Fabian Cancellara fährt selbstbewusst in den Frühling
Von Micha Jegge. Aktualisiert am 19.03.2010
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Die Aufbauphase ist zu Ende. «La Primavera», wie der Klassiker Mailand–Sanremo genannt wird, lädt die Radprofis am Samstag zum ersten Kräftemessen des neuen Jahres. Für Fabian Cancellara folgt die «Fahrt in den Frühling» dem (Rück-)Flug in den Winter. Im Februar hatte der Berner die erstmals ausgetragene sechstägige Tour of Oman gewonnen, bei Temperaturen von über 25 Grad war das Feld oft geschlossen durch das Sultanat gerollt. Nach ein paar Tagen im heimischen Ittigen bestritt der seit gestern 29-Jährige Anfang März die Eroica Monte Paschi und danach den Tirreno–Adriatico, Rennen in Italien, die seit Jahren zu den Fixpunkten seines Frühjahrsprogramms gehören.
Als grösste Herausforderung erwies sich dabei der Umgang mit der Kälte. Weniger als zehn Grad wurden in der Toskana gemessen, die Gedanken hätten sich mitunter stärker um die Kleiderwahl als die Rennen gedreht, sagt Cancellara. «Ich bin heilfroh, habe ich mich nicht erkältet.» Der Zeitfahr-Olympiasieger beschränkte sich weitgehend aufs Kilometersammeln, ein Belastungstest in Form eines Antritts sei nicht nötig gewesen. Angesichts seiner Erfahrung wisse er ungefähr, wo er stehe, konstatiert der letztjährige Tour-de-Suisse-Gewinner. «Vor der dritten Tirreno-Etappe fühlte ich mich, als würde die erste anstehen. Das ist allemal ein gutes Zeichen.»
Vor zwei Jahren ganz oben
Was die samstägliche Reise nach Ligurien betrifft, ist Cancellara bestrebt, den Ball flach zu halten. Vor zwei Jahren entschied der Sportler des Jahres 2008 die mit 294 km längste Classique für sich – er hatte sich 1800 Meter vor dem Ziel abgesetzt, die taktischen Geplänkel der Sprinter zu seinen Gunsten genutzt. Nun will er «schnell ins Rennen hineinkommen, Akzente setzen und Selbstvertrauen tanken».
In Anbetracht seiner Wortwahl lässt sich prognostizieren, dass Cancellara sicher nicht alles daransetzen wird, am Mittelmeer erneut zu reüssieren. Das Hauptaugenmerk gilt der Flandern-Rundfahrt, die am Ostersonntag zur Austragung gelangt. Die 250 km zwischen Brügge und Meerbeke waren ihm bis anhin nicht wohlgesinnt, im Vorjahr wurde er 70 km vor dem Ziel eines Kettenrisses wegen seiner Chancen beraubt. Es wäre indes fahrlässig, würde die Konkurrenz den dreimaligen Weltmeister darob morgen nicht im Auge behalten. Sollte dieser Sanremo ohne grösseren Kraftverbrauch mit der Spitze erreichen, gehörte er umgehend zum engsten Favoritenkreis. «Schlag zu, wenn sich die Gelegenheit bietet. Was du hast, kann dir niemand mehr nehmen», pflegt er sich in solchen Fällen zu sagen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 19.03.2010, 07:23 Uhr




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