World Games sind Spiele von einer anderen Welt
Von Werner Schweizer. Aktualisiert am 22.07.2009
An den World Games der nicht olympischen Sportarten sind die Aussichten von Schweizer Athleten auf Edelmetall so gut wie vor einem Jahr bei den Sommerspielen in Peking. Statt auf das Tennis-Duo Federer-Wawrinka hofft man im Lager der Eidgenossen jetzt auf die Faustballer oder das Seilzieher-Nationalteam der Männer, das in der leichteren Kategorie (bis 640 kg) immerhin am WM-Titel von 2008 gemessen wird – und im Final gegen Deutschland auch tatsächlich Gold holte. Auf Englisch heisst dieses archaische Brauchtum «Tug of War». Leider wurde das Schwingen noch nicht in den illustren Kreis der World Games aufgenommen. Es ist vorderhand nicht einmal nicht olympisch.
Gewisse Disziplinen sind für Olympioniken immer noch gewöhnungsbedürftig. Die Flossenschwimmer der World Underwater Federation sind ein Drittel schneller als Michael Phelps in seinen besten Zeiten. Beim Paintball wird mit Markierungsmunition auf den Gegner geschossen. Gemütlicher geht es wohl beim Saisonhöhepunkt im Pétanque zu. Und die deutschen Kegler sind empört, weil ihre Sportart nach dem Grosserfolg der letzten World Games in Duisburg zugunsten des Bowlings gestrichen wurde.
Das Reglement der Grossveranstaltung ist in einem wesentlichen Punkt vernünftig gehalten. Man benutzt nur bestehende Anlagen. 26 Sportarten plus fünf Einladungssportarten stehen auf dem Programm der elf Tage. Bereits an der Eröffnungsfeier kam es zu einem Eclat: Die 99 Athleten starke chinesische Delegation boykottierte den Anlass aus politischen Gründen. Das war dann eher eine olympische Disziplin.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.07.2009, 16:25 Uhr

