«Die Durchführung der Kontrolle war mangelhaft»
Von Micha Jegge. Aktualisiert am 19.04.2011 1 Kommentar
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Antidoping Schweiz
Hierzulande sind 2010 so viele Dopingkontrollen durchgeführt worden wie nie zuvor. 2734 Tests wurden registriert, darunter 443 Blutkontrollen. 11 Athleten wurden 2010 des Dopings überführt; 2009 waren es noch 24 gewesen. Mehr als die Hälfte der positiven Ergebnisse seien auf Cannabiskonsum zurückzuführen, teilte die nationale Agentur an ihrer Jahresmedienkonferenz mit. Die Stiftung verfügte in ihrem zweiten Betriebsjahr dank einer Erhöhung des Bundesbeitrages über ein Budget von fünf Millionen Franken. «Wir haben gezeigt, dass wir den zusätzlichen finanziellen Beitrag zielgerichtet einsetzen», liess Stiftungsratspräsidentin Corinne Schmidhauser verlauten.si
Kamber: «Eine gute Blutkontrolle dauert maximal 15 Minuten.» (Bild: Lukas Lehmann)
Am Samstag um 21 Uhr, zwölf Stunden vor dem Start des London-Marathons, klopfte es an der Tür von Viktor Röthlins Hotelzimmer. Bei der Besucherin handelte es sich um eine Kontrolleurin von UK Anti-Doping, der englischen Antidopingagentur, die von Antidoping Schweiz beauftragt worden war, den Obwaldner zu testen. Weil die Britin mit der Nadel Schwierigkeiten bekundete und der Europameister keinen Urin abliefern konnte, dauerte die Zeremonie fast zwei Stunden. Röthlin hatte geplant, sich um 21 Uhr schlafen zu legen, sein Wecker war auf fünf Uhr morgens gestellt. Im Rennen wurde der 36-Jährige unter Wert geschlagen. Matthias Kamber, Direktor von Antidoping Schweiz, gewährt einen Einblick in die komplexe Kontrollproblematik.
Was ist bei der Kontrolle Viktor Röthlins schiefgelaufen?
Matthias Kamber: Der Zeitpunkt war richtig, die Durchführung hingegen mangelhaft. Bis zwölf Stunden vor einem Wettkampf darf ein Athlet kontrolliert werden. Wir sind gezwungen, diese Frist auszureizen, den Athleten möglichst knapp vor einem Wettkampf zu testen, weil Blutdoping nur während kurzer Zeit nachgewiesen werden kann. Die Qualität der Kontrolle war wie gesagt schlecht, das bedauere ich auch. Darüber werden wir mit der Partneragentur sprechen müssen. Ich erwarte, dass in solchen Fällen die besten Leute aufgeboten werden. Das tun wir im umgekehrten Fall auch.
Röthlin richtet sein Leben in den Tagen respektive Wochen vor dem Marathon vollumfänglich auf den Wettkampf aus, passt den Schlafrhythmus der Startzeit an, lebt in einer eigenen Welt. Wird auf die spezifischen Anforderungen einer Sportart keine Rücksicht genommen?
Wäre die Kontrolle plangemäss verlaufen, hätte sie Röthlins Vorbereitung kaum beeinträchtigt. Vorgesehen war, Blut zu entnehmen und eine Urinkontrolle anzuhängen, den Athleten aber keinesfalls zu quälen und vom zweiten Teil abzusehen, sollte es nicht umgehend funktionieren. Eine gute Blutkontrolle dauert 10, maximal 15 Minuten.
Bei einem Marathon bewegt man sich in jeder Hinsicht im Grenzbereich. Kann sich eine derartige Blutentnahme auf das Leistungsvermögen auswirken?
Im Maximum werden einem Athleten 16 Milliliter Blut entnommen, das ist sehr wenig und stellt selbst für einen Marathon kein Problem dar. Die mentale Komponente dürfte mehr Einfluss haben, weil wir das Blut auf vier Ampullen verteilen müssen und es dadurch nach viel aussieht.
Haben Sie diesbezüglich keine Skrupel?
Ich vertrete grundsätzlich die Ansicht, dass man als Profisportler mit den Reglementen leben muss. Bei den Radfahrern ist das gang und gäbe. Den Deutschen Patrik Sinkewitz, welchen wir positiv auf Wachstumshormone testeten, hatten wir morgens um sechs Uhr aus dem Bett geholt. Aber ich stimme Ihnen zu, wir sind in einem Grenzbereich – und Fehler verträgt es nicht.
Röthlin war drei Tage vor dem London-Marathon bereits von Vertretern des internationalen Leichtathletikverbandes getestet worden.
Das konnten wir nicht wissen, weil die IAAF es versäumt hatte, den Termin im dafür vorgesehenen System zu vermerken.
Halten sich die Verbände demnach nicht an die Regeln?
Das ist unterschiedlich. Mit der Uefa (der europäische Fussballverband) beispielsweise klappt es ausgezeichnet. Die Uefa kündigt uns ihre Kontrolltermine jeweils ein paar Tage im Voraus an. Mit andern funktioniert es weniger gut, was auch damit zu tun hat, dass die internationalen Verbände gemäss dem gültigen Wada-Code (die Regeln der Welt-Anti-Doping-Agentur) gegenüber den nationalen Agenturen Vorrang haben. Mit Weltverbänden wie der IAAF, der UCI (Radsport) und der FIS (Skisport) streben wir Abkommen an, die einen steten Datenaustausch beinhalten. Das ist der Weg, das ist die Zukunft. (Berner Zeitung)
Erstellt: 19.04.2011, 09:06 Uhr
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1 Kommentar
ich finde es eine sauerei, was mit röthlin passiert ist. da wird ein schweizer athlet von antidoping schweiz schikaniert. für diesen kamber sind alle athleten potentielle betrüger. diese kontrolle hätte man doch auch nach dem rennen machen können. unverständlich!!! Antworten

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