Verband setzt Federer unter Druck
Von René Stauffer. Aktualisiert am 20.09.2010 36 Kommentare
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Das Wehklagen in der Tennisszene zwischen Boden- und Genfersee ist gross. Obwohl die Schweiz zwei Top-20-Spieler besitzt und eben noch zwei Viertelfinalisten am US Open stellte, verlor das Davis-Cup-Team seinen Platz in der Weltgruppe, der es seit 1995 mit Ausnahme von 2008 immer angehört hatte. Das 0:5 gegen Kasachstan markiert das Ende eines Abschnitts grosser helvetischer Hoffnungen in diesem prestigereichen Traditionswettbewerb.
Wie geht es weiter?
2006 hatte Roger Federer den Verband und das Team mit dem Versprechen genährt, irgendwann alles zu tun, um die Schweiz zum erstmaligen Gewinn der «hässlichsten Salatschüssel» zu führen. Die Folge war, dass Swiss Tennis ein Luxusteam aufbaute, mit einem Dutzend Betreuern – in der Erwartung, dass das grosse Jahr bald kommen werde. Seither hat Federer für sechs von neun Begegnungen abgesagt.
Realistisch gesehen, wäre 2011 ideal gewesen für ihn, auf den Davis-Cup zu setzen, zumal 2012 Olympia in London Vorrang haben dürfte. Durch den Abstieg ist diese Chance vertan – und Swiss Tennis steht vor der Frage: Wie weiter?
Verbandspräsident René Stammbach sagte in Astana, dass es Änderungen geben werde. Vorerst wird mit Captain Severin Lüthi und später den Spielern eine Standortbestimmung vollzogen. «Wir machen eine Auslegeordnung, wollen wissen, wohin die Reise gehen soll und wer dabei ist. Danach können wir unsere Strategie besprechen.» Man wolle und könne Federer nicht zwingen, Davis-Cup zu spielen, «aber wir wollen wissen, wo er steht, ob er dabei ist oder nicht». Erik Keller, Präsident des Davis-Cup-Komitees, kündigte sogar ein «grosses Reinemachen» an.
Federer lässt sich Optionen offen
Swiss Tennis blickt im Davis-Cup auf verlorene Jahre zurück. Ohne Federer war die Schweiz in der Weltgruppe seit 2005 chancenlos, gewann keine Partie, stieg einmal ab, rutschte in der Weltrangliste ab und erhielt so nochschwierigere Auslosungen (2007 und 2010 Spanien, 2009 USA). «Uns hätte es mehr gedient, wenn Federer die Achtelfinals gespielt hätte anstelle der Playoffs», sagt Stammbach heute.
Der Zurzacher erinnert sich gut an die Zeiten, als Jakob Hlasek und Marc Rosset die Schweiz in den Davis-Cup-Final führten (1992), eine Tenniseuphorie entstehen liessen und dem Verband (und sich selber) die Kassen füllten. Inzwischen bringt der Davis-Cup längst nicht nur kein Geld mehr ein, sondern ist zu einem Defizitgeschäft geworden, das Hunderttausende von Franken verschlingt, welche dem Nachwuchs zugutekommen könnten.
Federer dürfte sich nun aber kaum unter Druck setzen lassen und sich alle Optionen offenhalten wollen. Das ist sein gutes Recht. Nach der jüngsten Entwicklung ist es aber auch das Recht des Verbandes, einen Neuanfang zu wagen mit einem entschlackten Team, in dem Federer zwar willkommen, aber nicht mehr alles auf ihn ausgerichtet ist.
Ohne Federer und Wawrinka geht es nicht
Ein positiver Aspekt bleibt: Wie sich Stanislas Wawrinka in Astana aufopferte, war ebenso bemerkenswert wie seine Reaktion in der Niederlage. Er suchte die Schuld nicht bei Yves Allegro, sondern sagte: «Wenn ich mental und körperlich frischer gewesen wäre, hätte es anders ausgehen können.»Er plane, auch 2011 dabei zu sein.
Astana mag zwar gezeigt haben, dass es ohne Federer nicht geht. 2011 wird es aber selbst in der zweiten Division auch ohne Wawrinka nicht gehen, will die Schweiz raschestmöglich zurück in die Weltgruppe. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.09.2010, 08:15 Uhr
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36 Kommentare
Das Aus am US Open scheint Roger so empfindlich getroffen haben, dass er danach sämtliche Kräfte für die Vorbereitung des Saisonfinales bündeln wollte. Als Lösung für das Davis Cup-Problem könnte man eine Regelung einführen, dass sich nur aktive DC-Team-Mitglieder für die Teilnahme an Olympia qualifizieren können. Antworten
Hört endlich auf Federer zu kritisieren. Die schweizer Fernsehstationen haben es nicht einmal für nötig befunden, den Davis Cup zu übertragen und auch im Sport Aktuell haben sie keine Bilder vom peinlichen Doppelauftritt der Schweizer gebracht. Vergisst den Davis Cup und erfreut euch an den Grand Slams. Antworten

