Bildstrecke: Kunstschleuder zerstört
Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 01.10.2011 2 Kommentare
Artikel zum Thema
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Spätestens seit dem geplanten Hafenkran und dem gescheiterten Nagelhaus ist klar: In Zürich hat es Kunst im öffentlichen Raum schwer. Deshalb kommt es für die Stadt denkbar ungelegen, dass die Kunst-Schleuder im Hardaupark kurz nach der Einweihung bereits wieder abgesperrt werden muss. Das Kunstwerk, das gleichzeitig eine Riesenschaukel ist, konnte der Belastung durch die spielenden Kinder nicht standhalten. Innerhalb von zwei Tagen ging die Verschalung in die Brüche.
Erstellt wurde das «Y» von Messe- und Stadionbauer Nüssli. Eine international tätige Firma mit grosser Erfahrung bei aussergewöhnlichen Konstruktionen. Wie es zur Fehlkonstruktion kommen konnte, war auf Anfrage nicht zu erfahren. Sprecherin Karin Ruhland sagte lediglich: «Wir haben das Objekt so realisiert, wie es der Künstler gewünscht hat.» Seitens der Stadt liegt die Verantwortung nicht wie zu erwarten ist bei der Arbeitsgruppe für Kunst im öffentlichen Raum, sondern bei Grün Stadt Zürich.
Testschaukeln nützte nichts
Dort bedauert man laut Sprecher Lukas Handschin, dass das «Y» derzeit nicht benutzt werden kann, wie er auf Anfrage sagt. Allerdings sei man zuversichtlich, dass das Kunstwerk künftig funktionieren wird. Eigentlich hätte die Gabel, welche von der Steinschleuder herausragt, sicherstellen sollen, dass der Schwung der Schaukel soweit abgebremst wird, dass die Kinder nicht gegen das Kunstwerk prallen. Doch die Konstruktion funktionierte nicht.
Den Mangel brachte auch ein Testschaukeln nicht an den Tag. «Ingenieure und Techniker haben alles mögliche getestet und Varianten durchgerechnet», sagt Handschin. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass der Schwung der Schaukel abgebremst werden muss. «Dabei hat man aber Rücksicht auf den Künstler Sislej Xhafaund seine Vision nehmen müssen», sagt Handschin. Schliesslich habe man sich nach langen Verhandlungen auf die Gabel geeinigt, die in den ursprünglichen Skizzen und Visualisierungen nicht enthalten war. Eine Rolle spielten dabei auch die Kosten und die Ästhetik. Letzteres ist auch für den Betrachter wichtig.
Gabel bereits am Samstag ausgetauscht
Bei einem ersten Test war die verwendete Gabel zu klein. Deshalb wurde eine zweite gebaut. Allerdings reichte die Zeit nicht, um die neue Gabel bei der Eröffnung am vergangenen Freitag zu montieren. Deshalb kam zuerst die kleine Gabel zum Einsatz.« Das war eine kontrollierte Situation, da bei der Einweihung viele Erwachsene anwesend waren», sagt Handschin.
Nach den Feierlichkeiten fixierte Grün Stadt Zürich den Sitz in der Höhe, damit niemand schaukeln konnte. Am Tag danach wurde die grössere Gabel montiert. Wie sich zeigte, war diese ebenfalls zu klein dimensioniert: Jugendliche erreichten mit den Füssen nach wie vor die Verschalung und demolierten sie bereits am Sonntag so stark, dass das Kunstwerk ausser Betrieb genommen werden musste.
Zuerst werde man es laut Handschin wohl mit einer dritten Gabel versuchen. Ob diese aber in den nötigen Ausmassen montiert werden kann, ist ungewiss. «Einerseits könnte es Probleme mit der Statik geben, andererseits muss man auch noch schaukeln können», sagt Handschin. Deshalb werde man nun die Probleme analysieren und allenfalls neue Ideen ins Auge fassen. Spruchreif ist allerdings noch nichts.
Kein Schutz gegen Vandalismus
«Dass es trotz den Tests zu den Beschädigungen kommen konnte, damit haben wir nicht rechnen können», sagt Handschin. Bei den Tests habe man eine Annahme getroffen, sei aber nicht von einer «extremen Nutzung» ausgegangen. Das Kunstwerk habe über das Quartier hinaus eine enorme Anziehungskraft und soll deshalb bald wieder sicher betrieben werden.
«Unser Auftrag ist, das Kunstwerk so zum funktionieren zu bringen, wie es gedacht ist. Diese Aufgabe nehmen wir sehr ernst», entgegnet Handschin. Wie viel das kosten wird, lässt sich noch nicht sagen oberste Priorität habe die Sicherheit, so Handschin. Das müsse auch ein Anliegen des Künstlers sein. In sein Werk eingreifen könne man hingegen nicht ohne weiteres.
Tuena: «Unnötiges Experiment»
Falls die Änderungen über eine grössere Gabel hinaus gehen, müsse man sich mit ihm wieder in Verbindung setzen. Wann das «Y» wieder zum Spielen bereit ist, steht noch nicht fest. Man habe den Auftrag an Nüssli jedenfalls umgehend erteilt, das Problem zu lösen. Eine Verstärkung der Verschalung zum Schutz vor böswilliger Beschädigung steht derzeit nicht zur Diskussion. «Das Problem des Vandalismus haben sie heute mit jeder Telefonkabine, mit jedem Objekt im öffentlichen Raum», sagt Handschin.
Für Mauro Tuena, SVP-Fraktionschef im Gemeinderat, ist die Kunst-Schleuder ein «unnötiges Experiment», gerade in Anbetracht der finanziell angespannten Lage der Stadt Zürich. «Das ist hinausgeworfenes Geld. Da wollte sich einmal mehr ein Künstler auf Kosten der Steuerzahler verwirklichen. »
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.09.2011, 22:27 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
2 Kommentare
Ein solches Objekt im Freien in der Stadt Zürich aufzustellen auf Kosten der Steuerzahler grenzt an Fahrlässigkeit. Es müsste jedem klar sein, dass die üblichen destruktiven Elemente (Nachtbuben) sogleich in Aktion treten (!) - man vergleiche z.B. mit den Objekt-Aktionen an der Bahnhofstrasse. Die Verantwortlichen sollten alle Schäden inkl. allf. Abriss aus eigener Tasche bezahlen müssen. Antworten
Gute Idee...
Die Banken mit Milliarden der Steuerzahleren zu Retten grenzt an Fahrlässigkeit.
Es müsste jedem klar sein, dass die üblichen destruktiven Elemente (Spekulanten)
sogleich in Aktion treten (!)
Die Verantwortlichen (Writschaftfilz) sollten alle Schäden inkl. allf. Rettungsschrim
aus eigener Tasche bezahlen müssen.
Antworten

Bitte warten