Keiner kämpft besser als Bernhard Kämpf

Weil Benji von Ah (Giswil) und Matthias Glarner (Meiringen) im Schlussgang stellen, gewinnt der Sigriswiler Bernhard Kämpf den prestigeträchtigen Brünig-Schwinget.

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Wieder ein Berner, diesmal aber ein überraschender. Klammheimlich hat sich Bernhard Kämpf auf dem Brünig von fast zuhinterst in der Rangliste ganz nach vorne geschwungen. Während Benji von Ah und Matthias Glarner im Schlussgang schwitzten, bibberte Kämpf neben dem Sägemehl. Er wusste, dass er bei einem gestellten Schlussgang als Sieger ausgerufen würde. 14 Minuten später war der Sieg Tatsache, der Sigriswiler nahm es mit Freudentränen zur Kenntnis – und war erst einmal sprachlos.

Natürlich ist es der grösste Erfolg in der Karriere des 27-Jährigen. Es ist ja nach dem «Oberländischen» 2013 erst der zweite Festsieg bei den Aktiven. Verdient ist der Erfolg aber allemal, denn Kämpf belegte immer wieder Spitzenränge. Am «Eidgenössischen» 2013 in Burgdorf war er Siebter, am letztjährigen Kilchberg-Schwinget Zweiter. «Gehofft auf den grossen Coup habe ich immer, jetzt hats geklappt.» Wie aus dem Nichts, denn bis zum Mittag sah es für Bernhard Kämpf nicht gut aus. Zum Festauftakt stellte er mit Erich Fankhauser, und im 2. Gang reichte es gegen Dominik Waser erneut nicht zum Sieg. «Ich war unter Zugzwang», sagte Kämpf, der sich jeweils am Abend vor einem Schwingfest ein Glas Rotwein zur Beruhigung genehmigt.

Eigentlich hätte er ja den edlen Tropfen gestern eher in der Mittagspause benötigt. Diese nutzte der Berner Oberländer allerdings anderweitig sinnvoll. Die Physiotherapeutin habe er aufgesucht, und Gespräche mit seinen ebenfalls schwingenden Brüdern Alexander und Marcel hätten ebenfalls gut getan.

Wegweisender 4. Gang

Im Nachhinein aber erwies sich der 4. Gang als Schlüsselmoment. Der Kampf gegen Rainer Betschart war schon fast zu Ende, als Kämpf doch noch zum Siegwurf kam. «Ich hatte sicher Glück, es war ein Sieg in letzter Sekunde.» Von da an sei aber die Zuversicht auf ein Spitzenresultat gewachsen. Den 5.Gang gegen Reto Leuthard entschied er rasch für sich, und das Meisterwerk gelang Kämpf im 6.Gang gegen den «Eidgenossen» Christian Schuler. Mit dem Sieg brachte er sich in die ideale Position, der Rest ist bekannt. Mit dem Triumph krönt Bernhard Kämpf seine gute Saison. Nach starkem Beginn ergab sich in dessen Wettkampfkalender eine längere Pause. Er habe diese nicht nur zum Training genutzt, sondern auch zur Erholung. Die freien Wochenenden verbrachte er mit Kollegen. Dass die Form stimmt, bewies er vor einer Woche auf dem Weissenstein. Dort stand er gegen Christian Stucki im Schlussgang, den er allerdings verlor.

Einen Schlussgang gewonnen hat Bernhard Kämpf übrigens noch nie. Seine beiden Festsiege «erbte» er jeweils. «Dies ist mir allerdings im Moment egal. Jetzt wird gefeiert.»

Auch als Mannschaft waren die Berner, welche nicht weniger als 10 der 20 Kränze gewannen, klar die Besten. Die Innerschweizer Delegation musste sich derweil mit 6 Kränzen begnügen. Für die Gäste aus der Nordwestschweiz gab es immerhin viermal Eichenlaub.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 27.07.2015, 06:24 Uhr

Matthias Glarner: Unerfüllter Bubentraum

Zum dritten Mal steht Matthias Glarner auf dem Brünig im Schlussgang, zum dritten Mal verpasst er den Coup.Berner gegen Innerschweizer. Auf diesen Nenner kann man das Bergfest auf dem Brünig bringen. Die beiden stärksten Teilverbände blicken auf eine jahrzehntelange Rivalität zurück. Im fairen Wettstreit wird auf der Passhöhe die Vorherrschaft im Sägemehl ausgemacht. Die letzten vier Jahre stellten die Berner den Sieger, in diesem Jahr hingegen war die Ausgangslage spannend wie lange nicht mehr, und im Schlussgang duellierten sich ausgerechnet Benji von Ah und Matthias Glarner. Von Ah wohnt in Giswil, Glarner in Meiringen; für beide ist das Bergfest ein Heimspiel.

Bereits im 4. Gang kam es zu dieser Paarung, von Ah überrumpelte Glarner und feierte einen Sieg, der vom Publikum frenetisch gefeiert wurde. Einen Gang später erreichte der Lärmpegel seinen Höhepunkt, als von Ah auch Kilian Wenger bodigte. Kurz, der Turnerschwinger aus der Innerschweiz war gestern der stärkste Athlet im 120er-Feld. Zum Festsieg sollte die Performance doch nicht reichen. Im animierten Schlussgang standen zwar sowohl von Ah als auch Glarner dem Sieg nahe, nach 14 Minuten endete der Kampf jedoch resultatlos. Glarner war völlig ausgepumpt und wollte sich überhaupt nicht freuen. «Es ist mein Bubentraum, hier einmal zu gewinnen.» Bereits zum dritten Mal stand der Oberländer in einem Brünig-Schlussgang. 2012 verlor er gegen Christian Stucki, im letzten Jahr gegen Kilian Wenger. «Dann komme ich halt im nächsten Jahr wieder und versuche es erneut», meinte Glarner mit Galgenhumor.

Eigentlich dürfte der 29-Jährige ja stolz auf seine Leistung sein, trat er doch leicht angeschlagen an. Am Schwarzsee-Bergfest hatte sich Glarner am Mittelfinger verletzt, «meine Leistungsfähigkeit ist deshalb nicht bei 100 Prozent». Dennoch verlief der gestrige Tag lange nach dem Gusto des dreifachen «Eidgenossen». Im Schlussgang wollte er geduldig auf seine Chance warten, doch die Kraft für den Exploit fehlte. Zunächst konnte ihn der zweite Rang kaum begeistern. «Kränze vom Brünig habe ich mehr als genug. Es zählt für mich wirklich nur noch der Sieg.»
Glarner ist mittlerweile bei 98 Kranzgewinnen angekommen. In seinen letzten beiden Schwingfesten in diesem Jahr könnte er somit noch die 100er-Marke knacken. Die Hürde dazu ist allerdings recht hoch. Die Konkurrenz auf der Schwägalp und am Berner Kantonalen ist gross.stü

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