Warum Djokovic seinem Coach Angst macht
Von Alexander Kühn. Aktualisiert am 12.09.2011
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Rafael Nadal hatte sich den Weg auf den Tennis-Thron einst durch seinen unbändigen Kampfgeist und seine flinken Beine gebahnt, obwohl er auf dem Platz weniger Brillanz als sein Vorgänger und zeitweiliger Nachfolger Roger Federer offenbart. In Wimbledon hat der Spanier die Nummer 1 an Novak Djokovic verloren, an jenen Mann, der ihm nun auch noch den US-Open-Titel entreissen will. Mit Nadals eigenen Waffen: Athletik und Einsatzwille.
Djokovic gleitet in New York über den Hardcourt, als bewege er sich auf der roten Erde von Roland Garros. Dies erlaubt ihm, den Ball früher zu spielen. Die Konsequenz liegt auf der Hand: Der Gegner gerät unter enormen Druck, fühlt sich gestresst und begeht mehr Fehler als gewöhnlich. Matches gegen Djokovic sind Matches im Zeitraffermodus. «Wenn du gegen Djokovic spielst, fühlst du dich, als habe er dir den Wind aus den Segeln genommen. Du fühlst deine Beine nicht mehr, weil du derart viel laufen musst. Du hast sogar Mühe zu atmen», sagt der ehemalige australische Spitzenspieler Darren Cahill, der als Experte für den US-Sender ESPN arbeitet und zum Betreuerstab von Andy Murray zählt. «Erstickendes Hardcourt-Tennis», nennt Cahill dies.
Tennis ohne Rücksicht auf Verluste
Djokovics Coach Marian Vajda erklärte gegenüber der «New York Times», sein Schützling verdanke die extreme Beweglichkeit einer ausgezeichneten Balance zwischen Hüfte und Brustkasten. Zudem fürchte sich der Weltranglistenerste trotz der enormen Belastung für Gelenke, Sehnen und Bänder nicht vor Verletzungen. Statt sich zu drehen rutscht Djokovic auf die andere Seite, wenn er sich zunächst in die falsche Richtung bewegt hat. Der Saison-Dominator trägt deshalb stets gut eingelaufene Schuhe, die sich nicht gegen die Verrenkungen sperren.
Vajda fasziniert und beängstigt Djokovics Akrobatik gleichermassen. Er müsse den Star im Training oft massregeln, damit dieser kein unnötiges Risiko eingehe. «Ich habe ihm das Rutschen nicht beigebracht. Alle Serben machen das. Das habe ich zuvor vielleicht auf Sand gesehen, aber sicher nicht auf Hardcourts», so der Slowake.
Inzwischen sind die Serben natürlich längst nicht mehr die einzigen Slider auf der Tennis-Tour. Auch der Franzose Gaël Monfils und die Belgierin Kim Clijsters zählen zu den prominenten Vertretern der neuen Technik. Laut Djokovics Coach Vajda ahmen auch zahlreiche Junioren den Mann des Jahres nach. Experten gehen davon aus, dass die Entwicklung auch mit den Fortschritten in der Technologie zusammenhängt. Mit den neuen Rackets ist es leichter, den Ball zu spielen, wenn man aus der Balance geraten ist. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.09.2011, 14:27 Uhr

