Die Partei ohne Siegertypen
Von Claudia Blumer. Aktualisiert am 25.10.2011 92 Kommentare
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Die grösste Schweizer Partei erhielt am Sonntag einen Schuss vor den Bug: Die SVP hat Wähleranteile und Parlamentssitze verloren. Sie bleibt bei ihrer Forderung nach einem zweiten Bundesratssitz – doch was bedeutet das schlechte Wahlergebnis für die Kandidatenkür?
Für potenzielle Bundesratskandidaten sind die Parlamentswahlen ein Härtetest. Und es fragt sich nun, ob die SVP mit dem erfolglosen Angriff auf den Ständerat nicht ihre besten Kandidaten verheizt hat. «Es ist wichtig, dass wir die Bisherigen in einen zweiten Wahlgang zwingen konnten», sagte Christoph Blocher am Wahlabend zu Bernerzeitung.ch/Newsnet. Genau dies ist den Favoriten für die Bundesratskandidatur, Jean-François Rime (FR) und Caspar Baader (BL), aber nicht gelungen. Sie haben in ihren Kantonen herbe Niederlagen eingefahren: Baader blieb weit hinter dem Bisherigen Claude Janiak (SP) zurück, der mit einem fabelhaften Resultat wiedergewählt wurde. Und Rime erhielt im bürgerlich dominierten Freiburg nicht einmal halb so viele Stimmen wie der SP-Amtsinhaber Alain Berset.
Ungewissheit wegen Baader
«Baader schafft es nicht einmal in den Ständerat, geschweige denn in den Bundesrat», höhnte Grünen-Landrat Philipp Schoch noch am Wahlsonntag. Tatsächlich haftet dem SVP-Favoriten nun der Nimbus des Verlierers an. Was die SVP für Schlüsse daraus zieht, ist noch nicht klar. Sie äussert sich voraussichtlich am Donnerstag zu ihrer Strategie bei der Bundesratskandidatur.
Sicher ist: Die schlechten Ergebnisse vom Sonntag bringen die SVP in Verlegenheit. Caspar Baader äussert sich gegenüber den Medien nicht zu einer Bundesratskandidatur. Und die Kommentare weiterer SVP-Mitglieder werfen Fragen auf. So spricht SVP-Vizepräsident Yvan Perrin von «grosser Ungewissheit», weil man nicht wisse, ob Baader antreten wolle. Luzi Stamm äussert sich in der NZZ hoffnungsvoll: «Ich glaube, dass Baader antritt. Das ist eine Frage der Überzeugungskraft.» Baader, der sich letztes Jahr aus beruflichen Gründen gegen eine Kandidatur entschieden hatte, muss offenbar von seiner Partei bekniet werden. Rime hingegen will nach wie vor Bundesrat werden: «Wenn mich die Partei nominieren will, kann man darüber sprechen», sagt er auf Anfrage von Bernerzeitung.ch/Newsnet.
Spitzenkandidaten in der Ostschweiz
Doch es bleibt die Frage, ob nicht ein vom erfolglosen Stöckli-Sturm unverbrauchter Kandidat ins Rennen steigen sollte. Adrian Amstutz verneint dies: «Ueli Maurer scheiterte im Ständeratswahlkampf ebenfalls und wurde danach Bundesrat. Die Medien-Theorie des Verlierer-Image taugt eben nur in der Theorie, in der politischen Praxis gewichten andere Faktoren viel stärker.» Yves Perrin sinniert über weitere personelle Möglichkeiten: «In der Ostschweiz hat es natürlich auch Spitzenkandidaten. Roland Eberle und Peter Spuhler wären Top-Kandidaten», sagt er. Peter Spuhler hat eine Bundesratskandidatur bis jetzt stets ausgeschlossen. Anders der frisch gewählte Thurgauer SVP-Ständerat Roland Eberle: Er trat vor zehn Jahren als Bundesratskandidat an, unterlag aber Samuel Schmid. Inzwischen hat er gesagt, das Kapitel Bundesrat sei für ihn abgeschlossen.
Perrin macht kein Geheimnis daraus, dass er sich ohnehin einen Westschweizer SVP-Bundesrat wünscht. «Das würde unsere Basis mobilisieren, das würde der Westschweizer SVP helfen.» Rime ist dabei nach wie vor sein Favorit. «Ja, er hat vielleicht den Nimbus des Verlierers, aber auch des Gewinners, schliesslich hat er 2010 gegen Simonetta Sommaruga und Johann Schneider-Ammann sehr gute Resultate erzielt.» Nummer zwei auf der Westschweizer Prioritätenliste ist der Waadtländer Guy Parmelin.
Es hängt von der SP ab
Das Problem von Rime und Parmelin: Sie kommen aus Freiburg und Waadt, genauso wie die Favoriten der SP, Alain Berset und Pierre-Yves Maillard. Die Konsequenz daraus: «Wir müssen uns mit der SP absprechen. Was wir machen, hängt von ihr ab. Wenn die SP Berset nominiert, müssen wir auf Guy Parmelin setzen, wenn sie Maillard nominiert, hat bei uns Rime einen Vorteil», sagt Perrin. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.10.2011, 14:14 Uhr
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92 Kommentare
Die SVP hat keine Persönlichkeiten die über ein weites Spektrum Sympathien auslöst. Ausserdem kämpft sie mit Glaubwürdigkeitsproblemen! Schlecht wenn man gegen PFZ, Ausländer, Banken, gegen den Staat wettert und dann nichts oder genau das Gegenteil unternimmt. Es scheint so, als wäre die Zeit des Handelns schon lange vorbei und man begnügt sich wie die anderen mit Plazebopolitik. Antworten

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