Style
Und darunter ein Hauch von edlem Nichts
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Die Kollektion von «Le Boudoir» gibt es direkt bei Sandra Lemp (www.sandralemp.ch) zu kaufen. Aber auch bei Kitchener Plus in der Aarbergergasse 40 in Bern oder bei Thema Selection in der Spiegelgasse 16 in Zürich. Ein Set kostet im Handel ab Fr. 280.–.
Sandra Lemp, soeben haben Sie Ihre zweite Wäschekollektion lanciert: Feine, man könnte fast sagen, leise Lingerie. Was war die Ursprungsidee für «Le Boudoir»?
Sandra Lemp: Ich wollte etwas kreieren in einer Nische, die noch nicht übersättigt ist. Da gab es die dick auftragenden Baumwollslips oder den Hype mit den Push-up-BHs und – immer noch sehr aktuell – die auf einen Blick alles zeigenden Strings. In meiner Kollektion findet man weder das eine noch das andere. Mein Motto ist «sophisticated tease», also ein Spiel mit versteckten Reizen: Manchmal sieht man die Haut durchschimmern, manchmal nicht.
Der Stil von «Le Boudoir» erinnert an längst vergangene Zeiten. Ist das Absicht?
Das mag an den Culotten liegen, die bis zur Taille hochreichen. Allein sie geben der Linie bereits diesen Retrotouch. Mir persönlich entspricht dieser Style übrigens auch sehr. In der Umsetzung und dem Styling für die Fotos war mir allerdings wichtig, dass sich «Le Boudoir» abhebt vom Pin-up- und Burlesque-Style à la Betty Page oder Dita von Teese und zeitgemässer wirkt. Mir geht es schliesslich nicht um Effekthascherei und Gefälligkeit. Das zieht sich auch bis zu den Modellnamen durch.
Sie tauften sie «anywhere I lay my head» oder «7 heures du matin»...
Mir gefällt und entspricht diese Namensgebung der poetischen Art. Sie dünkt mich nicht so platt wie die sonst oft benutzten Frauennamen und lässt mehr Assoziationen zu. Schliesslich soll das Stück der Trägerin mehr vermitteln als «nur» gerade das Gefühl, endlich sexy zu sein.
Die Stücke sind nicht ganz günstig, dafür arbeiten Sie mit besten Materialien und lassen die Kollektion bei der renommierten Unterwäschefirma Zimmerli Coldrerio SA im Tessin produzieren. Weiss das die heutige Kundschaft noch zu schätzen?
Dem Feedback nach ja. Ich habe zwar ein sehr kleines Publikum, aber eines, das gerne Geld für Lingerie ausgibt. Zudem habe ich eine überschaubare und limitierte Auflage – es gibt gerade mal 20 Stück pro Wäschestück und Grösse –, das kann man gar nicht billig produzieren. Auch ist der Einkauf der Materialien und Accessoires zur Herstellung in kleinen Mengen viel teurer.
«Le Boudoir» hat vergangenen Sommer unfreiwillig für Furore gesorgt: Es wurde kritisiert, dass das Bundesamt für Kultur im Rahmen der Designförderung Unterwäsche finanziell unterstützt. Warum ist Lingerie ein so heikles Thema?
Ich war auch sehr erstaunt, zumal Design im weitesten Sinne von jeher unterstützt wird. Warum sollte Dessousmode davon ausgenommen sein? Darüber hinaus erfordert die Herstellung von Unterwäsche sehr viel technisches Wissen und Erfahrung. Man arbeitet mit mehrheitlich dehnbaren Materialien. Und, was noch wichtiger ist, Unterwäsche hat nebst ästhetischen Komponenten noch einen anderen Zweck zu erfüllen: Sie muss absolut perfekt sitzen und Halt geben. Das wiederum ist eine besondere Anforderung an das Design: Man kann nicht allzu experimentell arbeiten, dennoch will man etwas Eigenes erschaffen.
Von Modedesign zu leben ist nicht einfach. Schafft man es eher in der Lingerie-Industrie?
Nein, aber – und ich komme nochmals auf die kritisierten Bundesgelder zurück – unser Land hat in diesem Bereich einen sehr guten Ruf, und das ist ein Vorteil. Man denke nur an Zimmerli, Hanro, Calida, Triumph. Die Schweiz hat eine lange Unterwäsche-Kultur und -Tradition und gilt als Lingerie-Land.
Sie haben auch als «klassische» Modedesignerin Preise eingeheimst. Werden Sie sich irgendwann wieder der herkömmlichen Damenoberbekleidung widmen?
Ich schliesse es nicht aus. In der aktuellen «Le Boudoir»-Kollektion gibt es bereits Leggings und ein T-Shirt, und das könnte man vielleicht bereits als sanfte Annäherung definieren.
Erstellt: 13.11.2009, 11:48 Uhr


