Zeiler Köniz schlägt Kanti Schaffhausen
Von Philipp Rindlisbacher. Aktualisiert am 30.03.2009
Kanti Schaffhausen - Zeiler Köniz 1:3
Schweizersbild. – 914 Zuschauer. – SR Hefti/Flückiger. – Einzelne Sätze: 25:17 (23 Minuten), 17:25 (24), 23:25 (32), 23:25 (28).
Kanti Schaffhausen: Tomkom (3 Gewinnpunkte; 1 Angriff/0 Block/ 2 Service), Pissinato (9; 6/3/0), Koganezawa 9; 7/0/2), Wigger (9; 9/0/0), Mülethaler (9; 3/2/4), Repakova (21; 19/2/0), Kato (Libera) (0); Berchtold (0).
Zeiler Köniz: Thompson (3; 2/0/1), Polyakova (10; 5/3/2), Swarbrick (7; 2/3/2), Frey (12; 8/3/1), Sittirak (12; 12/0/0), Schulz (21; 20/0/1), Salgado (Libero) (0); Munoz (7; 7/0/0), Chalmers (0), Kawakami (0).
Bemerkungen: Schaffhausen ohne Cope Charles und Heidrich (beide verletzt). Köniz ohne Protasenia (rekonvaleszent). Letzter Ernstkampf von Schiedsrichter Michel Hefti, welcher in seiner Karriere über 1000 Spiele geleitet hat.
Stand best of 7: 0:2.
Er ging die Seitenlinie entlang rauf und runter; gestikulierte und griff immer wieder verbal ins Geschehen ein. Köniz-Trainer Dirk Gross erlebte im zweiten Playoff-Finalspiel eine Achterbahnfahrt der Gefühle. «Das war eine schier unglaublich chaotische Partie», schmunzelte der charismatische Deutsche. Gross hatte letztendlich gut Lachen, seine Equipe gewann den Viersatz-Krimi in Schaffhausen (17:25, 25:17, 25:23, 25:23) und liegt in der Best-of-7-Serie mit 2:0-Siegen in Front.
Nervös und fehleranfällig
Es sei für die Zuschauer ein begeisterndes, für einen Trainer jedoch ein fürchterliches Spiel gewesen, welches den Puls mehrmals in zu hohe Sphären versetzt habe, erklärte Gross. Überaus nervös waren die Bernerinnen in die Partie gestartet, durch zahlreiche Patzer in der Annahme konnte das gefürchtete Angriffsspiel gar nicht erst aufgebaut werden. «Ich versuchte, die Gemüter zu beruhigen, was im zweiten Satz auch ganz gut geklappt hat», sagte Gross. In der Tat: Nach einem schwachen Startsatz zeigte sich Zeiler Köniz wie verwandelt und glich zum 1:1 aus. Im gleichen Stil ging es weiter, Zeiler lag in Satz drei mit bis zu sieben Punkten in Front, ehe es nach einer Fehlerorgie plötzlich 20:23 stand. Wie aus dem Nichts patzten nun die Schaffhauserinnen; ihre Verteidigung war auf einmal so undicht wie das Dach der baufälligen Schweizersbildhalle. Köniz buchte fünf Punkte in Serie und stellte die Weichen vorzeitig auf Sieg. «Wir hatten eindeutig zu viele Schwächephasen. Was zählt, ist jedoch einzig der wichtige Auswärtssieg, und diesen haben wir nun in der Tasche», resümierte Gross, der von der Stimmung in der Halle angetan war.
Mangel an Alternativen
Am Mittwoch folgt für die Könizerinnen erneut die Reise in die Munotstadt (20 Uhr Schweizersbild). «Mit dem Break haben wir einen ersten Schritt in Richtung Titel gemacht», ist Anika Schulz überzeugt. Die Deutsche Nationalspielerin erfreut sich momentan einer blendenden Form, in den ersten beiden Finalpartien buchte sie 40 Gewinnpunkte. «Wir müssen noch konsequenter agieren, um kleine Zwischentiefs zu vermeiden. Wir haben das stärkere Team und wollen den Titel unbedingt», sagte Schulz.
Die Differenz zwischen den beiden Finalisten ist wie erwartet gering. Als entscheidender Nachteil für die Schaffhauserinnen könnte sich die fehlende Kaderbreite erweisen. Die Verletzung der Costaricanerin Karen Cope Charles ist doch gravierender als angenommen. Für die Leistungsträgerin dürfte die Saison gelaufen sein. Auch die 190 Zentimeter grosse Joana Heidrich fällt für die Finalserie aus – Schaffhausens Trainer Andreas Vollmer stehen nur noch zwei Ersatzspielerinnen zur Verfügung. Trotz Personalnöten kommt für Kanti Schaffhausen ein Last-Minute-Transfer nicht in Frage. Geld für eine zusätzliche Ausländerin ist keines vorhanden. Sorgen dieser Art kennt Dirk Gross nicht. Der Köniz-Coach kann aus dem Vollen schöpfen, bei Zeiler ist praktisch jede Position doppelt besetzt. Das 1:3 war die erste Schaffhauser Heimniederlage in dieser Saison. Der Bann ist gebrochen, am Mittwoch folgt für Zeiler Köniz der Akt der Bestätigung.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 30.03.2009, 10:01 Uhr

