Sport
Olympische Zeitreise - 1908 bis 2006
Das Eis schmilzt: Jayne Torvill und Christopher Dean gewinnen 1984 zu Ravels «Boléro» Olympiagold. (Bild: Keystone)
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Einige olympische Geschichten könnten direkt einem Hollywoodfilm entstammen. Sie erzählen von Athleten, die uns inspirieren. Entweder war ihr Weg nach Olympia aussergewöhnlich, oder ihre Geschichte hinterlässt ein Lächeln auf unserem Gesicht. Diese Geschichten sind für immer Legenden der Olympischen Winterspiele.
Sieger unter falschem Namen
Die ersten Wintersportwettbewerbe der olympischen Geschichte finden 1908 im Rahmen der IV.Sommerspiele in London statt. Die Premiere besteht aus einem Eiskunstlaufprogramm mit vier Konkurrenzen. Unter dem Pseudonym Panin gewinnt der Russe Nikolai Kolomenkin die Goldmedaille im Spezialfigurenwettbewerb. Als Beamter der Zarenregierung kann Panin nicht unter seinem richtigen Namen starten.
Bronze nach 50 Jahren
Anders Haugen (USA) wird an den I.Winterspielen 1924 in Chamonix im Skispringen Vierter hinter Thorleif Haug. 50 Jahre später stellt man einen Rechenfehler der Jury fest, und Anne-Marie Magnusson, die Tochter von Thorleif Haug, überreicht Haugen, mittlerweile 86 Jahre alt, am 12.September 1974 im Holmenkollen-Haus in Oslo «seine» Bronzemedaille. Ob es jemals einen älteren Sportler geben wird, der ein olympisches Siegerpodest betritt?
Gold im Sommer und im Winter
Eddie Eagan gewinnt an den III.Winterspielen in Lake Placid Gold im Viererbob – 12 Jahre nach seinem Olympiasieg im Boxen (Halbschwergewicht). Der Amerikaner ist der einzige Athlet, der bei Sommer- und Winterspielen zuoberst auf dem Podest steht.
Rückstände
Resat Erces’ Mutprobe am Berg findet am 7.Februar 1936 in Garmisch-Partenkirchen statt. 22:44,4 Minuten braucht der türkische Abfahrer, um den Gudiberg hinunterzuschleichen. Sieger Birger Ruud (No) legte die 3,3 Kilometer lange Strecke in 4:47,4 Minuten zurück. Erces wird Letzter, 8:14 Minuten hinter seinem Landsmann Mahmut Sevket, dem Vorletzten. Die Zeit von Erces’ «Stemmbogenfahrt» hat bis heute kein Abfahrer mehr übertroffen. Ebenfalls für einen olympischen Rekord sorgt Anton Sailer im Riesenslalom von Cortina 1956: Der «schwarze Blitz von Kitz» deklassiert den zweitplatzierten Österreicher Andreas Molterer um 6,2 Sekunden.
Doppeldeutig
Jean Vuarnet, der Gewinner der Männerabfahrt an den VIII.Winterspielen in Squaw Valley (USA), weist bei der Pressekonferenz nach der Siegerehrung auffallend blaue Flecken auf. Dass diese von einem Treppensturz bei Vuarnets Ersterkundung des olympischen Dorfs stammen, wissen die wenigsten. Und so fragt denn ein vielseitig interessierter Journalist teilnahmsvoll: «Ist das bei der Abfahrt passiert?» Um dann verblüfft zu hören: «Nein, bei der Ankunft.»
Grindelwalder Gold
An den IX.Winterspielen 1964 in Innsbruck und vier Jahre später in Grenoble verzaubert das russische Ehepaar Ljudmilla Beloussowa und Oleg Protopopow Publikum und Richter. Nach Streitigkeiten mit dem UdSSR-Verband bittet das Goldpaar 1979 in der Schweiz um Asyl. Seither leben Beloussowa/Protopopow in Grindelwald. Sie sind die einzigen noch lebenden Olympiasieger des Bergdorfs am Fuss der Eigernordwand.
Sechs Zentimeter
Lange Jahre ist Juha Mieto der überragende Mann der Langlaufwettbewerbe – nicht bloss wegen seiner Grösse von 1,96 Metern. Auch in Sachen Pech überragt der finnische Bauer seine Konkurrenten. An seinen vier Olympiateilnahmen ist es ihm nie vergönnt, eine Goldmedaille im Einzelwettbewerb zu gewinnen. 1980 in Lake Placid verpasst er den Olympiasieg über 15 Kilometer gegen den Schweden Thomas Wassberg nur um eine Hundertstelsekunde – oder um 5,9 Zentimeter.
Neunmal 6,0
Jayne Torvill und Christopher Dean gewinnen 1984 in Sarajevo Olympisches Gold – mit einer Kür, die weltberühmt wird: Zu Maurice Ravels berühmtem «Boléro» zeigen die Briten erstmals «freies» Tanzen und bringen das Eis förmlich zum Schmelzen. Die Folge: Standing Ovations des Publikums und zwölfmal die damalige Idealnote 6,0 – davon allein neunmal in der B-Note für den künstlerischen Ausdruck. Ein solches Traumergebnis hat es niemals zuvor und nie mehr danach gegeben. Acht Jahre später sinkt der prunkvolle Zetra-Eispalast wegen des blutigen Bürgerkriegs in Jugoslawien in Schutt und Asche. Die Bobbahn, auf der der Giobellina-Vierer Bronze gewann, wird zum Schützengraben serbischer Guerillas.
«The last man standing»
(Der letzte Mann, der noch steht). Der Goldtitel. Treffender als die «USA Today» kann man nicht mehr titeln. Wir erinnern uns an den Shorttracker Steven Bradbury, der an den Winterspielen 2002 in Salt Lake City in erster Linie darauf bedacht ist, die 1000 Meter ohne Sturz hinter sich zu bringen. Die Taktik des Australiers geht auf. Seine Konkurrenten, darunter Topfavorit Apolo Ohno, fallen reihenweise um. Bradbury muss nur noch durch die «Hohle Gasse» gehen.
Zwillinge teilen alles
In Erinnerung bleibt auch das Frauenrennen über 15 Kilometer Freistil in Salt Lake City: Die weissrussischen Zwillinge Vera und Natalja Zjatikowa laufen auf die Zehntelsekunde die gleiche Zeit heraus. Die Langläuferinnen werden gemeinsam auf Rang 17 gesetzt.
Rekord mit 6er-Haus
An den XX.Winterspielen 2006 in Turin passt das geflügelte Wort «Oldies but Goldies». Der kanadische Curlingskip Russ Howard gewinnt im Alter von 50 Jahren und 5 Tagen die Goldmedaille. Howard löscht den «Uraltrekord» des Amerikaners Jay O’Brien aus, der 1932 in Lake Placid mit 48 Jahren und 357 Tagen Gold im Viererbob gewann. Howard ist der einzige Männerskip, der es an Olympischen Spielen schafft, in einem End sechs Punkte zu erzielen – ein 6er-Haus im Final gegen Finnland. (Berner Zeitung)
Erstellt: 09.02.2010, 09:20 Uhr
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