Lance Armstrong hat sich überschätzt

Der Wechsel von Astana zum neuen Team Radio Shack zeigt, dass sich der siebenfache Tour-de-France-Sieger verkalkuliert hatte. Ein Kommentar von Bernerzeitung.ch/Newsnetz-Sportredaktor Stephan Roth.

Überraschen konnte die Meldung, dass Lance Armstrong die nächste Saison nicht mehr für Astana, sondern für das neue, amerikanische Team des Elektronikherstellers Radio Shack fährt, nicht mehr.

Seit er bei der Tour de France von seinem Teamkollegen Alberto Contador in den Schatten gestellt wird, ist klar, dass diese Konstellation keine Zukunft haben würde. Bei seinen sieben Tour-Siegen war Armstrong stets der grosse Dominator gewesen – im Feld und nicht weniger im eigenen Team, das sich jeweils bedingungslos für seinen Chef aufopferte.

Dass sich der bald 38-jährige Armstrong bei seinem Comeback auf ein Team einliess, bei dem mit Contador ein Mann mitfährt, der 2007 die Tour de France sowie 2008 den Giro d’Italia und die Vuelta a España gewonnen hatte, zeigt eines deutlich: Armstrong hat sich überschätzt. Er muss geglaubt haben, dass er stärker als der Spanier sei.

Spätestens seit Contador am letzten Sonntag bei der Bergankunft in Verbier der ganzen Welt zeigte, wer derzeit der beste Fahrer ist, und sich Armstrong wie an angeknockter Boxer ins Ziel rettete, wurde der Irrtum des Amerikaners offensichtlich.

Diesen Fehler versucht Lance Armstrong nun im Hinblick auf die nächste Tour zu korrigieren. Offensichtlich ist er nicht wie die Schweizer Radlegende Ferdy Kübler der Meinung, dass er zu alt sei und besser aufhören sollte. Er wolle «ein paar Fehler in der Vorbereitung korrigieren» und stärker zurückkehren, sagt er.

Für einen verbissenen Winnertypen wie Armstrong kann dann das Ziel nur der achte Sieg der Tour de France sein. Den scheint er sich nach wie vor zuzutrauen. Überschätzt sich Armstrong erneut? Die Antwort werden wir erst in ziemlich genau einem Jahr kennen, wenn der Amerikaner noch ein Jahr älter ist.

Erstellt: 24.07.2009, 13:40 Uhr




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