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Wie die Jungfrau zum Kind

Von Rolf Bichsel (Si), Vancouver. Aktualisiert am 16.02.2010

Zwei Tage verbrachte Philippe Furrer zu Tode betrübt in einem Hotel. Dann die frohe Botschaft: Er spielt doch bei Olympia! Furrer: «Eine Geschichte wie ein Märchen...»

Doch noch Olympialuft: Philippe Furrers Weg der Selektion war fürwahr ungewöhnlich.

Doch noch Olympialuft: Philippe Furrers Weg der Selektion war fürwahr ungewöhnlich.
Bild: Keystone

Dass er am Freitag nicht ins olympische Dorf einziehen und nicht bei der Eröffnungszeremonie einmarschieren durfte, stürzte den SCB-Verteidiger in ein tiefes mentales Loch. Furrer: «Mir war zwar klar, dass entweder Patrick von Gunten oder ich im Normalfall wieder nach Hause fliegen müssen. Doch als man mir sagte, ich müsse ins Hotel, brach dennoch eine Welt für mich zusammen.» Die Eröffnungsfeier sah sich Furrer nicht einmal im TV an, «das wäre zu hart für mich gewesen». Stattdessen gönnte er sich eine Massage.

Zwei Tage lang hintersann sich Furrer im Hotel. Er bekam mit, dass es Goran Bezina scheinbar gut geht. Dennoch durfte er nicht einmal in die Stadt an eine der unzähligen Partys, denn der Hockeyverband hatte ihm einen «Betreuer» (oder Aufpasser?) zur Seite gestellt. Die Koffer waren gepackt. Die Freundin, die am Montag selber nach Vancouver fliegen wollte, war avisiert, dass sie nicht abzureisen brauche, dass sie ihn stattdessen am Dienstag in Kloten abholen soll. Furrer schlief für den Heimflug vor, als am Sonntagnachmittag das Hoteltelefon klingelte. Furrer: «Erst wunderte ich mich, wer mich denn hier suchen könnte. Dann erhielt ich die frohe Botschaft und den Befehl, mich umgehend zum Team zu gesellen.»

Die Hilfe der Lacigas

Neue Situation, neuer Stress: Furrer erreichte seine Freundin nicht, die bereits schlafen gegangen war, und die nun doch in weniger als neun Stunden nach Vancouver abfliegen sollte. In der Wohnung gibt es kein Festnetztelefon; das Natel war für die Nachtruhe abgestellt worden. Schliesslich telefonierte Furrer dem Nachbar in Kerzers, der Familie des Beachvolleyballers Paul Laciga. Furrer: «Den Lacigas gelang es dann mit Klopfen an der Türe, meine Freundin zu wecken und ihr die tolle Nachricht doch noch zu überbringen.»

Damit steht Furrer nun vor seinem zweiten grossen Turnier in Kanada. Das erste endete vor zwei Jahren in Québec City mit einem spektakulären Eigentor im Viertelfinal gegen Russland (0:6), das ihn für kurze Zeit weltberühmt gemacht hatte. In Kanada hat ihn heuer noch niemand auf den Slapshot ins eigene Tor angesprochen. Furrer: «Aber dennoch schwirrte das Eigentor in meinem Kopf rum. Als ich im Frust während der Tage im Hotel die Tiefpunkte in meiner Karriere durchging, dachte ich auch an dieses Eigentor. In meiner persönlichen Rangliste der Negativerlebnisse taucht das Eigentor aber nicht ganz vorne auf. Hätte ich hier die Olympischen Spiele verpasst, hätte ich dem wohl meine ganze Karriere lang nachgetrauert.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.02.2010, 00:57 Uhr