Silber fürs Goldtalent

Von Jürg Spielmann. Aktualisiert am 19.04.2010

Eine Medaille in Vancouver war das Ziel von Mono-Skibobfahrer Christoph Kunz (27) aus Reichenbach. Nun holte der gebürtige Frutiger Silber im «Riesen» – und er möchte mehr. Ihn erwartet nicht nur eine Überraschung seiner Bankkollegen...

Emotionaler Moment: Der paralympische Riesenslalom-Zweite Christoph Kunz an der Medaillenfeier. (Bild: Keystone )

Er ist eines der hoffnungsvollsten Schweizer Sporttalente – gar ein goldenes. «Golden Talents» heisst das Förderprogramm, mit dem junge ambitionierte Sportler auf dem Weg zur Spitze unterstützt werden. 30 Athleten aus Sportarten mit bescheideneren Budgets dürfen sich «Golden Talent» nennen. Der bald 28-jährige Christoph Kunz gehört dem Bunde als landesweit einziger Behindertensportler an. Warum dem so ist, das bewies der Frutiger mit Wohnsitz Kien- Reichenbach nun in Whistler. In der Nacht auf gestern (MEZ) erreichte der Mono-Skibobfahrer – er ist seit einem Motorradunfall im Jahr 2000 querschnittgelähmt – eines seiner sportlichen Ziele: eine paralympische Medaille. An den Olympischen Spielen der Behindertensportler in Vancouver ercarvte sich Christoph Kunz die Silbermedaille im Riesenslalom. «Er ist glücklich!», wusste gestern Mutter Bethli Kunz am Telefon erfreut zu berichten. Obwohl ihr Sohn am Start gestanden habe, sei natürlich auch ihr Puls erhöht gewesen.

«TV-Krimi» für die Familie

Das aus gutem Grund: Das Miterleben des bislang grössten Erfolges war für Christoph Kunz’ Familie eine nervenaufreibende Angelegenheit. «Auf dem Sender Eurosport wurde der zweite Lauf live übertragen», schilderte Bethli Kunz das Erlebte. Wobei: Das Wichtigste sollte dort dann doch nicht zu erleben sein. Zur Halbzeit lag ihr Sohn vor dem deutschen Favoriten Martin Braxenthaler. Als schliesslich nur noch die beiden Führenden im Starthaus standen, kam es zu einem längeren Unterbruch. Strömender Regen, Nebel, Wind: In Whistler spielte das Wetter verrückt. «Irgendwann wurde dann die Live-Übertragung abgebrochen», so Bethli Kunz. Dank dem Internet-TV der Spiele (www.paralympicsport.tv) durfte sie um Mitternacht doch noch mitfiebern, wie Sohn Christoph bei irregulären Bedingungen zur Silbermedaille fuhr. Er zeigte sich danach nur im ersten Moment enttäuscht darüber, dass es nicht für die goldene Auszeichnung gereicht hatte. «Es ist ein wunderschönes Gefühl», sagte er im Anschluss an die Medaillenfeier.

Frau und Bruder angereist

Christoph Kunz möchte mehr. Die Hymne des Siegers hören, das sei sein Traum, liess er nach der Silberfahrt im Interview mit Swiss Paralympic wissen. Noch stehen Abfahrt, Super-G und Super-Kombination aus. Die Tatsache, dass der Bankfachmann in den schnellen Disziplinen am stärksten ist, lässt hoffen. Ab heute Donnerstag darf Kunz in Whistler zudem auf Unterstützung aus dem engsten Familienkreis zählen. «Christophs Frau Steffi und Beat, der jüngste seiner drei Brüder, sind am Dienstag Richtung Kanada abgereist», verriet Bethli Kunz gestern.

Gemeinsamer Empfang?

Der gestrige Mittwoch war auch für das Team der Spar- und Leihkasse Frutigen (SLF) speziell. «Wir haben mitgefiebert und sind stolz, ihn bei uns zu haben», fasste Daniel Kuhn, stellvertretender Leiter Personal, zusammen. «Sensationell», fand Urs Grossen seinen Bürokollegen. «Wir schmieden Pläne, wie wir ihn überraschen können.» Christoph Kunz arbeitet seit knapp eineinhalb Jahren für die Regionalbank. Diese ermöglicht ihm, auch Spitzensportler zu sein. Er arbeitet in einem 70-Prozent-Jahrespensum – mehr im Sommer denn zur Winterzeit. «Das machen wir gerne möglich», so Direktor Daniel Schneiter. Während die Gemeinden Reichenbach und Frutigen Christoph Kunz würdig (und gemeinsam?) empfangen wollen, hofft Schneiter, seinen Erfolgsmann am nächsten Mittwoch begrüssen zu dürfen. Dann, wenn just an Kunz’ 28. Geburtstag zur SLF-Generalversammlung in die Widi-Halle geladen wird. «Das dürfte allerdings schwierig werden, da er voraussichtlich erst am Mittwoch in die Schweiz fliegt.» Zu weiteren Höhenflügen will Christoph Kunz vorerst jedoch noch in Kanada ansetzen. Was glauben Sie, wovon ein Goldtalent träumt... (Berner Oberländer)

Erstellt: 19.04.2010, 09:40 Uhr

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