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«Das ist grundsätzlich ein Affront»

Von Micha Jegge. Aktualisiert am 04.01.2011 33 Kommentare

Der 51-Jährige Martin Rufener aus Unterseen erklärt, weshalb er sein Amt als alpiner Männer-Chef von Swiss-Ski im Frühling niederlegt.

Martin Rufener: «Die Gruppentrainer waren geschockt.»

Martin Rufener: «Die Gruppentrainer waren geschockt.»
Bild: Keystone

Wie schwer ist es Ihnen gefallen, den Entscheid zuungunsten von Swiss-Ski zu treffen?
Martin Rufener: Sehr schwer, das sieht man schon an den Umständen, unter denen er zustande gekommen war. Ich hatte gegenüber Swiss-Ski im Sommer kommuniziert, dass ich gerne bis Ende Oktober Klarheit hätte, wurde jedoch immer wieder vertröstet. Am 10.Dezember musste ich handeln, weil ich meinen künftigen Arbeitgeber nicht noch länger hinhalten konnte.

Was hat schliesslich den Ausschlag gegeben?
Die Kündigungsfrist, ansonsten waren wir uns einig. Ich hatte auf sechs Monaten beharrt; im Vertrag, welcher mir zugestellt wurde, waren jedoch drei Monate vermerkt. Als ich vor fast sieben Jahren zu Swiss-Ski gestossen war, hatte ich auf eine längere Frist gepocht, weil es sich nicht um eine sichere Stelle, sondern um einen Risikojob handelt. Das sehe ich heute immer noch so.

Demnach scheiterte die Fortführung der Zusammenarbeit an einem Detail.
Das kann man so sehen. Das Ganze hat viel mit Vertrauen und Wertschätzung zu tun. Ich hatte nicht den Eindruck, dass man mich unbedingt halten wollte.

Wie entstand dieser Eindruck?
In Las Lenas, unserer Sommertrainingsbasis für den Speed-Bereich, bekunden wir immer wieder Probleme mit Wärmeeinbrüchen, welche uns die Piste zerstören. Deshalb schlug ich vor, Paul Accola mit seinem Bagger dorthin zu schicken, damit er den Hang in einer Weise bearbeitet, dass man ihn bewässern kann. Die Übung würde etwa 150'000 Franken kosten, welche sich in den nächsten fünf bis sieben Jahren wieder einsparen liessen, weil man als Investor bei den Bergbahn- und Hotelbetreibern auf den Preis drücken könnte.

Wie reagierte der Verband auf den Vorschlag?
Gar nicht, die Idee wurde nicht einmal richtig thematisiert; ich könnte auch noch andere Beispiele nennen. Da fragte ich mich schon, ob sie diesen «Stürmicheib» überhaupt noch wollen. Wir betreiben Spitzensport. Wer Erfolg haben will, muss der Konkurrenz auch abseits der Piste einen Schritt voraus sein. Das haben offenbar nicht alle begriffen.

Was empfanden Sie, als Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann Ihren Lohn öffentlich machte?
Das ist grundsätzlich ein Affront, aber noch viel schlimmer finde ich, dass er falsche Zahlen verbreitet hat. Mein Lohn ist gut, dessen bin ich mir bewusst, und dazu stehe ich auch. Aber ich verdiene nicht 250'000 Franken, wie in den Medien zu lesen war.

Sondern?
Gegenwärtig stehe ich bei einem Jahreslohn von 223'000 Franken. Wären wir uns einig geworden, hätte ich künftig 243'000 Franken verdient. Vor sieben Jahren hatte ich bei 180'000 Franken begonnen. Wenn ich schaue, wie wir uns sportlich entwickelt haben, empfinde ich den Lohnzuwachs nicht als überrissen.

Wie reagierten Trainerkollegen und Athleten auf den Entscheid?
Bei den Athleten war es unterschiedlich. Das ist normal, weil ich als Chef harte Entscheidungen treffen muss und mich nicht alle gleich gut mögen. Die Gruppentrainer hingegen waren geschockt, sind verunsichert, wollten es gar nicht wahrhaben. Das gilt in gewissem Sinn auch für mich. Ich war bereit, das Ziel «Sotschi 2014» in Angriff zu nehmen. Die wichtigste Anpassung hatten wir mit dem Ausbau auf vier Trainingsgruppen bereits vorgenommen. Ich habe ein sehr gutes Gefühl, was die Zukunft betrifft, unsere Talente haben viel Potenzial. Ich hoffe sehr, dass sich mein Nachfolger zuerst alles genau anschaut, ehe er seine Ideen einfliessen lassen wird.

Die Veröffentlichung des Abgangs kurz vor der Berner Oberländer Woche dürfte kaum in Ihrem Sinn gewesen sein.
Nein, überhaupt nicht; ich hätte am liebsten unmittelbar nach der Unterschrift bei Swiss Jet für klare Verhältnisse gesorgt. Swiss-Ski hatte jedoch im Sinn, gleichzeitig einen Nachfolger vorzustellen, deshalb kam ich ihnen entgegen. Am Mittag des 30.Dezember realisierte ich, dass einzelne Fahrer Bescheid wussten, sie waren ohne mein Wissen von einem Präsidiumsmitglied (es handelt sich nicht um Urs Lehmann/die Red.) aufdatiert worden. Das hat für mich das Fass zum Überlaufen gebracht. Ich liess die Verbandsspitze wissen, dass ich meine Entscheidung intern um 19 Uhr kommunizieren würde – und tat das dann auch.

Mit welchen Gefühlen blicken Sie den Rennen in Adelboden und Wengen entgegen?
Ich freue mich darauf. Wir werden Vollgas geben, wollen unseren Anhängern etwas bieten. Das gilt auch für die WM und den Rest der Saison: Wir haben Ziele, die wir erreichen wollen.

Wird Daniel Albrecht im Riesenslalom von Adelboden starten?
Sicher, sofern nichts dazwischenkommt. Und in Wengen wird er wohl die Abfahrtstrainings bestreiten.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 04.01.2011, 09:15 Uhr

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33 Kommentare

Christoph Sigwart

04.01.2011, 13:45 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Los, Herr Russi! Bewerben Sie sich endlich als neuer Skipräsident ! - Und schicken Sie Lehmann zum plaudern mit Hüppi... Antworten


Daniel Nipkow

04.01.2011, 10:04 Uhr
Melden

Sehr gut, dass Rufener ausgepackt hat. Vor diesem Hintergrund wird jedem klar, dass das Präsidium von Swiss Ski wichtigste Angelegenheiten gar nicht versteht: Wie zeigt man Wertschàtzung? Wie und wann kommuniziert man? Welcher Ideenreichtum gehört "neben der Piste" zur Saisonvorbereitung? Einfach nur blamabel und dilettantisch, die Verhaltensweise des Präsidiums von Swiss Ski. Antworten



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