Sport
Fabian Cancellara radelt in Ruhe der Sonne entgegen
Von Micha Jegge. Aktualisiert am 04.02.2010
Im Sommer hat Fabian Cancellara den Platz an der Sonne bisweilen gepachtet, im Winter scheint sie zumindest hierzulande nicht für den im März 29 Jahre alt werdenden Ittiger zu scheinen. Vor Jahresfrist hatte sich der Zeitfahr-Olympiasieger bei einem Trainingssturz in Ostermundigen eine Knochenmarkprellung im rechten Schulterblatt zugezogen. Die Frühlingsrennen, namentlich die ihm behagenden Klassiker in Belgien und Frankreich, bestritt er wegen mehrwöchiger Rekonvaleszenz ohne die nötige Basis. In Hochform gelangte er erstmals im Juni, als er die Tour de Suisse zu seinen Gunsten entschied. Anfang 2010 erkrankte er an einer Grippe. Zehn Tage lang war er ans Bett gebunden, das Saxo-Bank-Trainingslager auf Fuerteventura fand grossteils ohne den Co-Leader statt.
Wind hier, HĂĽgel da
Infolge der unerfreulichen Umstände bereitete sich Cancellara vergangene Woche individuell auf die anstehenden Events vor – unter spanischer Sonne, umgeben von seiner Familie, die er in den nächsten Monaten selten zu Gesicht bekommen wird. Am Sonntag eröffnet er auf der Arabischen Halbinsel die Wettkampfsaison. Der sechstägigen Tour of Qatar, die er zum zweiten Mal bestreitet, folgt die erstmals stattfindende, ebenfalls sechs Etappen umfassende Tour of Oman. Die Expansion in den Mittleren Osten, gefördert durch die Tour-de-France-Schirmherren der Amaury Sport Organization (ASO), basiert laut ASO-Direktor Christian Prudhomme auf dem Klima; man rechnet mit durchschnittlich 25 Grad.
Derweil die Profis in Doha und Umgebung vielmehr mit dem Wind als mit der Topographie kämpfen werden, erwartet das Peloton im südlicher gelegenen Sultanat coupiertes Gelände. Resultatorientierte Absichten hegt Cancellara weder in Katar noch in Oman. Ehe Mitte März in Form des Tirreno–Adriatico «der erste Test» auf dem Programm stehen wird, ist der Berner bestrebt, Kilometer zu sammeln, seinen Motor auf Touren zu bringen. In welchen Rennen er danach Akzente zu setzen gedenkt, behält er vorerst für sich. Fix ist die Teilnahme an der Flandern-Rundfahrt, Tour de Suisse und Tour de France wird er ebenfalls bestreiten. Der Rest sei von seiner jeweiligen Verfassung abhängig, sagt der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister. Es scheint, als wolle das gebrannte Kind nichts überstürzen. In Ruhe der Sonne entgegen – im realen wie im übertragenen Sinn. So liesse sich sein Motto wohl am ehesten beschreiben. (Berner Zeitung)
Erstellt: 04.02.2010, 08:29 Uhr






