Schweizer Kampfgeist und Hiller allein reichten gegen die USA nicht
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USA - Schweiz 2:0 (0:0, 0:0, 2:0)
Canada Hockey Place. - 17'320 Zuschauer. - SR Devorski/Orszag (Ka/Slk), Heyer/Winnekens (USA/De). - Tore: 43. Parise (Rafalski, Paul Stastny/Ausschluss Philippe Furrer) 1:0. 60. (59:49) Parise 2:0 (ins leere Tor). - Strafen: 3mal 2 Minuten gegen die USA, 4mal 2 Minuten gegen die Schweiz.
USA: Ryan Miller; Rafalski, Bryan Suter; Gleason, Erik Johnson; Jack Johnson, Orpik; Whitney; Parise, langenbrunner, Paul Stastny; Ryan Malone, Pavelski, Kessel; Kesler, Dustin Brown, Kane; Calahan, Backes, Bobby Ryan.
Schweiz: Hiller; Seger, Streit; Blindenbacher, Sbisa; Yannick Weber, Philippe Furrer; Diaz, Von Gunten; Domenichelli, Sannitz, Sprunger; Déruns, Monnet, Ambühl; Wick, Jeannin, Romano Lemm; Paterlini, Martin Plüss, Rüthemann.
Bemerkungen: Schweiz ohne Tobias Stephan (Ersatzgoalie) und Rüeger (überzählig). Pfostenschüsse: 3. Sannitz, 18. Kessel, 45. Jeannin, 47. Parise. 46. Lattenschuss Lemm. 40.00: Tor der USA (Eigentor Hiller) nicht gegeben, da der Puck die Torlinie beim Ertönen der Sirene nicht überquert hatte. 59. Timeout Schweiz. Schweiz zwischen 58:13 und 59:49 ohne Goalie. Schüsse: USA 44 (18-14-12) Schweiz 18 (4-4-10). Powerplay: USA 1/4, Schweiz 0/3.
Das entscheidende Goal fiel nach 42 Minuten und acht Sekunden. Stürmer Zach Parise fälschte unmittelbar vor Jonas Hiller den Weitschuss von Brian Rafalski ab. Hiller kam mit der Fanghand zwar noch an den Puck ran, die Scheibe landete aber vor der Torlinie und rollte unglücklich für die Schweizer neben dem Pfosten ins Tor. Der Treffer fiel während der vierten amerikanischen Überzahl; Philippe Furrer war blöss zwölf Sekunden vorher für ein Beinstellen auf die Strafbank geschickt worden.
Die Schweizer vermochten auf das Gegentor zu reagieren. Sie suchten umgehend vermehrt die Offensive. Sandy Jeannin traf in der 44. Minute aus spitzestem Winkel den Innenpfosten; bei dieser Szene fehlte nur ein Millimeter zum Ausgleich. Auch die Schweizer kamen noch zu einer Powerplay-Chance und während dieser zwei Minuten zu Möglichkeiten. Roman Wicks Ablenker verfehlte aber das Tor um wenige Zentimeter. Später unterstrich Ryan Miller, der derzeit «heisseste» NHL-Goalie, gegen Luca Sbisas Scharfschuss seine Extraklasse. Die Schweizer kämpften glücklos in diesem (trotz wenig Toren) packenden Spiel.
Hiller im Glück, Jeannin im Pech
Aber auch für das USA-Team lief nicht alles nach Wunsch. Die Amerikaner erzielten innerhalb von viereinhalb Minuten drei Tore - jedoch nur eines wurde auch gegeben. Das erste Goal im Spiel fiel nach exakt 40 Minuten - für die Amerikaner eine Zehntelsekunde zu spät. Hiller beförderte die Scheibe mit dem Stock in die Luft, und via Hillers Schulter landete der Puck schliesslich im Tor. Die Videokonsultation ergab, dass bei der Sirene die Scheibe die Torlinie noch nicht überquert hatte. Unmittelbar nach dem 0:1 und dem Innenpfostenschuss Jeannins erzielte Ryan Kesler ein weiteres Tor. Dieses fand keine Anerkennung, weil Kesler gefoult hatte. Bei der gleichen Szene musste auch noch überprüft werden, ob Jeannins Schuss die Torlinie wirklich nicht überquert hatte.
Das Glück, das die Schweizer 24 Stunden vorher gegen Weissrussland beansprucht hatten , fehlte diesmal. In den letzten 103 Sekunden der Ära Krueger suchten die Schweizer ohne Goalie Hiller mit fünf Stürmern und Captain Mark Streit den Ausgleich. Eine Chance ergab sich hingegen nicht mehr. Elf Sekunden vor Schluss buchte Zach Parise ins leere Goal zum 2:0 seinen zweiten Treffer im Spiel.
Dass Zach Parise die Partie mit seinen Toren entschied, entsprach der Logik. Diesen ersten Block der Amerikaner mit Paul Stastny und Jamie Langenbrunner bekamen die Schweizer während des gesamten Spiels nicht in den Griff.
Im Angriff zu wenig zielstrebig
Dennoch wäre die Sensation möglich gewesen, denn Jonas Hiller (42 Paraden) erfüllte auch die höchsten Erwartungen. Ein einziges Tor hätte die Schweizer in die Verlängerung gebracht; der Druck auf die Amerikaner wäre riesig geworden. «Aber ohne ein Tor zu schiessen kann man kein Spiel gewinnen», resümierte Andres Ambühl. «Jonas Hiller parierte so viele Schüsse und hielt uns im Spiel. Wir krampften und krampften für ein Tor, aber es wollte leider keines gelingen.»
Chancen für Schweizer Tore boten sich nicht erst im Finish. Raffaele Sannitz traf nach drei Minuten den Pfosten. In der 9. Minute tankte sich Thomas Déruns zu einer Chance durch. Eine ausgezeichnete Möglichkeit bot sich Martin Plüss nach 24 Minuten in Überzahl, Plüss verzögerte nach einem feinen Querpass von Mark Streit aber die Schussabgabe. Die grösste Möglichkeit bot sich nach 36 Minuten in Unterzahl, als die Schweizer zu dritt gegen einen Amerikaner und Goalie Miller losziehen konnte. Sannitz scheiterte in dieser Szene aber an Miller.
Kruegers Abscheid nach 298 Spielen
Immerhin stellte die Partie ein würdiges Ende dar nach fast 13 Jahren und 298 Länderspielen für die grosse «Ära Ralph Krueger». Krueger: «Es ist Wahnsinn, wie sich die Mannschaft nur 24 Stunden nach dem Spiel gegen Weissrussland eingesetzt hat. Natürlich ist es jetzt schmerzhaft, dass es vorbei ist. Aber es war eine 1A-Gruppe an diesem Turnier, ich ziehe den Hut vor dieser Mannschaft. Wir haben in diesen fünf Spielen für unglaubliche Unterhaltung gesorgt. Es ist ein Turnier, dass in Ewigkeit in meinem Herzen bleiben wird.»
Kein Nationaltrainer hielt sich in der Schweiz derart lang im Amt wie Krueger (50); kein anderer in der Neuzeit verzeichnete auch nur annähernd ähnliche Erfolge. «Ich habe versucht auszublenden, dass dies meine letzten Spiele sein werden und es wird schwierig sein, in den kommenden Tagen und Wochen, sich mit dieser Realität abzufinden», so Krueger in einer ersten Reaktion nach dem Spiel.
Für Ralph Krueger beginnt am 1. März die Evaluation für seinen nächsten Job, für das Schweizer Hockeyteam im April die Ära Simpson. Vor der Weltmeisterschaft im Mai in Deutschland stehen neun Test-Länderspiele auf dem Programm, sechs davon in der Schweiz. Es ist damit zu rechnen, dass es bis zu den nächsten Länderspielen auch im Spielerkreis Mutationen ergeben wird. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.02.2010, 09:26 Uhr
