Emanuel Antener beendet Karriere –Abschied eines Unikums

Der Könizer Emanuel Antener hat in 256 Unihockey-Partien auf höchster nationaler Ebene 519 Skorerpunkte realisiert. Nun tritt der Skorerkönig der Heim-WM 2012 zurück.

Im Element: Emanuel Antener gewährt dem norwegischen Goalie Tomas Näsholm an der WM 2008 in Tschechien keine Abwehrchance.

Im Element: Emanuel Antener gewährt dem norwegischen Goalie Tomas Näsholm an der WM 2008 in Tschechien keine Abwehrchance.

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Von einer sanften Landung lässt sich nicht schreiben. Die letzte Szene in der Karriere des Unihockeyaners Emanuel Antener ist auf schmerzhafte Weise zu Ende gegangen. In der Viertelfinalserie gegen GC wurde der Floorball-Köniz-Stürmer vom übermotiviert einsteigenden Nationalteamkollegen Christoph Meier über die Bande befördert. Diagnose: Oberarmbruch.

Zweieinhalb Monate später folgt die Rücktrittserklärung, wobei der Protagonist festhält, die Verletzung sei nicht ausschlaggebend gewesen. Wer den 29-Jährigen kennt, zweifelt keine Sekunde lang daran, dass dies stimmt. Antener ist ein Intellektueller, ein Analytiker, «auf eine unglaublich positive Art nicht normal», wie der ehemalige Tigers-Langnau-Trainer Philippe Soutter einst hochachtungsvoll konstatierte. Er berücksichtigt alle Faktoren, steuert alles über den Kopf, nichts über den Bauch.

Zwei Punkte pro Partie

Als 11-Jähriger übersprang er ein Schuljahr, mit 17 schloss er das Gymnasium ab. Auf seiner Maturlektüre-Liste hatte sich das Werk «Utilitarismus» von John Stuart Mills befunden. Im Kern geht es im nicht nur für Teenager überaus komplexen Buch aus dem 19. Jahrhundert um das Streben nach dem grösstmöglichen Glück. Antener adaptierte die Denk- und Handlungsweisen des Briten auf den Unihockeysport.

Was, abstrahiert formuliert, zur Folge hatte, dass er konsequent versuchte, bei jedem Ballkontakt den bestmöglichen Entscheid zu treffen. «Grundsätzlich versucht das jeder; ich tue es vielleicht etwas bewusster als andere», liess er einst verlauten. In Kombination mit seinem Talent führte diese Maxime zu einem ausser­gewöhnlichen Ertrag.

Antener jongliert nicht nur mit Worten; er hat auch ein Flair für Zahlen. Auf die Frage, ob er seine statistischen Werte kenne, erwidert er: «So ungefähr.» Und ergänzt, die Summe der in der höchsten Schweizer Spielklasse erreichten Tore und Assists sollte bei 519 liegen. Der Blick in die Statistik offenbart: Antener hat, inklusive Playoffs, in 256 Partien 256 Treffer erzielt und sich 263 Torvorlagen notieren lassen. Das ergibt 519 Skorerpunkte, durchschnittlich zwei Zähler pro Begegnung. Was erstklassig, aber nicht einzigartig ist.

Zum Unikum wurde Antener wegen seines Stils. Das Gefühl für den Ball erlaubte ihm, die Kopfstellung nahezu permanent in der Horizontalen zu halten, die Laufwege der Mitspieler präzise zu antizipieren. Er spielte Pässe von selten gesehener Genialität, Pässe, die zuweilen selbst die Gefährten überraschten. Nicht jede seiner Bewegungen wirkte dynamisch, sein Auftreten daher manchmal nonchalant.

Die stupende Schusstechnik ermöglichte ihm, den Abschluss selbst aus sehr grosser Distanz zu suchen, wenn er den Ball per Direktabnahme aufs Tor pfeffern konnte. Die Konsequenz in seinen Analysen dringt auch bei weniger schönen Themen durch. Antener spricht von einer «definitiv ungekrönten Karriere». Zwei Cupsiegen stehen zahlreiche Enttäuschungen gegenüber. Während seiner zwei Jahre in Schweden verpasste er mit AIK Stockholm knapp die Finalteilnahme.

An der WM 2012 in Bern und Zürich – Antener gewann die Skorerwertung – unterlag die Schweiz den Finnen im Halbfinal, nachdem es 53 Minuten lang positiv ausgesehen hatte. In der Finalserie des Frühlings 2013 vermochte Ma­lans den Vergleich mit Köniz zu wenden, nachdem der heraus­ragende Akteur – Antener – einen Fussbruch erlitten hatte. Schlimmer gewesen sei jedoch die Niederlage im letztjährigen Super­final gegen GC. «Wir waren zuvor das bessere Team gewesen, hätten in einer Serie wahrscheinlich gewonnen. Aber an diesem Tag gelang es uns nicht, das Potenzial abzurufen», hält er fest.

Fast keine Strafen

So treffend er seine Stärken («Ich habe eine Spitzenkompetenz in der Offensive») beschrieb, so radikal definierte er seine Schwächen. «Meine Skorerwerte bedeuten nicht, dass ich generell ein guter Spieler bin», hielt er einst fest.

«Ich bin nicht der prädestinierte Captain, weil ich in kämpferischer Hinsicht kein Vorbild bin.»Emanuel Antener

Und: «Ich bin nicht der prädestinierte Captain, weil ich in kämpferischer Hinsicht kein Vorbild bin.» Seine Zweiminutenstrafen lassen sich an den Händen abzählen. Zweikämpfen ging Antener wenn immer möglich aus dem Weg. Wurde er trotzdem involviert, verhielt er sich nicht immer geschickt. Dem heranbrausenden Christoph Meier konnte er nicht ausweichen, der Rest ist bekannt.

Der Armbruch wird bald verheilt sein. Antener laboriert jedoch an einer Diskushernie; er hätte das Sommertraining mit Verspätung aufgenommen, wenn sein Entscheid andersrum ausgefallen wäre. Das grösstmögliche Glück hat er abseits des Feldes gefunden – er ist seit einem Jahr Familienvater. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.05.2017, 07:21 Uhr

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