Über Weihnachten macht der Wahlkampf Pause

Für Alec von Graffenried ist Weihnachten der «lätz» Zeitpunkt, um Wahlkampf zu betreiben. Auch Wyss verbringt die Feiertage mit ihrer Familie, nutzt die Adventszeit aber auch, um sich dankbar zu zeigen.

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Nach und nach trudeln diese Woche die Stimmunterlagen für den zweiten Wahlgang ein – zeitgleich mit Weihnachtspaketen und Grusskarten. Dass der Kampf ums Stadtpräsidium genau auf die Weihnachtszeit fällt, ist für die Kandidierenden eine grosse Belastung; sie müssen ihren Wahlkampf nicht nur mit der Festzeit vereinen, auch für ihre Familien kommt die zeitliche Überschneidung ungelegen.

Darin, dass die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr der Familie gehört, sind sich Ursula Wyss (SP) und Alec von Graffenried (GFL) einig. Beide Kandi­daten legen ihren Wahlkampf nächste Woche auf Eis. Während von Graffenried im Berner Oberland feiert, versammelt sich Wyss’ Familie bei ihr zu Hause.

Gänzlich zurückziehen werden sich die beiden aber nicht: Zumindest auf Twitter dürfte man sich weiterhin über Beiträge von Wyss und von Graffenried freuen. Auf dem sozialen Netzwerk sind beide Kandidierenden fast täglich aktiv, posten Videos mit Wahlbotschaften, Fotos von Strassenaktionen oder verlinken Zeitungsartikel.

Jeden Tag ein Dankeschön

Ursula Wyss schafft es sogar jeden Tag aufs Neue, den Wahlkampf mit den Festtagen zu vereinen: Seit dem 6. Dezember führt sie einen Adventskalender auf Twitter und veröffentlicht täglich ein anderes Bild mitsamt Danksagung. «Die Adventszeit eignet sich besonders gut dazu, allen zu danken, die aus Bern das machen, was wir alle so lieben: eine lebendige, attraktive Hauptstadt», erklärt Wyss.

«Die Zeit zwischen Weihnacht und Neujahr ist für die ­Familie und eignet sich nicht für den Wahlkampf.»Ursula Wyss (SP)

Auf der Strasse lässt es die sonst so ambitionierte Flyerverteilerin hingegen ruhiger angehen. Nur zwei Aktionen führte sie im Dezember durch: Am Klausentag und am dritten Adventswochenende wurden Mandarinen und Wahlflyer an die Passanten verteilt. Bis Januar wird man die Gemeinderätin nicht mehr auf den Berner Gassen antreffen: «Die Zeit zwischen Weihnacht und Neujahr ist für die ­Familie und eignet sich nicht für den Wahlkampf.»

Die Wahlen vorverlegen

Für Alec von Graffenried ist es hingegen ein Ärgernis, dass der Wahlkampf auf die Weihnachtszeit fällt. «Es ist einfach der ‹lätz› Zeitpunkt», findet er. Gerade während der ohnehin schon stressigen Weihnachtszeit müsse man die Bernerinnen und Berner nicht noch zusätzlich mit dem Wahlkampf behelligen. «Ich möchte den Leuten Weihnachten nicht durch die Wahl vermiesen.» Seiner Ansicht nach seien die Festtage schon genug kommerzialisiert – «da müssen wir sie nicht noch politisieren.»

«Ich möchte den Leuten Weihnachten nicht durch die Wahl vermiesen.»Alec von Graffenried (GFL)

Entsprechend plant von Graffenried keine Wahlkampfaktionen, die mit den Festtagen zusammenhängen. Er beteiligte sich zwar an einem Klausenschwimmen im Blausee und postete ein Video davon – mehr als einen gelegent­lichen Onlinebeitrag darf man von ihm aber nicht erwarten. Stattdessen plädiert von Graffenried dafür, die Wahlen in vier Jahren auf den September vorzuverlegen, um eine weitere Kollision zu vermeiden und auch eine geordnete Amtsübergabe zu er­möglichen – dies ist heuer nicht möglich, da die Nachfolge erst zwei Wochen nach dem Rücktritt des Stadtpräsidenten bekannt sein wird.

Je nach «Christmas Spirit»

Doch welche Taktik kommt beim Stimmvolk besser an? Die Antwort auf diese Frage hänge ganz davon ab, wie hoch der «Christmas Spirit» der Berner sei, meint Harley Krohmer, Direktor der Abteilung für Marketing an der Universität Bern.

Es seien schon zahlreiche Forschungen durchgeführt worden, um herauszufinden, wie sich die Weihnachtszeit auf das Kaufverhalten der Menschen auswirkt. Die dort gewonnenen Erkenntnisse liessen sich auch auf den Berner Wahlkampf übertragen. «Kunden mit einem hohen ‹Christmas Spirit› sehen Weihnachten als besonders positiv an», erklärt Krohmer. Solche Menschen liessen sich also eher für Wyss’ Taktik begeistern. «Gleichzeitig gibt es Konsumenten, die weniger begeistert von Weihnachten sind oder zumindest dem Weihnachtskonsum kritischer gegenüber stehen.» Sie könnten sich wohl besser mit von Graffenried identifizieren.

Die weihnächtliche Stimmung könnte also durchaus einen Einfluss darauf haben, welchen Stapi-Kandidaten sich die Bernerinnen und Berner im Januar zum Geschenk machen. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 21.12.2016, 06:09 Uhr)

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