Weiterarbeiten

Die Schweizer Männer präsentierten sich in St. Moritz stärker als erwartet. Für Cheftrainer Thomas Stauffer ist dies kein Grund, die Bodenhaftung zu verlieren.

«Beat hatte diesen Sieg schon lange im Kopf. Und er hat es umgesetzt, im eigenen Land; der Druck war riesig.» Cheftrainer Thomas Stauffer über Beat Feuz.

«Beat hatte diesen Sieg schon lange im Kopf. Und er hat es umgesetzt, im eigenen Land; der Druck war riesig.» Cheftrainer Thomas Stauffer über Beat Feuz. Bild: Marcel Bieri

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Die Hoffnungsträger waren vornehmlich weiblich. Explizit ausgesprochen hatten es nicht viele, aber den Schweizer Männern wurde im Vorfeld der Titelkämpfe in St. Moritz nicht sonderlich viel zugetraut. Abgesehen vom Husarenritt von Beat Feuz in Kitzbühel fanden sich auch kaum Anzeichen, die auf einen WM-Medaillengewinn hindeuteten.

Nun stehen die Männer sogar einen Tick besser da als das vermeintlich stärkere Skigeschlecht, obwohl die Frauen keineswegs enttäuscht haben. «Es sind ein paar Sachen aufgegangen», sagt Thomas Stauffer in seiner gewohnt nüchternen Art.

Feuz wie Pärson

Der Berner Oberländer ist seit Frühling 2014 Cheftrainer, er sieht sich von Amtes wegen mit Kritik konfrontiert. Die alpinen Männer sind spätestens seit der Ära von Bernhard Russi und Roland Collombin die mit Abstand meistbeachteten Schweizer Wintersportler. Bleiben Erfolgserlebnisse über längere Zeit aus, avanciert der Verantwortliche automatisch zur Zielscheibe.

Stauffer, der 47-jährige Schnauzträger aus der 900-Seelen-Gemeinde Unterlangenegg, ist ein unaufgeregter Zeitgenosse; er scheint wie geschaffen für den Schlüsselposten. «Ich lasse mich nicht so schnell aufscheuchen», hält er fest und ergänzt, er habe «ein paar Jahre Erfahrung» und könne daher einschätzen, wie es um die Qualität einer Mannschaft bestellt sei.

Seit zwei Dekaden tingelt Stauffer durch die Skiwelt. Er betreute Lindsey Vonn und Julia Mancuso, als sich diese auf dem Sprung in den Weltcup befanden. Er stand in schwedischen Diensten, als Anja Pärson in Are WM-Gold in Abfahrt, Super-G und Kombination gewann.

Vergangenen Sonntag, als Beat Feuz seine Karriere krönte, erinnerte er sich sogleich an die Bilder aus dem Jahr 2007. «Beat hatte alles auf dieses Rennen ausgerichtet, er hatte diesen Sieg schon lange im Kopf. Und er hat es umgesetzt, im eigenen Land; der Druck war riesig.»

Bei Pärson sei es genau gleich gewesen. «Sie wollte zu Hause unbedingt gewinnen.» Wem es gelinge, einen solchen Plan umzusetzen, sein Programm trotz Verschiebungen und des Rummels um die eigene Person abzuspulen, gehöre zu den ganz Grossen.

Aerni und Murisier

Zweimal Gold, einmal Bronze – der Ertrag ist so reichhaltig wie seit 2009 in Val d’Isère nicht mehr. Stauffer ist trotzdem weit davon entfernt, auch nur Ansätze von Euphorie durchschimmern zu lassen. Er bleibe bei seinem Ende Oktober in Sölden verkündeten Fahrplan, hält er fest. «Die meisten unserer Fahrer sind jung, sie müssen sich noch die Hörner abstossen.»

Schnell seien bereits ziemlich viele, stabil hingegen die wenigsten. «Luca Aerni hat Gold gewonnen; er hat gezeigt, was er kann. Aber es wäre falsch zu erwarten, dass er nun durchstarten wird.» Tiefstapeln liegt Stauffer ebenfalls fern. «Wenn wir in Ruhe weiterarbeiten können und von Verletzungen verschont bleiben, sieht es in zwei Jahren sehr gut aus.»

Ein bisschen länger gedulden muss sich der Skianhänger womöglich im Riesenslalom. Die Entwicklung in der Basisdisziplin hängt von den Folgen des bevorstehenden Materialwechsels aus. Der Kurvenradius der Skier wird im Hinblick auf die nächste Saison von 35 auf 30 Meter gesenkt, der Carvingschwung damit zurückkehren.

Justin Murisier ist der einzige Schweizer, dem im heutigen WM-Rennen ein Ex­ploit zugetraut werden darf. «Ich weiss, dass ich schnell bin, und ich weiss auch, dass ich noch nie ohne Fehler durchgekommen bin», sagt der 25-jährige Unterwalliser. In seinem Fall stehen die Chancen für eine schnelle Akklimatisierung auf den neuen Latten nicht schlecht, weil er in der formativen Phase auf Skiern mit 27er-Radius unterwegs war und mit diesen ausgezeichnet zurechtkam.

Meillard und Odermatt

Spricht Stauffer über den Riesenslalom, betont er die im Vergleich mit den andern Disziplinen geringe Breite. «Wir haben nicht so viele Gute, bei den ganz Jungen aber zwei sehr Gute.» Er meint Marco Odermatt, den gegenwärtig verletzten Juniorenweltmeister, und Loic Meillard, den eben erst von einer Verletzung zurückgekehrten ehemaligen Juniorenweltmeister.

«Die können richtig Gas geben», lässt der Berner verlauten. Was in Anbetracht seines geerdeten Wesens schon fast wie eine Kampfansage klingt. Und zum Schluss führt, dass es im Vorfeld der WM 2019 auch männliche Hoffnungsträger geben wird. Sofern in Ruhe weitergearbeitet werden kann.

Der Riesenslalom der Männer: ab 9.45 Uhr im Live-Ticker auf Bernerzeitung.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.02.2017, 07:35 Uhr

St. Moritz aktuell

Riesenslalom Männer (1. Lauf 09.45/2. Lauf 13.00)
Olympiasieger 2014: Ted Ligety
Weltmeister 2015: Ted Ligety
Favoriten: *** Marcel Hirscher, Alexis Pinturault ** Mathieu Faivre, Henrik Kristoffersen * Stefan Luitz, Felix Neureuther
Startliste:
1 Victor Muffat-Jeandet (FRA)
2 Felix Neureuther (GER)
3 Mathieu Faivre (FRA)
4 Henrik Kristoffersen (NOR)
5 Philipp Schörghofer (AUT)
6 Marcel Hirscher (AUT)
7 Alexis Pinturault (FRA)
8 Matts Olsson (SWE)
9 Florian Eisath (ITA)
10 André Myhrer (SWE)
11 Zan Kranjec (SLO)
12 Stefan Luitz (GER)
13 Leif Kristian Haugen (NOR)
14 Manuel Feller (AUT)
15 Justin Murisier (SUI)
16 Manfred Mölgg (ITA)
17 Carlo Janka (SUI)
18 Aleksander Kilde (NOR)
19 Steve Missillier (FRA)
20 Filip Zubcic (CRO)
23 Gino Caviezel (SUI)
27 Loïc Meillard (SUI)

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