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Beat Feuz zwischen Wahnsinn und Kristall

Von Micha Jegge. Aktualisiert am 03.02.2012

Im Vorjahr ist Beat Feuz in Chamonix erstmals in die Weltelite gefahren. Nun kehrt er an seine sportliche Geburtsstätte zurück und lässt das Geschehen Revue passieren.

Am 29.Januar 2011 fährt Beat Feuz in der Abfahrt von Chamonix auf Platz 7 und fliegt damit ins Bewusstsein der sportinteressierten Öffentlichkeit.

Am 29.Januar 2011 fährt Beat Feuz in der Abfahrt von Chamonix auf Platz 7 und fliegt damit ins Bewusstsein der sportinteressierten Öffentlichkeit.
Bild: Keystone

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Replik auf Russis Kritik

Sofern es den Organisatoren gelingt, den Neuschnee aus dem Kurs zu entfernen, findet heute das einzige Training im Hinblick auf die Abfahrten von Freitag und Samstag sowie die Super-Kombination vom Sonntag statt. Beat Feuz meint, er werde mehr Risiken eingehen als üblich, weil er nur einmal üben dürfe. Die Aussage lässt sich mit einer Kolumne Bernhard Russis in Zusammenhang bringen, in welcher der Urner über des Berners missratenen Auftritt in Garmisch schrieb und bilanzierte, Feuz sollte sich zuweilen auch im Training ans Limit begeben.

Der Angesprochene lässt sich ob dieser Worte nicht aus der Ruhe bringen, sagt, «ich fahre meine Linie, das hat bisher gut geklappt». Und der 24-Jährige verrät sein Erfolgsrezept: «Bei der Analyse vergleiche ich meine Linie mit jener des Schnellsten und stelle für das Rennen die ideale Mischung zusammen.»

Stichworte

Manchmal muss sich Beat Feuz kneifen. Selbst dem bodenständigen Emmentaler fällt es nicht immer leicht, zu verstehen, was in den letzten Wochen und Monaten geschehen ist. «Eigentlich ist es Wahnsinn», entfährt es dem 24-Jährigen. Vor zwölf Monaten hatte er im Weltcup mit Ausnahme des zehnten Rangs in der klassischen Kombination von Kitzbühel nicht einmal eine Top-Ten-Klassierung vorzuweisen, nun liegt er in der Gesamtwertung auf dem dritten Platz. Zeit, sich diesbezüglich Gedanken zu machen, bleibt ihm vornehmlich dann, wenn er sich wie in den letzten Tagen zu Hause erholt. In Bumbach, einem entlegenen Weiler in der gut 900 Einwohner zählenden Gemeinde Schangnau, ist die Ablenkungsgefahr gering; zumindest aus der Perspektive eines Einheimischen lässt es sich von einer idealen Energietankstelle sprechen. «Es hat auch Vorteile, wenn man ‹ab vom Schuss› wohnt», sagt er schmunzelnd.

Wider die Erwartungen

Gestern reiste Feuz nach Chamonix, in der savoyardischen Skistation werden am Wochenende zwei Abfahrten und eine Super-Kombination durchgeführt. Es handelt sich gewissermassen um die Rückkehr in seinen sportlichen Geburtsort, war er doch auf der La Verte vor Jahresfrist als Siebenter erstmals in die Weltelite gefahren. Damals sei ihm bewusst geworden, dass es «für ganz vorne reichen kann». Feuz spricht von einer gewaltigen Stärkung des Selbstvertrauens, von einem Schub, der ihn beflügelt habe – «wohl auch, weil ich mir auf dieser Strecke nicht sonderlich viel zugetraut hatte».

In Gleiterabschnitten hatte er bis zu seinem wegweisenden Auftritt in Chamonix jeweils relativ viel Zeit verloren, und auf der La Verte sind derartige Passagen in überdurchschnittlichem Mass auszumachen. Wer sich ganz vorne einreihen wolle, dürfe sich in diesem Gelände keine Fehler erlauben, konstatiert Feuz. Der Emmentaler fühlt sich ausgezeichnet. Die Grippe, von welcher er in Kitzbühel heimgesucht worden war, hat er überwunden, den Rückschlag von Garmisch-Partenkirchen (Rang 23) verarbeitet. Einen schlechten Tag pro Winter verzeihe er sich, meint er zu diesem Thema, lacht und ergänzt, es behage ihm nicht, wenn die Unterlage so weich sei wie am Samstag auf der Kandahar.

Bleibt es bei einem schlechten Tag, dürfte er bei der Kristallvergabe ein paar Worte mitreden. Im Hinterkopf sei die grosse Kugel zwar «irgendwo präsent, aber im Moment ist der Gesamtweltcup kein Thema». Erstens seien die vorne liegenden Ivica Kostelic und Marcel Hirscher in ihren Sparten extrem stabil, zweitens gehöre diese Wertung nicht zu seinen Zielen, hält Feuz fest. Verlagert sich die Diskussion auf die einzelnen Disziplinen, verändert sich die Tonart. Wer Anfang Februar noch im Rennen sei, verfüge wohl auch über das Potenzial, eine Kugel zu gewinnen – «wobei für mich allein der Fakt, zu diesem Kreis zu gehören, eine Riesensache ist».

Gegen den Teamkollegen

In der Super-G-Wertung belegt er Rang 2, vom führenden Norweger Aksel Svindal trennen ihn 60 Punkte. 69 Zähler umfasst die Differenz zwischen Leader Didier Cuche und dem zweitplatzierten Berner in der Abfahrt. Nüchtern betrachtet scheinen dessen Aussichten im Super-G besser zu sein – nicht nur wegen des geringeren Unterschieds. Bei Cuche habe sich in Kitzbühel ein Knoten gelöst, sagt Feuz. «Er studiert nicht mehr herum – weil er weiss, dass es bald vorbei sein wird. Und er hat seither beide Rennen gewonnen.» Sollte der Aufsteiger dennoch reüssieren, müsste er sich nicht mehr kneifen. Er könnte im Zweifelsfall einfach die Kugel berühren. (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.02.2012, 13:29 Uhr

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