Sport
Das Geheimnis des Erfolges
Ende letzter Woche gewann Flavio Marazzi zusammen mit Enrico De Maria in Rio de Janeiro WM-Silber. In der Weltrangliste liegt der Berner auf Rang 1 und sorgt damit international für Aufsehen. Schliesslich gilt die Starboot-Klasse als die «Formel 1 im Segelsport».
Mit WM-Medaillen allein geben sich Marazzi/De Maria aber nicht zufrieden. In der Crew mit dem offiziellen Namen «Marazzi Sailing» denkt man voraus. Flavio Marazzi unternimmt alles, damit in London 2012 – bei seiner vierten Olympiateilnahme als Star-Segler nach Sydney (15. mit Bruder Renato), Athen (4. mit De Maria) und Peking (5. mit De Maria) – endlich die erste Medaille Tatsache wird. Nicht Silber oder Bronze soll es werden, sondern Gold. Die zwei einzigen Schweizer Segler, die aus dem Lesen von Wind und Wellen ihren Beruf gemacht haben, sind daran, um sich herum ein Team aufzubauen, das sie noch weiter bringen soll. Man überlässt nichts dem Zufall und ist offen für neue Wege. «Wir müssen alle Aspekte anschauen und herausfinden, wo wir noch Potenzial haben», begründet Marazzi die Ausweitung der Betreuercrew.
So besteht seit längerer Zeit eine Coachinggemeinschaft mit einem deutschen Team. Robert Stanjek und Markus Koy dienten Marazzi/De Maria schon vor den Olympischen Spielen in Peking als Sparringpartner, als sie mit deren Zwillingsboot die Schweizer schneller zu machen versuchten.
Marazzi will sich aber auch beim Material Vorteile verschaffen. Christof Wilke, der Bootsbauer aus Leissigen, gehört zu den allerbesten seines Fachs. «Wir haben zwar schon ein sehr schnelles Boot, aber im Detailbereich sind immer wieder kleine Fortschritte möglich», sagt er, der im Hinblick auf London ein neues, noch schnelleres Boot entwickeln will.
Ebenfalls zum Betreuerteam gehört Leo Held. Der deutsche Judospezialist, der seit 25 Jahren im Spitzensport tätig ist und Sergej Aschwanden in Peking zur Bronzemedaille führte, könnte zum ungewöhnlichen Quereinsteiger in der Segelszene werden: «Ich wollte mir einfach einmal die Abläufe im Segeln genau ansehen und kann jetzt schon sagen, dass es ähnlich ist wie in anderen Spitzensportbereichen. Flavio und Enrico setzen bereits vieles auf einem hohen Niveau um.» Ziel der Zusammenarbeit ist es, die Bereiche zu finden, die Verbesserungen ermöglichen – fernab des Segellateins. «Manchmal ist es gut, wenn einer von aussen kommt und die Steine mal umdreht, um zu sehen, was dahinter ist», sagt Held.
Bei so viel Fachkenntnis in verschiedensten Bereichen werden Marazzi/De Maria auch in Zukunft mit Topleistungen aufwarten. Die hochkarätige Konkurrenz ist gewarnt.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 26.01.2010, 10:58 Uhr
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