«Spass haben und gesund ankommen»

1334 Frauen und Männer haben in Meiringen mit dem Fahrrad am Volkssportanlass Alpenbrevet teilgenommen.

1/8

Die Morgendämmerung hat gerade eingesetzt, als Nik Umbricht aus Untersiggental beim Schulhaus Pfrundmatte, Meiringen, seine Startnummer holt. Es ist die 1887. Der Sportler erhält auch eine Lenkernummer. An ihr ist der Transponder befestigt, der für die Kontrolle und Zeitmessung sorgt.



Der Aargauer hat sich für die Gold-Tour angemeldet. 172 Kilometer, die über die Pässe Grimsel, Nufenen, Gotthard und Susten führen, liegen vor ihm. 5294 Höhenmeter wird er insgesamt erklimmen. «Wahrscheinlich mache ich doch die Silber-Tour», sagt Nik Umbricht. Das wären dann «nur» 131 Kilometer, weil bei dieser Strecke der Gotthard ausgelassen wird. Und «nur» 3975 Höhenmeter. «Ich frage mich wirklich gerade, warum ich da mitmache», gibt der Sportler mit einem Lachen zu. Das Wetter sei nicht so günstig, Regen mache die Strassen rutschig. «Ich habe Respekt und will es lieber ruhig angehen», sagt Umbricht. Doch der Anlass sei gut organisiert, er sehe viele Leute und könne unterwegs mit jemandem reden. Das sei Grund genug, um die Tortur auf sich zu nehmen.



Gabriele Roidl und Wibke Schubin aus Deutschland starten ebenfalls zur Silber-Tour. Auch sie haben Respekt vor der Strecke. Aber: «Weil es ein organisierter Anlass ist, wage ich endlich diese Herausforderung», sagt Gabriele Roidl. Ihre Kollegin fügt hinzu: «Ich bin froh, dass es im Falle einer Panne einen Fahrradservice hat, das ist ein weiterer Vorteil vom Alpenbrevet.» Was ist das Ziel der beiden? «Hauptsache, wir haben Spass und kommen gesund ins Ziel», antwortet Wibke Schubin. Ihre Freundin nickt und schwingt sich aufs Rad.



So weit ist Jérôme Excoffier noch nicht. Der Genfer isst um 6.15 Uhr im Festzelt das Frühstück. Mit einem Marmeladebrot in der Hand erklärt er: «Ein Freund hat das Alpenbrevet im vergangenen Jahr gemacht und geschwärmt. Nun will ich das auch versuchen. Aber ich habe auch etwas Angst. Ich bin diese lange Distanz und die Fahrt über die Pässe nicht gewohnt.»



Bereits um 6.35 Uhr wimmelt es am Start vor dem Casinoplatz Meiringen nur so von Radfahrerinnen und Radfahrern. Der Speaker macht darauf aufmerksam, dass die Strasse nur bis Innertkirchen gesperrt ist. «Ab dann gelten die normalen Verkehrsregeln», tönt es vom Lautsprecher. Am Strassenrand steht Susanne Huber, Gemeindepräsidentin von Meiringen. «Es ist super, diesen sportlichen Grossanlass hier zu haben und dass in diesem Jahr der Start und das Ziel im Dorf liegen und nicht wie im Vorjahr in Balm.»



Am Start ist die Stimmung um 6.40 Uhr friedlich, da und dort wird einem Sportler in den Startreihen noch Platz gemacht. Um 6.45 Uhr ist es so weit: Der Speaker zählt rückwärts, zwei Autos rollen mit Blinklichtern los. Sie müssen Gas geben. Denn auf «Drei, zwei, eins und los, alles Gute» treten die Frauen und Männer kräftig in die Pedale und sausen an den Zuschauern vorbei.



Die Mountainbiker machen sich später auf ihre Strecken des Alpenbrevets. Die einen starten zur «MTB-Rock» mit 40,5 Kilometern und einer Höhendifferenz von 1627 Metern, die anderen machen die «MTB-Hard» (68 km und 2934 m Höhendifferenz). «Es wird nass, bitte achtet darauf», mahnt auch hier der Speaker die Teilnehmer. Um 8.30 Uhr wird der Start freigegeben, und weg sind die Biker.



Vier Stunden, 56 Minuten und 57 Sekunden nach dem Start erreicht Moreno Frigg das Ziel beim Schulhaus Meiringen. Er kehrt als Dritter von der Silber-Tour zurück. Obwohl es beim Alpenbrevet nicht ums Gewinnen geht, freut sich der 17-jährige Meiringer über seine Leistung. Er sei erschöpft, sagt er, strahlt aber über das ganze Gesicht. «Es war super, waren wir zu dritt unterwegs und haben wir abwechslungsweise Windschatten fahren können. Der Aufstieg auf den Susten war lang und hart, aber plötzlich unterhalb der Passhöhe habe ich gemerkt, dass ich es schaffe», erzählt Moreno Frigg, bevor er seinen Erfolg mit seinen Freunden und seiner Familie geniesst.



Kräftigen Applaus und Bewunderung ernten die Fahrer der Platin-Tor (Grimsel, Nufenen, Lukmanier, Oberalp, Susten). Der OK-Chef Michael Schild betont aber, dass alle Gewinner sind, die ins Ziel kommen. Das ist von den insgesamt 1334 Sportlern, die am Start standen, rund 1250 gelungen. Es gab zwar einige Verletzungen. Aber: «Es gab keine grossen Zwischenfälle. In Anbetracht der misslichen Wetterverhältnisse ist alles gut und glimpflich abgelaufen», sagt Schild. Auch dass nicht wie erwartet 1700 Frauen und Männer am Anlass teilgenommen haben, führt der Organisator auf das Wetter zurück. Seine Bilanz: «Ich bin sehr zufrieden mit dem Alpenbrevet 2009.» (Berner Oberländer)

Erstellt: 10.08.2009, 14:49 Uhr

Meistgelesen in der Rubrik Sport

Emil Frey AG Autocenter Bern

Umfrage

Finden Sie es richtig, dass das Parlament Killerspiele in der Schweiz verbieten will?

Ja

Nein

Weiss nicht


Kolumnen & Kommentare




© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten