Sport
Eine erstaunliche Wandlung
Von Philipp Rindlisbacher. Aktualisiert am 12.03.2010
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Die Sportwelt hat sich daran gewöhnt, dass 14 Tage nach dem Kommerzspektakel Olympia die Spiele für Athleten mit Handicap folgen: Die Paralympics. Und sie hat eine Tugend daraus gemacht. Mit wachsender Anteilnahme feiert sie ein Ereignis, welches das Bewusstsein für eine gesellschaftliche Minderheit schärft. Lange Zeit fristeten die Paralympics ein Mauerblümchendasein. Zwar stehen sie nach wie vor im mächtigen Schatten Olympias, die Wandlung, welche der Anlass erfahren hat, ist jedoch erstaunlich. An den 10. Winter-Paralympics in Vancouver (12.-21. März) werden über 600 Athleten aus 43 Nationen erwartet; sie kämpfen um 64 Medaillensätze. Bei der Premiere 1976 im schwedischen Örnsköldsvik waren es 250 Sportler; die Wettkämpfe wurden teils fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen. Punkto TV-Präsenz und Zuschauerzahlen sollen im Ahorn-Staat neue Dimensionen erreicht werden: 1500 Journalisten sind akkreditiert, im deutschen Sprachraum berichtet das deutsche öffentlich-rechtliche Fernsehen (ARD und ZDF) täglich bis zu drei Stunden. Auch in Österreich (ORF 1) wird von jedem Wettkampftag eine einstündige Zusammenfassung ausgestrahlt. Das Schweizer Fernsehen hinkt diesbezüglich etwas hinterher; Berichte gibt es jeweils im Rahmen der Sendung «Sport aktuell».
Mehr Profis, mehr Probleme
37 Medaillen gewann die Schweiz 1984, vor 12 Jahren in Nagano waren es deren 23. Solch eine Ausbeute ist gegenwärtig undenkbar, einerseits, weil weniger Handicap-Klassen unterschieden werden, andererseits, weil die Konkurrenz grosse Anstrengungen unternommen und aufgeholt hat. «In vielen Ländern sind mittlerweile auch Paralympics-Medaillen zu vermarkten. Vor allem Kanada, Japan und Deutschland sind uns einen Schritt voraus», erklärt der helvetische Teamchef Roger Getzmann. Es werde seit geraumer Zeit «echter Leistungssport» betrieben, in vielen Nationen vollprofessionell. «In dieser Hinsicht müssen wir nachziehen. Wir streben zumindest eine Teilprofessionalisierung unserer besten Athleten an», sagt der Nottwiler. Ein entsprechendes Projekt läuft bereits.
Die jüngste Entwicklung bringt aber auch Schattenseiten mit sich. Mehr Geld ist im Spiel, für die Sportler werden die Wettkämpfe attraktiver. Vor acht Jahren in Sydney gab es neun positive Dopingfälle, in Peking wurde ein Deutscher Rollstuhl-Basketballer nach einem positivem Befund suspendiert. Getzmann: «Die Problematik ist die gleiche wie bei den Nicht-Behinderten. Der Stellenwert der Medaillen steigt, die Anzahl Unbelehrbarer auch.»
(Berner Zeitung)
Erstellt: 12.03.2010, 11:45 Uhr


