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Das Rätsel um Ammans Bindung

Aktualisiert am 18.02.2010

Die Österreicher sprechen hinter vorgehaltener Hand von Betrug und wollen Simon Ammanns Bindung kontrolliert haben. Was steckt dahinter?

Ammann und Schlierenzauer im Vergleich.

Ammann und Schlierenzauer im Vergleich.
Bild: Keystone

Bereits seit dem Weltcup von Klingenthal springt der Toggenburger mit einer neuen Bindung, die ihm dank eines gebogenen Bindungszapfens ein besseres Gefühl für den Ski gibt. Roger Kamber, ehemaliger Servicemann von Simon Ammann, erklärt: «Es gibt zwei Arten von Bindungen.» Während viele mit einer herkömmlichen Silvretta-Bindung springen, flog Simon Ammann schon 2002 an den Spielen von Salt Lake City auf einer «Bison-Bindung» zu Goldmedaillen. Diese entstanden in der Garage des finnischen Tüftlers Ilkka Tuomikoski und passen laut Swiss-Ski-Nachwuchstrainer Marc Völz optimal zu Ammanns Sprungstil.

Der Clou besteht darin, dass die Ferse nicht mit einer Schnur fixiert ist, sondern mit einem Metallstab aus gehärtetem Aluminium. Dass Ammanns Bindungszapfen zusätzlich gekrümmt ist, soll ihm Vorteile in der Stabilität während dem Sprung bringen.

Der Olympiasieger von der Normalschanze hat zum neuen Material noch nichts gesagt, sein Konkurrent Wolfgang Loitzl äussert aber einen Verdacht: «Ich denke, dass die Bindung für ihn ein Vorteil ist.» Völz will die Bedeutung der Bindung aber nicht überbewerten: «Es ist ein Teil des Gesamtpuzzles. Die Bindung hat die Leistung Ammanns zwar optimiert, aber nicht das Springen für ihn entschieden.»

Kein illegaler Akt

Dass sich das Material im Spitzensport Skispringen immerzu fortentwickelt und damit das Regelwerk herausfordert, ist normal und allerorten bekannt. Fraglich ist, ob der Schweizer Olympiachampion mit seinem Zapfen den Bogen des Erlaubten überspannt hat. Das Regelwerk der Fis zur Wettkampfausrüstung verbietet in Sachen Skisprungbindungen «Zusatzvorrichtungen durch artfremde Energie beliebiger Art als Absprunghilfe». Völz ist überzeugt, dass an Ammanns Bindung nichts illegal ist: «Da wird alles kontrolliert».

Allen Beteuerungen zum Trotz, Ammanns Leistung nicht schmälern zu wollen, wird der Österreichische Ski-Verband (ÖSV) demnächst an die Jury gelangen. Sie wollen, dass die streitige Bindung überprüft wird. Sollte die Jury trotz den Bedenken von Nachwuchstrainer Völz zur Erkenntnis gelangen, dass die Bindung nicht regelkonform ist, müsste Ammann damit rechnen, disqualifiziert zu werden. Dann könnte sich der Pole Adam Malysz am lang ersehnten Gold erfreuen – und die Schweiz hätte ein goldene Auszeichnung weniger.

Erstellt: 18.02.2010, 16:41 Uhr