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«Es ist noch alles möglich»

Von Monica Schneider, Vancouver. Aktualisiert am 17.02.2010

Nach dem Kurzprogramm ist Stéphane Lambiel wie an der EM Fünfter – sein Rückstand auf den Führenden Jewgeni Pluschenko ist aber viel kleiner.

1/15 Stéphane Lambiel wirbelt durch die Luft. Weil er bei der Kombination Vierfach-Toeloop/Dreifach-Toeloop patzte, liegt er nach dem Kurzprogramm auf Platz 5.
Bild: Keystone

   

Die Ausgangslage für Stéphane Lambiel vor der Kür in der Nacht auf Freitag Schweizer Zeit (Start 02.00, Lambiel 05.30 Uhr) im Pacific Coliseum in Vancouver ist nicht ideal, aber auch nicht schlecht. Mit 84,63 Punkten, einer Saisonbestleistung, ist der 24-jährige Walliser Fünfter hinter Jewgeni Pluschenko (Rus, 90,85), Weltmeister Evan Lysacek (USA, 90,30), Daisuke Takahashi (Jap, 90,25) und Nobunari Oda (Jap, 84,85).

Lambiel gelang zu Beginn die Vierfach/Dreifach-Kombination nicht wie gewünscht, aus dem dreifachen Toeloop wurde nur ein zweifacher. Wichtig in diesem Moment war aber, dass ihm überhaupt eine Kombination gelungen war. Weitere Punkte verlor er auf die vor ihm Klassierten, weil er im Gegensatz zu ihnen nur einen zweifachen Axel zeigte. Nichts für Schwindelanfällige unter den 11’200 Zuschauern war seine wunderbare Schlusspirouette, die in dieser irrsinnigen Geschwindigkeit und Dauer noch kein Läufer vor ihm gezeigt hat.

«Natürlich hätte ich am Anfang einen Dreifachen riskieren können», sagte Lambiel nach seinem Auftritt leicht enttäuscht, «aber es wäre ein zu grosses Risiko gewesen». Mit 43,15 Punkten erhielt der Schweizer in der einstigen B-Note, die Ausführung, Interpretation und Choreographie bewertet, am meisten Punkte aller Läufer, was für die Kür hoffen lässt. Denn dies waren 3,4 mehr als die 39,75 von Pluschenko, dem Olympiasieger von 2006. Gelingt ihm «La Traviata» perfekt, könnte sich dieser Wert leicht verdoppeln, und Lambiel hätte die sechs Punkte Rückstand auf den Russen bereits wettgemacht.

Absturz von Mitfavorit Joubert

«Sechs Punkte sind nicht sehr viel, alles ist noch möglich», versuchte er sich selber Mut zu machen. Vorausgesetzt es gelingen ihm zwei Vierfachsprünge wie bei seinem Silbergewinn im Januar in Tallinn, sind seine Chancen auf eine Medaille intakt. Denn die beiden Japaner vor ihm sind in dieser Saison die Höchstschwierigkeit noch nicht gesprungen, und Lysacek ist ebenfalls ohne diese Weltmeister und Grand-Prix-Finalsieger geworden. Es ist zu einer Gewohnheit geworden, dass Lambiel mit dem ersten Programmteil mehr oder weniger Mühe bekundet, um dann in der Kür die Jagd auf die vor ihm liegenden (meist erfolgreich) aufzunehmen.

Einen veritablen Absturz erlebte Mitfavorit Brian Joubert, der an der EM Bronze gewonnen hatte. Der Franzose stolperte beim Vierfach-Toeloop, sodass er keine Kombination springen konnte, und er stürzte später beim Dreifach-Lutz. Er ist auf den 18. Rang zurückgefallen und stellte frustriert fest, dass er an Olympischen Spielen einfach nicht laufen kann. Würde Pluschenko ein zweites Mal in Folge Olympiasieger, wäre er der erste Läufer in über 60 Jahren, dem dies gelänge. Gewänne Lysacek, wäre er der erste Weltmeister, der im Jahr darauf auch Olympiasieger geworden ist. Und gelänge Lambiel der grosse Coup, hätte die Schweiz erstmals einen Eiskunstlauf-Olympiasieger. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.02.2010, 08:28 Uhr