Wie die SF-Macher die Nerven der Tennis-Fans strapazieren
Von Alexander Kühn. Aktualisiert am 31.01.2011 47 Kommentare
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Heinz Günthardt kam viel zu wenig zum Zug. (Bild: Keystone )
Als Andy Murray im zweiten Game des ersten Satzes gegen Novak Djokovic einen Breakball abwehren musste, warteten die Zuschauer von SF zwei noch auf Bilder vom Australian-Open-Final in Melbourne. Die Ausstrahlung der Kindersendung «Die Geister von Ainsbury» war den TV-Machern in Zürich-Leutschenbach offenbar wichtiger als das Duell zwischen Roger Federers Halbfinal-Bezwinger Djokovic und Murray, der die Chance hatte, als erster Brite seit Fred Perry vor 75 Jahren einen Major-Titel zu gewinnen.
Von einer Einstimmung auf die Partie, wie sie Eurosport mit dem früheren Weltranglistenersten Mats Wilander bot, durften die SF-treuen Sportkonsumenten nicht einmal träumen. Das ist besonders ärgerlich, wenn man bedenkt, dass SF-Co-Kommentator Heinz Günthardt mit seinem enormen Fachwissen und der amüsanten Art, dieses zu präsentieren, für eine solche Aufgabe prädestiniert wäre.
Die Flucht auf SF info
Kurz nach zehn vor zehn morgens durften die Zuschauer dann endlich von Günthardts Qualitäten und der soliden Arbeit von Hauptkommentator Stefan Bührer profitieren. Allerdings nur bis um viertel vor elf. Dann nämlich hiess es Umschalten auf den Ausweichkanal SF info. Schliesslich stand in Chamonix die Abfahrt der x-ten Superkombination dieser Saison auf dem Programm. Ein Rennen, das viele Topfahrer der Erholung wegen ausliessen. Vielleicht hat der eine oder andere von ihnen auch ein wenig Tennis geschaut.
Eine Konserve nach der anderen
Es stellt sich nun die Frage, warum das Schweizer Fernsehen den Australian-Open-Final nicht gleich auf SF info ausstrahlte. Immerhin wäre den Zuschauern so das nervige Zappen erspart geblieben. Die Antwort lautet wie folgt: Es galt, noch das Ende der «Reporter»-Wiederholung vom Mittwoch abzuwarten. Ihr Titel: «Inmitten des Streits - die Fälle des Friedensrichters Willy Walker.» Anschliessend folgte noch eine Konserve der Wissenschaftssendung «Einstein» vom Donnerstag zu Themen wie «Der perfekte Apfel aus der Schweiz» oder «Drohnen: Die ferngesteuerten Kriegerinnen».
Ein Striptease, den keiner sehen durfte
Der Fairness halber sei gesagt, dass die Tennis-Übertragung nach dem Wechsel auf SF info ihr hohes Niveau hielt und während langer Zeit nur noch der verkrampfte Finalist Andy Murray die Erwartungen der Zuschauer enttäuschte. Kaum hatte Novak Djokovic aber seinen Matchball verwandelt, mussten Stefan Bührer und Heinz Günthardt die Sendung zurück nach Zürich geben. Denn, Sie haben es erraten, es stand eine dringliche Wiederholung auf dem Programm. Diesmal handelte es sich um die Aufzeichnung der EM-Kür der Eiskunstläuferinnen.
Die berührende Siegesrede des Serben Djokovic, der den Titel seinem Volk widmete und den unterlegenen Finalisten Murray tröstete, bekam man so nur auf Eurosport zu sehen. Djokovic' Striptease - er warf sein Shirt und seine Schuhe ins Publikum - ebenfalls.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 31.01.2011, 08:11 Uhr
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47 Kommentare
Nicht das warten und herumgezappe nervt, sondern öfters die Kommentatoren selber. Sie reden zu viel, zu oft (man darf als Kommentator auch eine Weile ruhig sein!) und zu viel nonsense. Günthardt kommt ansonsten sowohl in mündlichen als auch in schriftlichen Interviews, sowie bei Kolumnen extrem gut rüber. Wenn man grad nicht weiss, was man den Zuschauern erzählen könnte: nichts sagen! Danke. Antworten
Danke für diesen Beitrag, das hat Tradition bei SF. Noch schlimmer wars beim Wimbledon-Final Nadal-Federer, als unmittelbar nach dem verwerteten Matchball Nadal umgeschaltet wurde, die Siegerehrung war nicht zu sehen. Vorsorglich habe ich den Sonntagsfinal gleich auf BBC 1 gesehen, die blieben dabei, auch wenn ihr Landsmann verlor. Immer weider peinlich, was sich SF Sport leistet! Antworten

