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«Die Sturzgefahr ist bei uns Frauen geringer»

Von Micha Jegge. Aktualisiert am 23.02.2010

Die Seeländerin Caroline Spahni nimmt erstmals an Olympischen Spielen teil. Die 27-jährige Bobanschieberin spricht über ihre Reaktion auf den Todesfall im Eiskanal und erklärt, wie sie die Zuhausegebliebenen beruhigt.

«Das Vertrauen in Sabina ist riesig», sagt Caroline Spahni (r.). Die Bobanschieberin vertraut ihrer Steuerfrau Sabina Hafner blind.

«Das Vertrauen in Sabina ist riesig», sagt Caroline Spahni (r.). Die Bobanschieberin vertraut ihrer Steuerfrau Sabina Hafner blind.
Bild: Keystone

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Am Dienstag um 17 Uhr Ortszeit beginnt der vierteilige Wettkampf der Bobfahrerinnen. Bei den Frauen wird nur im kleinen Schlitten um Edelmetall gefahren, die Schweiz ist mit zwei Duos vertreten. Pilotin Sabina Hafner aus Liestal und die Bieler Anschieberin Caroline Spahni bilden das Team Schweiz 1. Die Differenz zur Weltspitze ist in erster Linie physischer Natur. Hafner bringt lediglich 67, Spahni 73 Kilogramm auf die Waage. Bei jenen Equipen, die auf dem Podest erwartet werden, bewegt sich das Durchschnittsgewicht der Athletinnen zwischen 75 und 80 Kilogramm. Hafner und Spahni haben festgestellt, dass das Interesse an ihrem Wettkampf seit dem Sturz von Beat Hefti markant zugenommen hat. Hafner formuliert es folgendermassen: «Viele Leute denken, dass es bei uns Frauen zu einem Sturzfestival kommen wird, weil nicht einmal die Männer der Herausforderung gewachsen seien.» Caroline Spahni, die 27-jährige Seeländerin, welche ihre Stelle als Chefkonditorin in einer Bäckerei gekündet hat und seit geraumer Zeit alles den Olympischen Spielen unterordnet, spricht über Ängste in ihrem Umfeld, das Vertrauen in die Pilotin und eine spezielle Begegnung.

Als der georgische Rodler Nodar Kumaritaschwili im Whistler Sliding Centre tödlich verunglückt war, hatten Sie sich noch mit dem Packen der Koffer beschäftigt. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie ins Flugzeug stiegen?
Caroline Spahni: Im ersten Moment war ich geschockt gewesen, hatte ich den Unfall doch live am Fernseher verfolgt. Irgendwann gelangte ich zum Schluss, dass es sich um ein tragisches Ereignis handelt, die andern Rodler jedoch keine Probleme bekundet hatten.

Wie hat Ihr Umfeld angesichts des bevorstehenden Flugs nach Kanada reagiert?
Meine Eltern blieben gelassen, sie denken ähnlich wie ich. Aber es gibt schon Kolleginnen und Kollegen, die sich Sorgen machen – und seit Beat Heftis Sturz mit einem schlechten Gefühl zu Hause sitzen. Es ist für uns zum Glück ziemlich einfach, die Gemüter zu beruhigen.

Wie gehen Sie dabei vor?
Ich kann festhalten, dass in sechs Trainingsläufen niemandem etwas passiert ist. Die Sturzgefahr ist bei uns Frauen geringer als bei den Männern, weil wir kleiner sind und deshalb einen tieferen Schwerpunkt haben. Das macht auf dieser Bahn ziemlich viel aus.

Als Anschieberin bleibt einem nichts anderes übrig, als der Pilotin blind zu vertrauen...

...was in meinem Fall kein Problem darstellt. Sabina ist eine der besten und sichersten Pilotinnen, in diesem Winter ist sie kein einziges Mal gestürzt. Es ist mir bewusst, dass stets etwas geschehen kann, deshalb trage ich auch einen Helm. Aber das Vertrauen in Sabina ist riesig.

Sie nehmen erstmals an Olympischen Spielen teil. Welche Eindrücke haben Sie in den letzten Tagen gewonnen?
Es ist fantastisch, die Stimmung am Eiskanal viel besser als im Weltcup. Manchmal habe ich das Gefühl, es handle sich um eine Familie, die sich in Whistler trifft und ein schönes Fest feiert. Ich hätte nicht gedacht, dass es sich mit Athleten aus andern Sportarten so offen und ungehemmt kommunizieren lässt.

Gibt es eine Begebenheit oder eine Person, die Sie besonders beeindruckt hat?

Die Begegnung mit Simon Ammann werde ich so schnell nicht vergessen. Er steht mit beiden Beinen auf dem Boden und ist offen für alles, obwohl er so viel erreicht hat. Für mich ist er ganz klar ein Vorbild.

Ihr Wettkampf steht kurz bevor, wie sieht es bezüglich Nervosität aus?
Im Bauch kribbelt es, aber die Vorfreude überwiegt. Wenn die Unterstützung an der Bahn gross ist, kann ich so richtig aus mir herauskommen. Ich denke, ich kann hier mehr leisten als in einem normalen Rennen.

Was rechnen Sie sich aus?
Sagen wir es so: Ich wäre enttäuscht, wenn wir kein Diplom gewinnen würden, sprich uns nicht unter den acht besten Teams einreihen könnten. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.02.2010, 10:17 Uhr

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