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Dario Cologna läuft entfesselt zu Olympia-Gold

Von Hans Leuenberger (Si) , Whistler. Aktualisiert am 16.02.2010

Der 23-jährige Bündner erfüllte sein grosses Ziel bereits im ersten Anlauf und lief über 15 km in freier Technik zum Olympiasieg.

1/8 Dario Cologna: Das Strahlen eines Olympiasiegers.
Bild: Keystone

   

Dario Cologna deklassierte die Konkurrenz und schaffte nun schon in jungen Jahren den Schritt zu den ganz Grossen. Mit Olympiagold, Tour-de-Ski- und Gesamtweltcup-Sieg erreichte schon drei der prestigeträchtigsten Ziele im Langlaufsport. Nach Hälfte der Distanz übernahm der Schweizer die Führung und baute den Vorsprung bis ins Ziel auf knapp 25 Sekunden aus. Mit Top-Material an den Füssen gelang ihm der perfekte Lauf. Die Informationen seiner Betreuer liessen ihn die letzten Energiereserven anzuzapfen. Der zweitklassierte Italiener Pietro Piller Cottrer musste die Überlegenheit ebenso neidlos anerkennen wie Tour-de-Ski-Sieger Lukas Bauer (3./Tsch).

«Es ist unglaublich, ich bin sprachlos», sagte der Mann aus dem Münstertal. «Ich dachte selber nicht, dass ich es heute schaffen würde. Umso glücklicher bin ich nun.» Der 23-jährige Bündner gewann für die Schweiz die bislang wertvollste Langlauf-Medaille an Olympischen Spielen. Zuvor gab es vier bronzene Auszeichnungen zu feiern; Sepp Haas (50 km 1968), die Männer- und Frauenstaffel (1972/2002) sowie von Andi Grünenfelder (50 km 1988) lösten in der Schweiz phasenweise einen Langlauf-Boom aus.

Folgen weitere Medaillen?

Das 15-km-Rennen galt für Cologna als «Aufwärm-Wettkampf», er selbst sah sich als Aussenseiter und hatte im Vorfeld abgewägt, ob er statt den 15 km im Skatingschritt den Sprint vom Mittwoch in klassischer Technik anpacken soll. Sein Entscheid war goldrichtig. Der tiefe Schnee - die Rote Gruppe startet deshalb zu Beginn des Rennens - gereichte ihm sogar zum Vorteil. Cologna verfügt über einen raumgreifenden Schritt und gilt für seine Körpergrösse als Leichtgewicht.

Nun startet der Bündner als Top-Favorit für die Doppel- Verfolgung vom kommenden Samstag. Auch die Männer-Staffel gehört in dieser Verfassung zu den Podest-Anwärtern; die Klassierungen von Toni Livers (12.), Remo Fischer (15.) und Curdin Perl (17.) lassen auf medaillenreiche Tage im Whistler Olympic Park hoffen.

Völlig von der Rolle war Top-Favorit Petter Northug. Der Weltcup- Leader aus Norwegen hatte vor einem Jahr an den WM in Liberec nach Belieben dominiert und verlor nun als 41. über zwei Minuten. Die Skandinavier vergriffen sich wohl in der Skiwahl. Tord Asle Gjerdalen lieferte als 28. das Bestresultat für die erfolgsverwöhnten Norweger.

Killerinstinkt

Cologna wirkt nach aussen ruhig, ausgeglichen, cool, intelligent und selbstständig. Er ist ein Sportler mit Killer-Instinkt. Der dreifache U23-Weltmeister hat schon früh angedeutet, dass er über Jahre hinaus im Langlauf eine bedeutende Rolle spielen wird. Cologna erbrachte bereits vor seinen ersten Olympischen Spielen Leistungen, von denen andere Spitzensportler nur träumen. Nach dem Tour-de-Ski-Sieg im Vorjahr setzte er sich auch im Kampf um den Gesamtweltcup in einem packenden Duell gegen Northug durch. Wider Erwarten vermochte er im Duell gegen den übermächtig erscheinenden Norweger zu kontern, was den Erfolg noch wertvoller machte. Der jüngste Sieger des Engadin-Skimarathon (2007) ist lauftechnisch der Allrounder schlechthin. Dies hatte ihm letztes Jahr bei den Weltmeisterschaften in Liberec zum Nachteil gereicht. Er verzettelte sich. Doch in Tschechien wurde ihm die Wurst durch den Mund gezogen, nun hat er zugebissen.

Cologna absolvierte das Gymnasium am Hochalpinen Institut im bündnerischen Ftan und ist seit zwei Jahren Profisportler, was dank der staatlichen Sportförderung mit einem Pilotprojekt im Hinblick auf Vancouver 2010 möglich wurde. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.02.2010, 08:14 Uhr