Muhammad Ali und der Widerspruch

Aniya Seki trainiert einen Parkinsonpatienten. Andreas Raabe, Chefarzt am Inselspital, ist von der speziellen Therapieform überzeugt und sagt, er unterstütze das Projekt uneingeschränkt.

Muhammad Ali litt nach seiner gloriosen Karriere an Parkinson.

Muhammad Ali litt nach seiner gloriosen Karriere an Parkinson.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Muhammad Ali war der berühmteste Parkinsonpatient der Welt. Die Bilder aus Atlanta, als der Superstar 1996 aufgrund seiner zittrigen Hände nur mühevoll das olympische Feuer entzünden konnte, gingen um die Welt. Und doch sollen ausgerechnet mit Boxen die Symptome der degenerativen Hirnerkrankung bekämpft werden können.

Die Idee stammt aus den USA, wo unter dem Namen «Rock Steady» schon länger Boxtrainings für Parkinsongeschädigte angeboten werden. Aniya Seki gefiel die Vorstellung, mithilfe ihres Sports kranken Menschen zu helfen. Per E-Mail kontaktierte sie Andreas Raabe, am Inselspital Direktor und Chefarzt der Universitätsklinik für Neurochirurgie, und bat ihn um medizinische Beratung. In einem Gespräch überzeugte Seki Raabe vom Konzept, worauf dieser ihr Unterstützung zusicherte.

«Man kann zeigen, dass Sport teilweise die Medikamentenwirkung übertrifft, wenn man die Trainingseffekte und die Ausschüttung eigener Botenstoffe wie Dopamin und Serotonin misst», erläutert Raabe. Boxen sei besonders geeignet, «weil Parkinsonpatienten vor allem mit der Koordination, mit dem Gleichgewicht und mit schnellen Bewegungen Schwierigkeiten bekunden». Genau diese Sachen werden im Training geübt, und gleichzeitig wird die Rumpfstabilität verbessert. «Es kann gelingen», erklärt der Neurochirurge, «die Erkrankung in ihrer klinischen Ausprägung nach hinten zu schieben.

Das heisst: Durch gezieltes Training wird der Fortlauf der Krankheit verlangsamt oder die Beschwerden werden sogar kompensiert. In dieser Hinsicht kann Boxen effektiver als Physiotherapie sein.» Im Optimalfall erreicht ein an Parkinson Erkrankter durch intensives Boxtraining fast wieder den Normalzustand. Das gilt laut Raabe für Patienten im Frühstadium. Es könnten aber auch jene Menschen profitieren, die aufgrund der fortgeschrittenen Erkrankung sturzgefährdet seien.

Noch kein Vertrag

Raabe würde es begrüssen, wenn Krankenkassen künftig bei Parkinsonpatienten die Auslagen für Boxkurse übernehmen würden. Das Boxtraining, bei dem die Teilnehmer selbstverständlich nicht aufeinander einschlagen, würde sogar zu einer Kostensenkung beitragen, weil es anders als Physiotherapie in Gruppen durchgeführt wird. Ganz ersetzen wird das Boxen die Physiotherapie freilich nicht können, weil diese auch viele Dehnungs- und Beweglichkeitsübungen beinhaltet.

Derzeit arbeitet Aniya Seki im Anna-Seiler-Haus dreimal wöchentlich mit einem Parkinsonkranken. Die in Japan geborene Bernerin strebt an, den Kundenkreis zu vergrössern. «Es gibt noch keine Kooperationsvereinbarung», sagt Andreas Raabe, «aber wir machen demnächst gemeinsam einen Werbe-Flyer. Wenn Frau Seki die ganze Sache aufgebaut hat, werden wir die Kurse unseren Patienten empfehlen. Ich unterstütze das Projekt uneingeschränkt.»

Zurück zu Muhammad Ali: Es ist nicht erwiesen, dass der dreimalige Schwergewichtsweltmeister wegen des Boxens an Parkinson erkrankte, aber Chefarzt Raabe sagt klipp und klar: «Ein Schädel-Hirn-Trauma, das durch das Boxen zustande kommen kann, ist für degenerative Hirnerkrankungen wie Parkinson und Demenz ein Risikofaktor. Den Widerspruch, dass Boxen einerseits Ursache sein, anderseits bei Parkinson auch Nutzen stiften kann, finde ich spannend.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.01.2017, 09:38 Uhr

Artikel zum Thema

Aniya Seki will einen weiteren Sieg

Bereits im September war die Titelverteidigung der Bernerin Aniya Seki gegen die Ungarin Alexandra Lazar geplant gewesen, am Samstag soll der Kampf um den WBC-Silbergürtel im alten Tramdepot (beim Burgernziel) stattfinden. Mehr...

Rausschmiss für Seki

Die Boxing Kings Bern trennen sich von ihrer Profiathletin Aniya Seki. Ausschlaggebend waren die Vorkommnisse von letzter Woche. Mehr...

Aniya Seki sorgt für einen Eklat

Die Japan-Bernerin Aniya Seki trat am Boxmeeting in Worb überraschend nicht an. Jetzt drohen ihr Sanktionen. Mehr...

Paid Post

Mit Top-Behandlungen einfach und natürlich zur Sommerfigur

Wir wünschen einen schlanken Sommer! Höchste Zeit, sich selber in Form zu bringen. Die Spezialisten von slim&more unterstützen Sie mit einer kostenlosen Beratung und Figuranalyse am Bellevue Zürich.

Kommentare

Blogs

Gartenblog Gern gesehene Gäste

Bern & so Guten Abend, liebe Sorgen

Service

Die Welt in Bildern

Männchen machen für einen Heiligen: Auf den Hinterbeinen bahnen sich Pferd und Reiter ihren Weg durch die Menschenmenge in Ciutadella auf der spanischen Insel Menorca. Das ist Brauch während des San-Juan-Fests – und wer die Brust des Tieres streicheln kann, soll vom Glück gesegnet werden. (23. Juni 2017)
(Bild: Jaime Reina) Mehr...