«Ich gebe mich genau so, wie ich bin»
Von Stephan Dietrich. Aktualisiert am 19.04.2010
Keiner fliegt schöner, und vor allem fährt derzeit keiner schneller als der Frutiger Mike Schmid. (Bild: Keystone )
Mögen Sie Interviews?
Mike Schmid: Für mich ist es neu, dermassen gefragt zu sein, aber ich habe nichts dagegen. Ich weiss zudem, dass dies nicht ewig andauert. Schon bald werden die Anfragen wohl abnehmen.
Was hat sich sonst seit Ihrem Olympiasieg verändert?
Eigentlich nichts, und das ist gut so. Zum Glück ging die Saison mit dem Weltcup in Schweden (wo Schmid ebenfalls siegte, die Red.) fast nahtlos weiter. Da bleibt man aufs Wesentliche fokussiert.
Fällt es nicht schwer, sich nochmals zu motivieren?
Nein, überhaupt nicht. Die Leute, die mich gut kennen, wissen, dass ich einfach so bin.
Und Sie sind kein bisschen müde?
Wohl nicht mehr und nicht weniger als alle anderen Athleten.
In dieser Saison waren Sie sehr dominant, der Konkurrenz mindestens einen Schritt voraus. Warum?
Ich habe sehr gut trainiert und blieb von Verletzungen verschont.
Mental scheinen Sie auch sehr stark zu sein.
Ich habe im Moment keinen Grund zum Grübeln. Zum Saisonauftakt gewann ich gleich zwei Weltcup-Rennen. Von da an wusste ich, dass ich dabei bin. Wenn es läuft, muss man sich halt nicht überlegen, warum das so ist. Ich geniesse es, dass es so gut läuft und ich mich nicht mit Negativerlebnissen befassen muss.
Spüren Sie von Ihren Teamkollegen Neid?
Nein! Wir Schweizer sind ein sehr kollegiales Team und halten zusammen. Natürlich will jeder für sich den Erfolg, aber man gönnt ihn auch seinen Kollegen. Da hat sich mit dem Olympiasieg nichts verändert.
Die Konkurrenz ist aber bei euch sehr gross.
Ja, und sie wirkt sich motivierend aus. Wir haben zahlreiche Fahrer, die ganz vorne landen können. Wer sich im internen Training durchsetzt, ist auch international dabei.
Simon Ammann inszenierte sich nach seinen Olympiasiegen mit weisser Sonnenbrille. Wie wollen Sie sich werbewirksam präsentieren?
Gar nicht. Ich gebe mich genau so, wie ich bin. Und genauso will ich auch bleiben.
Ihre Bodenständigkeit ist also nicht Show?
Nein überhaupt nicht, das würde nicht authentisch wirken.
Haben Sie eigentlich schon Anfragen von potenziellen Sponsoren erhalten?
Da kann ich keine Auskunft geben. Ich werde derzeit von meiner Familie gemanagt. Ich selber hatte keinen Zeit, mich um die Post zu kümmern. Solange die Saison läuft, bin ich ausreichend beschäftigt.
In Grindelwald und Meiringen-Hasliberg stehen Ihre Heimrennen auf dem Programm. Welche Ziele haben Sie?
Wie erwähnt, ich will den Gesamtweltcup gewinnen.
Wie wichtig ist es, die Wertung im Berner Oberland zu entscheiden?
Es ist nicht relevant, ob der Sieg in Grindelwald, Meiringen oder erst im letzten Rennen feststeht. Hauptsache, ich gewinne die Kristallkugel.
Sie wurden oft gefragt, ob die Alpinfahrer schneller wären als Skicrosser...
...ich denke kein Alpinfahrer kann einfach so kommen und gewinnen. Es braucht schon eine gewisse Angewöhnungszeit.
Drehen wir den Spiess um. Wie gut wären Sie als alpiner Abfahrer?
Ich wäre chancenlos. Skicross und alpine Skirennen sind zwei verschiedene Dinge.
Mit Ihrer Körpergrösse wären Sie aber ein guter Gleiter.
Ich habe darüber noch nie nachgedacht, weil es für mich überhaupt kein Thema ist.
Sie haben sich also nicht für die Schweizer Meisterschaft angemeldet?
(lacht) Nein, ganz sicher nicht.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 19.04.2010, 09:55 Uhr

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