Sport
Ex-Swiss-Ski-Direktor Vaucher will keine schmutzige Wäsche waschen
Von Micha Jegge. Aktualisiert am 09.09.2010 2 Kommentare
Keine Stellungnahme
Am Dienstag vor einer Woche hatte das Präsidium von Swiss-Ski zur Medienkonferenz geladen. Man verkündete die Entlassung von Direktor Denis Vaucher, begründet wurde diese mit «Unstimmigkeiten, die das Vertrauensverhältnis nachhaltig gestört haben». Details liess sich keines der drei anwesenden Mitglieder entlocken.
Vaucher seinerseits wollte unmittelbar nach der Freistellung nicht Stellung beziehen. In dieser Woche hingegen sprach der Berner über Geschehnisse und Gefühle.
Diese Zeitung war bestrebt, Urs Lehmann mit Vauchers Aussagen zu konfrontieren. Der Verbandspräsident liess via Kommunikationschefin Diana Fäh jedoch ausrichten, zur Entlassung des Direktors äussere sich das Präsidium derzeit nicht.
Seit Ihrer überraschend erfolgten Freistellung ist eine Woche vergangen. Wie geht es Ihnen?
Denis Vaucher: Grundsätzlich gut, aber ich bin immer noch schockiert und fühle mich verletzt – sowohl in meiner Persönlichkeit als auch in Ehre und Stolz.
Worauf beruht der Schock?
Auf der Vorgehensweise des Präsidiums. Die Kündigung kam aus heiterem Himmel, ohne Vorwarnung. Es hatte weder ein klärendes Gespräch noch eine Abmahnung oder etwas in dieser Richtung gegeben. Bisher habe ich – trotz mehrfacher Aufforderung – keine schriftliche Begründung für die Kündigung erhalten.
Welche Geschehnisse führten zu den erwähnten Verletzungen?
Primär die Art und Weise, wie die Kündigung der Öffentlichkeit kommuniziert wurde. Was am Dienstag vor einer Woche im «Sport aktuell» auf SF zwei zu hören war, erschüttert mich noch heute. Auf die These des Journalisten, es müsse etwas sehr, sehr Gravierendes vorgefallen sein, erwiderte Urs Lehmann, «Sie können davon ausgehen, dass man nach lediglich acht Monaten nicht einfach, weil etwas zu schnell durchs Nachbardorf gefahren wurde, das Arbeitsverhältnis auflöst». Diese Aussage suggeriert ein strafbares Verhalten meinerseits, beispielsweise Veruntreuung. Solche Äusserungen sind inakzeptabel. Ich lege grossen Wert auf die Feststellung, dass ich mir kein strafbares Verhalten habe zuschulden lassen kommen. Ich habe inzwischen eine renommierte Berner Anwaltskanzlei mit der Wahrung meiner Interessen beauftragt und erwarte von Urs Lehmann eine öffentliche Entschuldigung für diese verbale Entgleisung.
Lehmann sprach auch von mangelnder Ehrlichkeit, Offenheit und Transparenz.
Diese Vorwürfe weise ich entschieden zurück. Es gab monatlich eine Präsidiumssitzung und alle 14 Tage eine Telefonkonferenz. Dort habe ich jeweils ehrlich und offen über meine Geschäftstätigkeit informiert.
Es handelt sich offensichtlich um ein Kompetenzgerangel zwischen strategischer und operativer Führung. Inwiefern wurden Zuständigkeitsbereiche überschritten?
Ich will keine schmutzige Wäsche waschen, deshalb nur so viel: Vor einem Jahr, anlässlich meiner Vorstellung als CEO, war seitens des Präsidiums mein unternehmerischer Geist gelobt worden, und man hat mir wörtlich gesagt, man wolle mir den nötigen Freiraum gewähren. Den unternehmerischen Geist kann man jedoch nur leben, wenn man ein gewisses Mass an Entscheidungsfreiheit hat. Anlässlich einer Präsidiumssitzung im April wies ich in meiner Analyse nach 100 Tagen Amtszeit auf die unklare Abgrenzung zwischen strategischer und operativer Ebene hin. Meine Analyse wurde unkommentiert zur Kenntnis genommen.
In der NZZ war zu lesen, die Absetzung des alpinen Frauen-Cheftrainers Hugues Ansermoz sei über Ihren Kopf hinweg erfolgt. Entspricht das der Wahrheit?
Fakt ist, dass das Präsidium mit dem jetzigen Frauen-Cheftrainer Mauro Pini bereits während der Olympischen Spiele in Vancouver Kontakt aufnahm, ohne Leistungssportchef Dierk Beisel, Pinis damaligen direkten Vorgesetzten Martin Rufener (Männer-Cheftrainer/die Red.) und mich zu informieren. Mehr kann ich zum jetzigen Zeitpunkt dazu nicht sagen.
Wie sieht es mit der Athletenbeteiligung von 50'000 Franken für die alpinen Trainingslager auf der Südhalbkugel aus, welche Sie angeblich gestrichen haben?
Ich habe sie nicht einfach gestrichen. Die Athleten konnten nicht verstehen, dass Swiss-Ski einen Gewinn von 500'000 Franken erwirtschaftet und sie sich trotzdem an den Kosten beteiligen sollen. Ich habe ihnen die Zusammenhänge aufgezeigt und in Absprache mit dem Chef Leistungssport und den Cheftrainern folgende erfolgsabhängige Vereinbarung getroffen: Wir lassen die Beteiligung fallen, wenn das Team die Nationenwertung auf Rang 2 beendet oder Swiss-Ski einen Gewinn von mindestens 300'000 Franken erzielt; budgetiert waren 90'000 Franken. Die nicht budgetierten Prämien, welche wir dafür erhielten, überstiegen die 50'000 Franken bei weitem. Als CEO von Swiss-Ski arbeitete ich mit einem Budget von 35 Millionen Franken. Da erscheint es mir unverständlich, dass 50'000 Franken den Handlungsspielraum des Budgetverantwortlichen sprengen sollen.
Existiert diesbezüglich keine konkrete Regelung?
Bei Swiss-Ski gibt es kein gültiges Organisationsreglement, das die Kompetenzen regelt, sondern nur eine Unterschriftenregelung, in der festgehalten wird, wer welche Verträge unterschreibt.
Im Raum steht auch der Vorwurf, Sie hätten Simon Ammann ein individuelles Sponsoring mit der Bank Bär erlaubt, obwohl Raiffeisen als Verbandspartner Branchenexklusivität geniesst.
Simon rief mich an, weil ihm das Unternehmen ein lukratives Angebot gemacht hatte, dessen Inhalt über das Sportliche hinausreicht. In der Folge suchten Simon, sein Berater Hubert Schiffmann und ich das Gespräch mit Raiffeisen. Die Raiffeisen-Vertreter kamen zum Schluss, in Simons Fall eine Ausnahme zu machen, weil er ein einmalig erfolgreicher Sportler ist und die Bank Bär unter anderem wegen des unterschiedlichen Kundensegments nicht als direkter Konkurrent betrachtet wird. Unter der Bedingung, dass Simon nur als Privatperson für die Bank Bär auftritt, wurde die Vereinbarung von allen Parteien unterzeichnet. Für Swiss-Ski unterschrieb übrigens nicht nur ich, sondern auch Urs Lehmann.
Im Rahmen der sommerlichen Werbewoche sagte Athletensprecher Didier Cuche vor Medien- und Sponsorenvertretern, sie seien «der richtige Direktor für Swiss-Ski». Haben Sie nach Bekanntgabe der Freistellung viele Reaktionen erhalten? Es haben sich sehr viele gemeldet, darunter auch einige Athleten und Trainer. Die Reaktion war stets die gleiche: Die Vorgehensweise des Präsidiums stiess auf Unverständnis. (Berner Zeitung)
Erstellt: 09.09.2010, 11:06 Uhr
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2 Kommentare
Ausgehend von den heute bekannten Fakten, entbehrt die Art und Weise des Vorgehens des Präsidiums von Swiss Ski jeglicher Form von Stil und Anstand. Meines Erachtens sollen und müssen sich Athleten, Verbandsmitglieder und Sponsoren die Frage stellen, ob ein solches Präsidium, vorab dessen Präsident, noch haltbar ist. Die Ereinisse erinnern leider stark an YB und Stefan Niedermaier. Antworten



Urban Fasel
Wenn ich so die Karriere von Vaucher verfolge überrascht mich das nicht. Wieder einer, der sich zu höherem berufen fühlt, aber eigentlich nicht fähig ist. Seine letzten Einsätze waren eher kurz (15 Mte Loeb) . Sogar im elterlichen Unternehmen war er nicht lange als Geschäftsführer tätig. Das spricht ja für sich. Antworten