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Als wäre der Gold-Schmid nie weg gewesen

Von Thomas Wälti. Aktualisiert am 18.02.2012

Fast zwei Jahre hatte Olympiasieger Mike Schmid keinen Ernstkampf bestritten. Zwei Kreuzbandrisse hatten ihn ausgebremst. Gestern feierte der Frutiger beim stark besetzten Europacuprennen in Davos mit Platz 2 ein glänzendes Comeback.

Olympia-Revanche: Mike Schmid (rechts) muss im Final den Österreicher Andreas Matt (Mitte) kurz vor dem Ziel ziehen lassen. Der Schweizer Armin Niederer (hinten) wird Dritter.

Olympia-Revanche: Mike Schmid (rechts) muss im Final den Österreicher Andreas Matt (Mitte) kurz vor dem Ziel ziehen lassen. Der Schweizer Armin Niederer (hinten) wird Dritter.
Bild: Freshfocus

Skicrossolympiasieger Mike Schmid ist eindrücklich auf die weisse Bühne zurückgekehrt. Nach einer fast zweijährigen Leidenszeit mit zwei Kreuzbandrissen stand ihm beim Comeback im Europacuprennen in Davos nur der Österreicher Andreas Matt im Weg. Im finalen Durchgang profitierte der letztjährige Gesamtweltcupsieger von einem Fehler Schmids vor dem Zielsprung. Sonst hätte der 27-jährige Frutiger Matt abermals auf den zweiten Platz verwiesen – wie schon an den Olympischen Winterspielen vor zwei Jahren in Vancouver.

Matt lobt Schmid

«Mike präsentiert sich schon wieder in einer Form, als wäre er nie weg gewesen», sagte Matt nach seinem Triumph. Der Gewinner von sechs Weltcuprennen streute dem Oberländer Rosen: «Hinter Schmid klassiert zu sein, ist keine Schande. Ihn zu bezwingen, macht den Sieg umso schöner.» Der Bruder des zweifachen Slalomweltmeisters Mario Matt nimmt an den Europacuprennen auf der Parsenn-Piste teil, weil an diesem Wochenende keine Weltcuprennen stattfinden und er Vergleiche mit Mike Schmid aufschlussreich findet. Ebenfalls ins Bündnerland gereist sind die aufstrebenden deutschen Freestyle-Skier Daniel Bohnacker (1 Sieg im Weltcup) und Simon Stickl (1) sowie der Russe Igor Korotkow (3 Weltcuppodestplätze). Aber auch Schmids Teamkollege Armin Niederer (gestern Dritter) nahm den 950 Meter langen, mit Mulden und Steilwandkurven durchsetzten Cross-Parcours nicht ohne Ambitionen in Angriff.

Bestzeit in der Qualifikation

«Ich bin baff», sagte Mike Schmid nach seinem ersten Ernstkampf seit fast zwei Jahren. Ziel sei es gewesen, mindestens den kleinen Final (Ränge 5 bis 8) zu erreichen. «Nun werde ich Zweiter, das bereitet mir extrem viel Spass.» Bereits in der Qualifikation, wo die 32 Startplätze vergeben werden, sorgte der Gewinner von sechs Weltcuprennen für einen Paukenschlag: Schmid fuhr die Konkurrenz in Grund und Boden; Matt verlor auf den schnellen Berner 66 Hundertstel. «Die Bestzeit in der Qualifikation bedeutet mir ebenso viel wie der zweite Platz im Rennen», betonte Mike Schmid. Um anzufügen: «Weil die Konkurrenz enger zusammengerückt ist, gibt in der Ausscheidung jeder Athlet Vollgas.» Manchmal würden Hundertstel darüber entscheiden, wer den Cut schaffe.

Vor dem Wettkampf habe er nicht gewusst, wo er stehe, verriet Schmid. Er habe sich natürlich Gedanken gemacht, wie sich zwei komplett verpasste Sommertrainings und fehlende Schneekilometer auswirken würden. «Ich habe in der Vorbereitung nie mit maximaler Kraft trainieren können.» Wegen der Verletzung hatte er im Strassenbau, seiner Hauptbeschäftigung, vor zwei Jahren nur bedingt arbeiten dürfen («mal zwischendurch walzen»). Im vergangenen Sommer verzichtete er ganz auf die Arbeit auf dem Bau. Schmid liess sich von der Armee in Magglingen als Zeitsoldat mit 50-Prozent-Pensum anstellen. «Jetzt fühle ich mich körperlich wieder fit.»

Weltcup-Comeback geplant

Nach dem gelungenen Comeback in Davos denkt Mike Schmid über die Teilnahme an den zwei Weltcuprennen in Bischofswiesen/ Götschen am 25./26.Februar nach. Er wolle das erst noch mit Nationaltrainer Ralph Pfäffli absprechen. «Aber es sieht danach aus.» Sollte der erste Olympiasieger im Skicross in Deutschland an den Start gehen, steht seiner Teilnahme beim Weltcupfinal in Grindelwald Anfang März nichts mehr im Weg. «In Grindelwald starte ich nur, wenn ich vorher ein Weltcuprennen bestritten habe», sagte der Gold-Schmid gestern in Davos. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.02.2012, 08:27 Uhr

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