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Verehrt wie Lady Diana

Von Doris Henkel . Aktualisiert am 23.02.2010

Sie wird hofiert wie Lady Di, gibt Pressekonferenzen wie ein Popstar und will als James-Bond-Girl zur Eisqueen der Winterspiele werden: Für die Südkoreanerin Kim Yu-Na, amtierende Eiskunstlauf-Weltmeisterin, zählt nur Gold.

Königliche Auftritte erwarten die Südkoreaner von «Queen» Kim Yu-Na. Die 19-Jährige ist die Favoritin auf Eiskunstlauf-Gold.

Königliche Auftritte erwarten die Südkoreaner von «Queen» Kim Yu-Na. Die 19-Jährige ist die Favoritin auf Eiskunstlauf-Gold. (Bild: Keystone)

Schlittschuhs zu regulieren, und zwölf Kameras schwenken nach unten. Kim Yu-Na richtet sich auf und zieht das langärmelige Top über den Kopf, die Kameras schwenken nach oben. Kim Yu-Na gleitet übers Eis, zwölf Kameras folgen ihr in staatstragender Mission. Denn in Korea warten die Menschen auf aktuelle Bilder ihrer Weltmeisterin, von der sie nichts anderes erwarten als den Olympiasieg.

Von den Leuten daheim wird sie Queen Yu-Na genannt und wie ein Popstar verehrt und belagert, und wie das aussieht, erfuhr ihr kanadischer Coach Brian Orser, als sie zusammen in Südkorea waren. «Ich hatte danach eine Ahnung, wie es mit Prinzessin Diana gewesen sein muss», sagt er. «So viele Paparazzi hab ich noch nie gesehen. Sie brauchte Leibwächter, um überhaupt durchzukommen.»

Multimillionärin

In Vancouver ist es ein wenig besser. Freitag war sie mit Orser gelandet, Samstagnachmittag drehte sie im Training die ersten Runden und probte ihr wunderbares Kurzprogramm zu James-Bond-Melodien. Dieses Bond-Girl ist allerdings keine Gespielin, sondern Hauptdarstellerin, nicht nur auf dem Eis. Das «Forbes Magazine» berichtete kürzlich, Kims Einnahmen im vergangenen Jahr aus diversen Werbeverträgen beliefen sich auf acht Millionen Dollar, und damit ist sie im zarten Alter von 19 Jahren die reichste Athletin dieser Spiele. Aber sie nimmt nicht nur, sie gibt offenbar auch; kürzlich spendete sie 100000 Dollar für die Opfer des Erdbebens in Haiti und überraschte damit sogar ihren Coach, der davon erst aus der Zeitung erfuhr.

Nachdem sie die Übungsstunde beim ersten olympischen Training mit einem graziösen Knicks beendet hatte, wurden die zwölf Kamerateams in einen drei mal vier Meter grossen Raum mit blauem Wandbehang geführt, Kim Yu-Na stieg auf ein kleines Podium, schlüpfte in eine silberglänzende Weste und wäre bereit gewesen, unter anderem auf die Frage zu antworten, ob sie sich freue, endlich in Vancouver zu sein. Doch ihre Managerin, eine überaus energische Person mit Kasernenhofton, fuhr dazwischen und beschied, es seien nur Fragen zum Training an sich und zur Qualität des Eises zugelassen. Nach fünf Minuten war der Spuk vorbei, Kim Yu-Na verabschiedete sich lächelnd und sah in diesem Moment wie ein ganz normales, ziemlich hübsches, aber ein wenig überfordertes junges Mädchen aus.

Enormer Druck

Sie ging, eskortiert von der barschen Dame. Orser blieb und nahm sich ein wenig Zeit, um darüber zu reden, was er tun kann, um ihr bei der Goldmission zu helfen – nachdem er in aller Verbindlichkeit die Frage eines Fernsehmannes aus Brasilien, wann man von den Frauen Vierfachsprünge erwarten könne, beantwortet hatte. Wenn sich jemand auskennt mit dem Druck, der auf einem Athleten lastet, von dem ein ganzes Land Gold erwartet, dann ist das Orser, der 1988 bei den Spielen in Calgary im aufgeheizten Duell dem Amerikaner Boitano unterlag. Beide waren in Kostümen angetreten, die Militäruniformen nachempfunden waren; Boitano so forsch wie Napoleon, Orser, überwältigt vom Trubel, aber nur wie ein Adjutant. «Ich weiss, wie es ist, als Favorit um Gold zu kämpfen», sagt er, «und ich glaube, Yu-Na ist froh, dass sie von dieser Erfahrung profitieren kann.»

Der Trainer als Fan

Im Dezember hatte er daheim im noblen Toronto Cricket, Ska-ting&Curling Club Dutzenden von Reportern aus aller Welt gezeigt, wo und wie er mit Yu-Na trainiert, hatte Gespräche organisiert. Aber die Zeit der offenen Tür endete am 19.Dezember, und in den Wochen danach konzentrierten sich die beiden nur noch auf die gemeinsame Arbeit. Selbst der Präsident des Internationalen Eissportverbandes handelte sich eine Abfuhr ein, als er Kim zum Start bei den sogenannten 4-Kontinente-Meisterschaften in ihrem Heimatland überreden wollte.

Orser ist nicht nur Kims Trainer – der, den sie unbedingt haben wollte –, sondern er ist auch in gewisser Weise ihr Fan. «Wenn sie so gut läuft, wie sie kann, dann ist sie nicht zu stoppen», sagt er. «Sie zieht die Zuschauer in ihren Bann, und sie steht für alles, was Eiskunstlauf der Frauen attraktiv macht. Ich bin stolz auf sie.» Als Kim Yu-Na im vergangenen Jahr in Los Angeles mit Anmut, Stärke und traumwandlerischer Sicherheit ihren ersten Weltmeistertitel gewann, hüpfte Orser hinter der Bande vor Freude. So wünscht er sich das auch diesmal, und bis dahin will er dafür sorgen, dass sie nicht nur an den am Dienstag mit dem Kurzprogramm beginnenden Wettkampf denkt, sondern Momente sammelt und sich vom olympischen Flair inspirieren lässt. Die Frage ist nur, ob ihr die zwölf Kamerateams die Chance dazu geben werden.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 23.02.2010, 10:08 Uhr

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