Mit den Hoffnungsträgern gegen die USA
Von Benjamin Muschg, Vancouver. Aktualisiert am 16.02.2010
Artikel zum Thema
Die vorolympische NHL-Woche endete für die beiden Schweizer ohne aussergewöhnliche Ereignisse. Torhüter Jonas Hiller zeigte eine starke Leistung und gewann mit Anaheim beim Ligaletzten Edmonton 7:3. Verteidiger Mark Streit hatte am meisten Eiszeit bei den New York Islanders und verlor 3:4 gegen Ottawa. Am späten Sonntag dann begann für die beiden der olympische Ausnahmezustand. Hiller traf um 10 Uhr abends, Streit gar erst um 2 Uhr morgens Ortszeit im olympischen Dorf ein.
«Ich bin ziemlich müde», sagte der 32-jährige Verteidiger, nachdem er nur acht Stunden später im Canada Hockey Place (den er von den NHL-Spielen gegen die Canucks als GM Place kennt) das erste Training mit der Mannschaft absolviert hatte. «Die Erholungszeit ist sehr kurz. Aber daran sind wir in der NHL gewöhnt.» Ausserdem verschwinde die Müdigkeit schnell, wenn man an einem solch gutbesetzten Turnier spiele. Hiller sprach über seine Freude darüber, dass das Warten nun endlich ein Ende hat. «In den letzten Tagen war es hart, sich zu konzentrieren, während rundherum alle von Olympia sprachen.»
Das wichtigste Thema rund um seine Ducks war zuletzt die Frage, ob ihr angeschlagener Star Ryan Getzlaf rechtzeitig für die Spiele fit werde. Mit je zwei Toren und Assists unterstrich der Kanadier am Sonntag, dass er fit ist. «Ich wünschte, er wäre nicht hier», scherzte Hiller. Am Donnerstag wird er im ausverkauften Stadion gegen ihn spielen müssen. Der 28-jährige Appenzeller hat eine klare Vorstellung davon, was seine Aufgabe im Schweizer Team sein wird. «Jedes Team hier hat einen Goalie, der Spiele für sein Team gewinnen kann. Das muss ich auch versuchen, damit wir eine Überraschung schaffen.»
Krueger der grosse Abwesende
Captain Streit hat sich mit Krueger darauf geeinigt, dass seine Rolle auf dem Eis im Vergleich zur letztjährigen Heim-WM etwas reduziert wird - zumindest in der Anfangsphase des Turniers. «Ich muss nicht immer 30 Minuten spielen», sagte der Berner. «Wir haben viele gute Verteidiger hier, und es ist wichtig fürs Team, dass die Eiszeit ausbalanciert wird.» Der grosse Abwesende an der ersten Übungseinheit mit dem vollständigen Olympiateam, die von den Assistenten Jakob Kölliker und Peter John Lee geleitet wurde, war der Nationalcoach. Ralph Krueger musste ausgerechnet während des letzten Teamtrainings vor dem ersten Spiel an einem Meeting aller Cheftrainer teilnehmen.
Einen Heimvorteil geniesst der Kanadier in Vancouver offensichtlich nicht. Immerhin kann er sich darauf verlassen, dass die einheimischen Zuschauer am heutigen Eröffnungsspiel gegen ihren ungeliebten grossen Bruder die Schweiz mit ganzem Herzen unterstützen werden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 16.02.2010, 17:54 Uhr
