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Der Goldwert von Simon Ammann

Von Christian Brüngger. Aktualisiert am 21.02.2010

Trotz seiner nun vier Olympiatitel wird der Skispringer aus dem Toggenburg kaum zum Werbemillionär. Simon Ammann spürt den Nachteil des Einzelsportlers.

1/10 Simon Ammann reagiert euphorisch nach seinem zweiten Gold-Sprung.
Bild: Reuters

   

Simon Ammanns Erinnerungen an die Spiele von Vancouver werden nach seinem zweiten Triumph von gestern immer golden sein. Nur: Wie viel ist dieses Gold wert? Zumal er potenzielle Sponsoren nebst seinem sportlichen Erfolg auch durch seine Persönlichkeit begeistern sollte: Ammann ist authentisch, witzig, nervenstark und wird von den (TV-)Zuschauern geliebt.

Hubert Schiffmann, der für die Agentur Weirather-Wenzel und Partner arbeitet, weiss es. Er vermarktet den Toggenburger seit 2002 für WWP und freut sich daran, dass der 28-Jährige acht Jahre nach seinem Doppelschlag endgültig bewies, wie hoch Durchsetzungsvermögen und olympische Konstanz seines Kunden sind. Nur: So ideal Ammann für Werbepartner auf den ersten Blick scheint, sein Gold vermochte er auf Sponsoringebene bislang bloss zu versilbern.

Dass Skispringen in Ammanns Heimmarkt Schweiz keine Hauptsportart wie Fussball oder Eishockey ist, es bloss von wenigen Aktiven ausgeübt und damit von keiner mächtigen Industrie getragen wird, sind Gründe. Dass Swiss Ski seinen Sponsoren, von denen alle Disziplinen profitieren, Branchenexklusivität einräumt, ist ein weiterer.

Rund 200'000 Franken bringt Ammann seine Kopfwerbung

Frei vermarktbar ist für die Skispringer seit 2006 der Kopfbereich (Helm, Mütze, Stirnband). Der Umgang mit dieser Kopffläche verdeutlicht sowohl die Philosophie von Ammanns Management wie die Schwierigkeiten im Markt: Erst zu Beginn der Saison 2006/07 fand sich ein Sponsor für die Fläche, die ihm rund 200 000 Franken im Jahr einbringen soll, auch weil Schiffmann den Platz nicht unter einer bestimmten Summe verkaufen wollte. «Wir verramschen Simon nicht», sagt er. «Das gilt auch für die Zukunft.»

Seit letzter Saison wirbt mit Helvetia nun ein Unternehmen mit Ammanns Kopffläche, das ohnehin schon Swiss Ski sponsert. Ausser Verträgen mit Ausrüstern und kleineren Partnern aber fehlen weitere Firmen, die bereit sind, Ammann zu ihrer Galionsfigur zu erheben. Grössere Werbeaktionen hat man seit 2002 und Salt Lake von Ammann nur zweimal gesehen (für eine Uhrenfirma und einen Milchproduktehersteller). Sie würden ihm jetzt gegen 150 000 Franken pro Auftrag einbringen.

Wesentlichen Anteil an Ammanns Einkommen macht darum das erreichte Preisgeld aus. Im letzten Jahr waren es 334 000 Franken. Weil die Preisgeldstruktur im Skispringen auf diese Saison hin angepasst wurde – statt den Top 10 erhalten nun die Top 30 Prämien –, ist dieser Budgetposten bei ihm erheblich gesunken. Statt wie früher pro Weltcupsieg 30 000 Franken zu verdienen, muss sich der Beste nun mit 10 000 begnügen. Diese Mindereinnahmen kann Ammann zumindest diese Saison dank den Olympiaprämien etwas kompensieren: Er erhält für seine beiden Goldmedaillen von Swiss Olympic 40 000 Franken.

Der Toggenburger spürt den Nachteil des Einzelsportlers

Für Rolf Huser von der Sportagentur IMG, die Andreas Küttel managt, ist Simon Ammanns relativ bescheidener Sponsoringerfolg erstaunlich. Huser sagt aber auch: «Ein Olympiasieg macht einen Athleten zwar bekannt, aber nicht zwingend interessant.» Damit will er keinesfalls gesagt haben, dass Ammann uninteressant sei. Gerade in einer kleinen Sportart wie Skispringen, dessen Marktpotenzial beschränkt sei, zähle der Persönlichkeitsfaktor umso mehr.

Schiffmann erklärt sich die Zurückhaltung möglicher Werbepartner damit, dass in der Schweiz kaum mit Markenbotschaftern geworben wird. Stolpert nämlich der Botschafter (privat oder sportlich), leidet auch die Marke. Wird hingegen ein Team unterstützt, verteilt sich das Risiko auf mehrere Akteure. Dennoch sind bei Schiffmann in den vergangenen Tagen diverse Sponsoring-Anfragen eingegangen. Drei bis fünf sind bislang seriös genug, um sie weiterzuverfolgen. Gewinnt Ammann letztlich ein bis zwei zusätzliche grosse Partner hinzu, ist Schiffmann zufrieden; werden es drei, ist er «glücklich».

Was sie für ein Engagement mit dem Skispringer aufwenden müssten oder wie viel Ammann bislang dank Sponsoring-Einnahmen verdiente, will Schiffmann nicht sagen. Als cleverer Verkäufer betont er dafür die Vorteile des Skispringers: Gerade weil Ammann «werblich unverbraucht ist», sei er für Firmen entsprechend attraktiv.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 21.02.2010, 14:35 Uhr