wiedergewählt worden ist, wo er 1987 seine nationale Karriere als Politiker begann. Bis zu seiner Wahl war Reimann nebenberuflich in der Sportabteilung des Fernsehens angestellt. Dort hatte er während 15 Jahren als Moderator und Livekommentator gearbeitet, unter anderem bei Tennisturnieren. Auch als Programm-Ansager war er vielen Wählern bekannt gewesen. Während Reimann im Nationalrat noch wenig aufgefallen war, überraschte er im Ständerat mit seinem unaufgeregten Stil und emanzipierte sich bei der UNO-Beitrittsfrage von seiner Partei.

Was aber nützt es einem Parlamentarier, wenn er früher die «Tagesschau» moderierte? «Nichts», sagt Reimann, «die haben ja dort einen Teleprompter». Viel mehr gebracht habe Aebischer die Diskussionsleitung beim «Club»: «Das war ein gutes politisches Training für Bern.»Auch der am Sonntag abgewählte Berner CVP-Nationalrat Norbert Hochreutener hatte viele Jahre als Radio- und TV-Journalist gearbeitet, bevor er 1995 nach Bern berufen wurde. Er war unter anderem Bundeshausredaktor sowie Chefredaktor des 1993 gegründeten und später eingestellten SRG-Fernsehprogramms S Plus (1994 in Schweiz 4 umbenannt). Den Wechsel vom Fernsehen ins Bundeshaus wagten zudem die ehemaligen Nationalräte Werner Vetterli (SVP, ZH, 1991–1998) und Anton Schaller (LDU, ZH, 1999–1999) sowie dessen Vorgängerin, Verena Grendelmeier (LDU, ZH, 1983–1999).

Was ist es, was Fernsehleute am Parlament so reizt? «Man muss unterscheiden zwischen Journalisten mit und ohne Bildschirmpräsenz», sagt Aebischer. «Besonders Erstere sind ja nicht gerade öffentlichkeitsscheu – das gilt wohl auch für Politiker.» Komme hinzu, dass Journalisten aufmerksame Beobachter seien und ein Gespür für wichtige Themen hätten. Ein solches Gespür für Themen dürfte auch Fathi Derder haben, neu gewählter FDP-Nationalrat in der Waadt. Er arbeitete bis vor kurzem als Chefredaktor und Moderator beim Lokalsender La Télé. Auch er wird es leichter haben, schnell das Wort zu ergreifen. Und schneller als andere herausfinden, wo die nächste Kamera steht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.10.2011, 10:09 Uhr

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20 Kommentare

Peter Ringger

26.10.2011, 10:17 Uhr
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1x SP, 2xSVP, 2xFDP. Soviel zum "linken Staatsfernsehen". Antworten


adrian wehrli

26.10.2011, 10:30 Uhr
Melden 35 Empfehlung

... weil das Stimmvieh, das tumbe Wahlvolk, Gesicheter Wählt und nicht Programme, und die sieht es an der Glotze Tag für Tag für Tag. So kann jeder Medienschluffi zum Nationalrat werden. Wir sind schon lange an der Demokratie vorbeigerauscht und in der Mediokratie angekommen. Wir kriegen was wir verdienen: Volle Unterhaltung, totale Verblödung und Manipulation durch Medien und Wirtschaft. Amen Antworten