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«Statt Game Federer heisst es Game Switzerland»

Von Adrian Ruch. Aktualisiert am 07.07.2011 9 Kommentare

Vor der Davis-Cup-Partie gegen Portugal spricht der Schweizer Tennisstar über Bern, Armut und prominente Kritiker. «Ich halte McEnroe trotzdem für einen Supertyp», sagt Roger Federer im Exklusiv-Interview.

Die Aare im Hintergrund: Roger Federer ist von Bern begeistert, im Bundeshaus war er freilich noch nie.

Die Aare im Hintergrund: Roger Federer ist von Bern begeistert, im Bundeshaus war er freilich noch nie.
Bild: Max Füri

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Teil 2

In der Ausgabe vom Freitag dieser Zeitung erscheint der zweite Teil des Exklusivinterviews. Roger Federer spricht über seine Schwächen, seine Popularität und die Erziehung seiner Zwillingstöchter.

Star ohne Allüren

Roger Federer trägt ein oranges Poloshirt und blaue kurze Hosen, als er zum Interview erscheint. Auf der Terrasse des Hotels ist eine Ecke abgesperrt – nicht, weil der Baselbieter menschenscheu wäre, im Gegenteil. Aber sonst wäre ein ruhiges Gespräch schlicht nicht möglich. Federer hat bisher 16 Grand-Slam-Titel gewonnen, mehr als jeder andere, und 285 Wochen auf dem Tennisthron verbracht. Er ist viermal zum Weltsportler des Jahres gewählt worden. Der 29-Jährige, der mit Gattin Mirka bald zweijährige Zwillingstöchter hat, ist nicht nur der erfolgreichste Sportler, den die Schweiz je gesehen hat, er ist ein Weltstar. Trotzdem hat er nicht abgehoben. Den Fotografen, den er nicht kennt, fragt er, wo er sich hinsetzen soll, zum Kellner sagt er Merci, als dieser die Getränke auf den Tisch stellt. Und am Schluss, kurz nachdem er sich verabschiedet hat, kehrt er noch einmal auf die Terrasse zurück und sagt: «Übrigens, die Getränke gehen auf mich.»

Roger Federer, Sie sind ein Globetrotter, fühlen sich fast überall zu Hause. Welchen Bezug haben Sie zu Bern?
Ich ging mit dem Berner Sven Swinnen zur Schule und nahm früher mehrmals an Zentralschweizer Meisterschaften im TC Dählhölzli und in Münsingen teil. Später, als ich im Leistungszentrum in Biel weilte, ging ich ab und zu mit Kollegen in Bern essen. Auch an eine Schlauchbootfahrt auf der Aare kann ich mich noch erinnern. Derzeit höre ich durch meinen Coach Severin Lüthi sehr viel Berndeutsch; und selten bin ich noch hier, um mir einen SCB-Match anzuschauen.

Haben Sie in der Stadt einen Lieblingsort?
Ich muss zugeben, dass ich das Zentrum nicht gut kenne. Daher ist es schön, befindet sich das Hotel mitten in der Stadt. Am Montag spazierten wir durch die Altstadt Richtung Bärengraben – die Fussgängerzone ist wunderschön. Ich hoffe, diese Woche etwas in der Stadt rumzukommen.

Sind Sie mit Ihren Kindern schon einmal im Bärenpark gewesen?
Während ich trainierte, ging Mirka mit den Kleinen in den Bärenpark. Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass alles ganz anders aussieht und die Bären nicht mehr im Graben sind.

Haben die Zwillinge die Bären gesehen?
Ja, Mirka hat mir Bilder gezeigt, wie die Kleinen über den Zaun geschaut haben.

Sind Sie schon einmal im Bundeshaus gewesen?
Nein, ehrlich gesagt nicht. Immerhin war ich nun zum ersten Mal auf dem Bundesplatz. Es war cool, dass so viele Leute gekommen sind, um uns zu sehen.

Auf der ATP-Tour sind Sie der Chef, Ihre Crew geht nur auf Ihre Bedürfnisse ein. Fällt es Ihnen schwer, sich ins Davis-Cup-Team einzugliedern?
Überhaupt nicht! Mir fällt es leicht, mich zu integrieren. Als Seve (Captain Severin Lüthi; die Redaktion) mich fragte, wann ich am Dienstag trainieren wolle, fragte ich zurück, was am besten für Stan (Stanislas Wawrinka) sei. Für mich spielt das keine Rolle, wenn ich früh trainiere, stehe ich gleich mit den Zwillingen auf. Wenn es dem Team hilft, absolviere ich zwei kürzere Einheiten anstelle eines längeren Trainings.

Ist die Planung derart kompliziert?
Hier hat es zwar nur acht Spieler, aber es ist fast schwieriger als am US Open auf den Centre-Court zu kommen. Wenn ich in New York frage, ob ich auf dem Centre-Court spielen kann, wird mir der rote Teppich ausgerollt. Hier müssen wir uns den Platz mit den Portugiesen teilen.

Wie läuft es neben dem Court?
Es macht grossen Spass; wir haben einen tollen Spirit in der Mannschaft und sind alles gute Freunde. Wir gehen am Abend immer in der Gruppe essen; das behagt mir. Ich bin nicht gern allein, sondern viel lieber von Freunden oder Familienmitgliedern umgeben.

Im Davis-Cup spielen Sie nicht für sich, Sie vertreten die ganze Schweiz. Sind Sie ein Patriot?
Ich empfinde den Unterschied nicht als riesig. Ich habe das Gefühl, die Schweiz überall auf der Welt zu repräsentieren. Das mache ich gern; ich bin stolz, Schweizer zu sein. Der Davis-Cup ist noch etwas mehr flaggenorientiert. Statt «Game Federer» heisst es «Game Switzerland». Der Davis-Cup ist zwar ein wichtiger Event, aber die Bedeutung der Mannschaft ist viel geringer als jene des Fussballnationalteams.

Werden Sie künftig im Davis-Cup häufiger dabei sein?
Die Termine sind für Spitzenspieler heikel. Ich möchte zwar in Zukunft häufiger spielen als in den letzen Jahren, aber ich sehe es so, dass ich mein Land das ganze Jahr vertrete.

Der Durchschnittsschweizer fürchtet sich vor Atomkatastrophen, Arbeitslosigkeit und Ausländern. Wovor haben Sie als «Weltbürger» Angst?
Sorgen bereitet mir die Armut auf der Welt. Ich bin mir bewusst, dass es auch in der Schweiz nicht allen finanziell gut geht und die Arbeitslosigkeit ein ernst zu nehmendes Problem ist. Aber anderswo sind die Probleme viel gravierender; es gibt Nationen mit 20 Prozent Arbeitslosigkeit. Ich interessiere mich für die Situation in allen Ländern, die ich bereise. Mir ist aber auch wichtig, wie die Schweizer denken. Deshalb lese ich jeden Tag Zeitung, wenn ich in der Schweiz bin.

Sie gründeten eine Stiftung, mit der Sie vorwiegend Kinder in Afrika unterstützen.
Ich unterstütze via Sporthilfe auch junge Sportler. Ich fand, es sei eine schöne Kombination, einerseits in der Schweiz etwas zu machen, anderseits Kindern in Afrika eine Ausbildung zu ermöglichen. Es ist schön, etwas zurückgeben zu können. Es muss nicht immer Geld sein, man kann immer helfen, zum Beispiel, indem man Zeit schenkt. Es gibt so viele Menschen, die Hilfe nötig haben. Jeder kann sich Gedanken machen, selbst wenn es dir nicht gut geht, gibt es immer jemanden, der Hilfe noch nötiger hat. Ich möchte in dieser Hinsicht mit der Roger Federer Foundation ein gutes Beispiel sein.

Was löst bei Ihnen abseits des Tennisplatzes die stärksten positiven Emotionen aus?
Natürlich die Familie. Es macht mich happy, die Kleinen wachsen zu sehen. Freude macht mir aber auch, Zeit in der Schweiz zu verbringen. Nach der «tragischen Niederlage in Wimbledon», wie das Ausscheiden zum Teil wohl beschrieben wurde, hatte ich unerwartet vier unverplante Tage. Ich sagte zu Mirka: «Was wollen wir machen? Vielleicht gar nichts?» Es ist schön, spontan entscheiden zu können. Für kurze Zeit ohne Plan zu leben, macht mich glücklich. Den Planung ist sonst für mich sehr wichtig, damit ich die Zeit gut einteilen kann.

Sie nehmen die Meinungen der Journalisten nicht allzu ernst und lesen oft nicht, was über Sie geschrieben wird...
...nur, wenn ich verloren habe.

Ärgert es Sie aber, wenn Sie nicht nur von den Journalisten, sondern auch von ehemaligen Champions wie John McEnroe und Mats Wilander kritisiert werden?
Kritik gehört zu meinem Beruf. Zudem sind das Leben und das Ranking von uns Tennisspielern sehr schnelllebig. Ich kann es selber fast nicht glauben, dass es schon zehn Jahre her ist, seit ich in Wimbledon Pete Sampras geschlagen habe. So rasch, wie du aufsteigst, kannst du in der Weltrangliste wieder zurückfallen. So schnell, wie du Lorbeeren bekommst, so schnell werden Sie dir wieder weggenommen. Das gehört zum Geschäft, trotzdem überraschen mich die Beurteilungen der Legenden manchmal etwas.

Die Altstars müssten sich eigentlich auskennen. Wie erklären Sie sich deren häufig wechselnden Meinungen?
Vielleicht sind sie so viel vor dem Mikrofon, dass sie ab und zu einen Seich erzählen. Vielleicht wird von ihnen erwartet, dass sie sich aus dem Fenster lehnen. Deshalb darf man sich nicht aufregen, wenn eine Einschätzung manchmal etwas zu euphorisch oder zu negativ ausfällt. Ich halte McEnroe trotzdem für einen Supertyp und habe Wilander noch nie ein Interview verweigert, weil er Nadal vielleicht etwas besser mag als mich. Ich respektiere sie für das, was sie geleistet und erreicht haben. Ich finde es gut, sind sie dem Tennis treu geblieben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.07.2011, 11:33 Uhr

9

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9 Kommentare

Roger Grob

07.07.2011, 12:01 Uhr
Melden 81 Empfehlung

Und er ist genau auch deswegen "The Greatest" Antworten


Pascal Fröhlich

07.07.2011, 12:40 Uhr
Melden 61 Empfehlung

King Roger, etwas anderes gibt es gar nicht. Ein Mensch der ein Ziel vor Augen hat, aber nie das Drumherum vergisst, er erreicht den Status als Weltstar aber vergisst nie woher er kommt. Er ist mit jedem auf Augenhöhe und betrachtet sich nicht als jemand "Besseres". Er ist wie du und ich. Und um all das zu erreichen muss er nicht über Leichen gehen! Er war, ist und bleibt der Grösste! Unser Roger! Antworten



Programm & Resultate

Freundschaftsspiel
EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
1:14.3812 Mark Webber
1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 22:06
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Roland Garros
27.05EndeCipolla - Wawrinka3:6 3:6 6:4 6:3 2:6
Stand: 27.05.2012 16:09
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Playoff
17:00Aarau - Sion
Stand: 25.05.2012 09:25
Roland Garros WTA
28.0516:15Radwanska - Jovanovski
Roland Garros
28.0512:15Federer - Kamke
28.0513:30Djokovic - Starace
Stand: 25.05.2012 15:24
Keine Daten vorhanden
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