«Ich bin stolz, für diese Mannschaft zu fahren»
Von Emil Bischofberger, Le Grand-Bornand. Aktualisiert am 23.07.2009
Gregory Rast: «Wenn du vorne fährst, dann weisst du immerhin, dass eine Legende und der künftige Toursieger hinter dir fahren.» (Bild: Keystone)
Gregory Rast, Sie verbrachten in den vergangenen zwei Wochen wohl mehr Zeit an der Spitze des Feldes als jeder andere Fahrer. Konnten Sie die französischen Strassen geniessen?
Ich habe sicher am meisten gesehen vorne, ja. Wir fuhren jeden Tag, weil alle auf uns warteten - auch wenn wir da noch nicht Leader waren. Aber damit hatte ich gerechnet - ist ja klar, mit einer so starken Mannschaft.
Was ist das für ein Gefühl, alle 180 Fahrer hinter sich zu wissen?
Das ist nicht so speziell. Ich bin einfach stolz, für diese Mannschaft zu fahren. Zum Teil machen Mannschaften vorne Tempo - für nichts. Aber wenn du vorne fährst, dann weisst du immerhin, dass eine Legende und der künftige Toursieger hinter dir fahren. Dann lohnt es sich wenigstens. Vor allem bei der Etappe in der Schweiz war es mega, auf den Col de Mosses vorne zu fahren. Da standen einige Leute, die ich kannte, hinauf nach Verbier auch.
Das ist erst Ihre zweite Tour . . .
. . . und heute habe ich meinen Rekord verbessert. Bei meiner ersten Teilnahme wurden wir ja am zweiten Ruhetag wegen Winokourow heimgeschickt (2007 wurde das ganze Astana-Team nach der positiven Dopingprobe des Kasachen von der Tour ausgeschlossen).
Ihre Teamleader sorgen auch dieses Jahr für Schlagzeilen. Wie ist der Alltag mit Alberto Contador und Lance Armstrong?
Man sieht einander eigentlich schon nur am Abend beim Essen und am nächsten Tag im Bus. Aber das Problem mit dem Leader hat sich nach dem Aufstieg nach Verbier gelöst. Und ich glaube, Lance hat das auch akzeptiert. Er will sicher aufs Podium, aber Leader ist schon Alberto, schätze ich jetzt mal.
Teamchef Johan Bruyneel gab diese Woche bekannt, dass er nächste Saison mit Armstrong zusammen ein neues Team gründen wird, dessen ersten Hauptsponsor sie am Donnerstag präsentieren werden. Wie sieht Ihre Zukunft aus?
Ich habe noch bis 2010 einen Vertrag mit Astana, aber . . . (bricht ab)
Aber?
Mal schauen. Darüber möchte ich im Moment nichts sagen.
Steht Alberto Contador denn bereits als Gesamtsieger fest?
Nein. Der Mont Ventoux kommt noch. Ich bin da noch nie hinaufgefahren, aber Klödi (Rasts Zimmerkollege, der Deutsche Andreas Klöden) sagt, wenn du dort einen schlechten Tag hast, verlierst du schnell zwei, drei Minuten. Erst wenn wir in Paris über die Ziellinie fahren, haben wir das Rennen gewonnen.
Stellen Sie sich schon jetzt manchmal vor, wie das auf den Champs- Elysées in Paris sein wird?
Martin Elmiger hat mir gesagt, er habe das damals völlig unterschätzt. Das sei fantastisch, «uh huere geil». Ich habe schon ein paar Mal daran gedacht. Bis jetzt hast du es nur im Fernsehen gesehen, und jetzt kommst du dem Ziel jeden Tag einen Schritt näher. Darauf freue ich mich schon. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.07.2009, 09:01 Uhr

