Olympische Ruinen
Aktualisiert am 02.03.2010 75 Kommentare
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Sprungschanzen bei Olympischen Winterspielen kennen oft das gleiche Schicksal. Aufgebaut mit viel Geld, verlottern sie in der Regel, wenn die Athleten nach der Medaillenjagd wieder abgezogen sind. Von den 21 Winterspielen seit 1924 in Chamonix sind 4 stillgelegt und 3 verfallen. Wobei das nicht das ganze Ausmass des Übels zeigt. Weitere Anlagen werden zwar noch instand gehalten, allein es fehlt das Interesse für Veranstaltungen. So zum Beispiel die Anlage, die für die Olympischen Spiele in Turin von 2006 gebaut wurde. Umgerechnet 50 Millionen Franken investierten die Italiener in die Sportstätte von Pragelato. Heute wird sie bei einem jährlichen Aufwand von 2 Millionen Franken nur für wenige Veranstaltungen gebraucht. Das nahe gelegene Jumping Hotel mit 120 Betten ist schon vor einiger Zeit geschlossen worden. Klar, Italien ist traditionell keine Skisprungnation. Kritiker monierten, man hätte die Skisprung-Wettkämpfe im nahen Frankreich austragen können. Dort, wo schon solche Anlagen bestehen.
Aber nicht nur Sprungschanzen stehen auf der Abschussliste. Auch die Bobbahnen kriegen oft die Kurve nicht, wenn es darum geht, weitere angemessene Verwendung zu finden. Auch hier steht wieder die Anlage von Turin im schlechten Licht. Aufgebaut für rund 100 Millionen Franken steht Sansicario offenbar vor der Schliessung.
Abbaubare Anlagen als Lösung?
Mit dem Versprechen, nach den Spielen internationale Wettkämpfe an die neu aufgebauten Sportstätten zu holen, erhaschten sich die Promotoren von Turin die Zustimmung der Bevölkerung. Allein, die Hoffnungen erfüllten sich nicht. Nicht besser erging es dem Stadion, das für die Biathlon-Wettbewerbe errichtet wurde. Und wenn wir schon bei den Stadien sind: Für die gigantische Olympia-Arena von Montreal, die 1976 die Eröffnung und die Leichtathletik-Wettbewerbe beherbergte, soll es bis heute keine echte Verwendung geben. Der spektakuläre Bau ging als riesige Schuldenfalle in die Geschichte ein.
Immerhin hat man in Vancouver etwas von den Sündenfällen ihrer Vorgänger gelernt. Die Sprungschanzen zum Beispiel wurden so konzipiert, dass sie nach den Spielen relativ einfach wieder abgebaut werden können.
Der Letzigrund taugt nicht
«Gebt den Olympischen Spielen ein Zuhause», lautete gestern der Titel eines Artikels in der «New York Times». Es war ein Vorschlag, der genau darauf abzielte, dass sich solche Fälle mit olympischen Sportstättenruinen nicht wiederholen. Die Spiele sollten zwar immer noch alle vier Jahre, aber dafür immer an gleicher Stätte stattfinden. Als Ort immerwährender Austragung nannte der ehemalige Spitzenruderer Charles Banks-Altekruse die Schweiz.
Bei den Lesern von Bernerzeitung.ch/Newsnet löste das gemischte, tendenziell aber positive Reaktionen aus. «Super Idee. Also lieber Bundesrat, Ärmel hochkrempeln und los. Dafür würde sich ein Einsatz doch mal lohnen», heisst es in einem Kommentar. Andere glauben, dass in der Schweiz nur Winterspiele, nicht aber Sommerspiele ausgetragen werden sollten. «Wo fänden in Zürich die Wettkämpfe der Leichtathleten statt? Auf dem Sihlhölzli?», fragt ein anderer schalkhaft mit einem Seitenhieb gegen die Probleme mit dem Letzigrund-Stadion. Obwohl die Idee einer permanenten Austragungsstätte nicht neu ist – sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Griechenland propagiert und in den 80er-Jahren wegen der Boykotte erneut aufgewärmt – halten einige Leser die Idee für völlig utopisch. «Der Vorschlag ist ungefähr so unrealistisch wie wenn man in Zukunft das Eidgenössische Schwingfest international austragen würde.» Trotzdem darf darüber sinniert werden. Und in Anlehnung an die mit unseren östlichen Nachbarn ausgetragene Fussball-Europameisterschaft 2008 fordert ein Leser: «Wenn schon, dann Schweiz-Österreich, wie bei der EM.» Kein schlechter Vorschlag. So hätte Austria auch im Fall ausbleibenden Medaillensegens ein tolles Fest. (cpm)
Erstellt: 02.03.2010, 20:18 Uhr
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75 Kommentare
Ein amüsanter Vorschlag! Olympia permanent an ein Land zu vergeben, das seine politische Reputation gerade verzockt und eine immense Wirtschaftskrise zu erwarten hat, weil der Bankensektor zusammenbrechen wird, das ist wahrlich lustig. In spätestens 20-30 Jahren wird CH zum Armenhaus Europas gehören, da sind Olympische Spiele nicht mehr zu finanzieren. Antworten
@Oswald: Armenhaus? Dass ich nicht lache. Immense Wirtschaftskrise? Zuerst wohl bei allen übrigen Staaten! Politische Reputation gerade verzockt? Andere Staaten haben diese schon längsten verzockt, wir sind also nur ein Stückchen mitgegangen. Man kann die Schweiz auch schlechter machen, als sie wirklich ist! Dies fällt in der aktuellen Situation natürlich nicht schwer! Mitlaufen ist einfach... Antworten
















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