«Ski kommt für mich noch vor Tennis»
Von Adrian Ruch. Aktualisiert am 31.10.2011 2 Kommentare
«Gross wie eine Wassermelone»
Novak Djokovic hat 2011 bisher nur drei Partien verloren. In Basel greift der Serbe nach einer sechswöchigen Pause wieder ins Geschehen ein.
64:3-Bilanz, 3 Grand-Slam-Titel, 7 weitere Turniersiege, über 10 Millionen Dollar Preisgeld – Novak Djokovic absolviert eine Saison der Superlative. Seit dem 4. Juli führt er die Weltrangliste an; weil sein Vorsprung riesig ist, steht schon länger fest, dass der Serbe das Jahr als Nummer 1 abschliessen wird. Viel habe sich für ihn nicht verändert, sagt Djokovic. «Ich und mein Team versuchen weiterhin, ein ganz simples Leben zu führen. Nur so kann ich weiterhin so erfolgreich spielen.»
Seine Dominanz führt er nicht auf grundlegende Änderungen in seinem Spiel zurück. «Es geht in erster Linie um das Selbstbewusstsein, das ich durch die vielen Siege aufgebaut habe. Wenn es so läuft, hast du in jeden Schlag Vertrauen. Das kann Ihnen jeder Spieler erzählen: Es gibt Phasen, da kommt dir der Ball so gross vor wie eine Wassermelone, derart gut fühlst du dich auf dem Platz.» Trotzdem sagt der 24-Jährige, er habe sich auf dem Tennisplatz nie unbesiegbar gefühlt. «Ich denke nicht, dass jemand unschlagbar ist.»
In welcher Verfassung er sich an den Swiss Indoors präsentieren wird, kann Djokovic selber nicht mit Sicherheit sagen, denn er wagt in Basel eine Art Neuanfang. Aufgrund einer Muskelzerrung im Rippenbereich, wegen der er im Davis-Cup die Partie gegen den Argentinier Juan-Martin Del Potro hatte aufgeben müssen, hat er genau wie Roger Federer eine sechswöchige Wettkampfpause hinter sich. Deshalb reiste der Weltranglisten-Erste bereits am Mittwoch an und arbeitete in den letzten Tagen intensiv an seinem Spiel; gestern trainierte er mit Stanislas Wawrinka. Es laufe ihm von Tag zu Tag besser, meint Djokovic, «aber ich erwarte nicht, schon an diesem Turnier 100 Prozent zu erreichen».
Seine erste Partie bestreitet Djokovic in Basel am Dienstag ab 18.30 Uhr gegen den Belgier Xavier Malisse (ATP 47).
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Novak Djokovic, der weltbeste Tennisspieler, absolviert in Basel im Vorfeld der Swiss Indoors einen Medienmarathon. Er gibt eine Pressekonferenz, tritt im «Sportpanorama» auf und steht auch für ein paar individuelle Interviews zu Verfügung. Trotzdem ist der Serbe, der ein Sweatshirt trägt, auf dem sein Spitzname «Nole» prangt, bestens gelaunt. Weil der 24-Jährige, der vor zwei Jahren das Basler Turnier gewann, eine Affinität zur Schweiz hat, ist er sofort bereit, etwas ungewöhnliche Fragen zu beantworten.
Sie waren schon oft in der Schweiz. Welches ist Ihr Lieblingsort?
Ich habe in der Tat schon mehrere Städte gesehen. Am besten gefällt es mir in Crans-Montana, weil ich ein Mann aus den Bergen bin, und in Genf, weil dort seit neun Jahren Verwandte von mir leben. Ich habe meine Cousins und meine Tanten schon häufig besucht. Die Schweiz ist eines der schönsten und saubersten Länder, die ich bisher gesehen habe.
Wie reagieren die Schweizer, wenn sie Novak Djokovic in den Bergen antreffen?
Sie denken, ich sei ein professioneller Skifahrer, weil ich auf den Skis ziemlich gut bin (lacht). Nein, im Ernst: Die Leute hier sind überhaupt nicht aggressiv, sie sind sehr angenehm und zurückhaltend, selbst wenn sie mich erkennen. Ich fühle mich sehr wohl auf der Strasse und verbringe hier gern Zeit.
Sie haben es selber erwähnt: Sie sind ein hervorragender Skifahrer. Würden Sie sich auf die Lauberhornstrecke trauen?
Ich denke nicht; eine Abfahrt wäre etwas extrem. Wer ins Ziel kommen will, muss deutlich kräftigere Beine haben als ich. Aber ich ginge überall hin, wo ich Skifahren könnte. Viele Verträge von Sportlern beinhalten Klauseln, die das Skifahren verbieten. So etwas würde ich nie unterschreiben – Skifahren ist das Erste, was ich tun will.
Verfolgen Sie den Skiweltcup?
In letzter Zeit nicht mehr, als Kind aber schon. Ich muss etwas festhalten: Skifahren ist für mich die Nummer 1 unter den Sportarten. Obwohl Tennis meine grosse Liebe geworden ist – Ski kommt für mich noch vor Tennis. Es gibt kein schöneres Gefühl, als eine Piste hinunterzurasen – es ist ein Gefühl der totalen Freiheit. Übrigens, Alberto Tomba war immer eines meiner Idole.
Haben Sie ihn jemals getroffen?
Ja, und es war eine lustige Geschichte: Ich sass am Turnier in Rom mit John McEnroe am Tisch und erzählte ihm, dass ich Tomba bewundere, als ein Typ in einem engen weissen Shirt und mit zwei Frauen im Arm auf John zukam und ihn begrüsste. Ich verstand den Namen nicht, und als er gegangen war, sagte John: «So ein Zufall, soeben hatten wir noch von ihm gesprochen.» Ich sprang sofort auf, rannte Tomba hinterher und liess mich mit ihm fotografieren. Seither haben wir uns noch zwei-, dreimal getroffen, einmal gingen wir in Belgrad zusammen essen.
Sie sagen, Sie seien ein Mann aus den Bergen. Kennen Sie den bekanntesten Schweizer Berg?
Nein, wie heisst er?
Matterhorn.
Ach, stimmt. Leider habe ich es noch nie in der Realität gesehen. Mir fehlt einfach die Zeit dafür. Aber wenn ich meine Karriere einmal beendet habe, werde ich mir jeden Berg in der Schweiz anschauen.
Der berühmteste Schweizer Sportler ist logischerweise Roger Federer. Erinnern Sie sich, wann Sie ihn zum ersten Mal im Fernsehen gesehen haben?
Ich glaube, das war, als er in Wimbledon Pete Sampras schlug. Schon damals sah man, dass er einmal der Beste sein würde.
Was ging Ihnen damals sonst noch durch den Kopf?
Ich war zu jung, als dass ich mir gross Gedanken gemacht hätte (lacht). Ich schaute damals viel Tennis und verliebte mich in den Sport, den niemand aus meiner Familie betrieb. Sampras war mein Idol, und ich stellte mir vor, dass ich wie er in Wimbledon gewinnen und den Pokal in Händen halten würde.
Sie sind mittlerweile besser klassiert als Federer. Hätten Sie trotzdem gerne einen Schlag von ihm?
Das ist eine schwierige Frage. Aber ich würde wohl seinen Vorhand-Angriffsball wählen – eine wunderbare Waffe.
Nachdem Federer zum ersten Mal in Wimbledon gewonnen hatte, wurde ihm in Gstaad eine Kuh geschenkt. Haben Sie auch mal ein Tier gewonnen?
Nein. Aber als ich klein war, hatte ich zu Hause eine Katze – und dazu passend einen Vogel (lacht). Schliesslich auch noch kleine, weisse Hunde. Wir waren sehr tierliebend. Heute habe ich mit meiner Freundin einen Pudel.
Was ist denn das verrückteste Geschenk, das Sie bisher erhalten haben?
Eine gute Frage. Federer hätte wohl weniger Mühe, sie zu beantworten; er könnte einfach die Kuh wählen. Aber bei mir (längere Pause). Nein, es fällt mir nichts Verrücktes ein. In Dubai habe ich als Pokal ein grosses Modellschiff erhalten, das war auch etwas Besonderes.
In Gstaad wurden früher Spieler auf eine Alp geführt, um sie die Kühe melken zu lassen. Haben Sie das schon einmal gemacht?
Nein, aber ich würde das gerne einmal tun. Ich hatte früher mehr mit Schafen zu tun. Ich wuchs in den Bergen, in einem Dorf in Südserbien auf. Da waren immer viele Schafe ums Haus herum, um die habe ich mich gekümmert.
Kennen Sie den Namen des örtlichen Fussballklubs?
Klar, das ist der FC Basel. Ich kenne ihn von der Champions League her. Letztes Jahr war ich sogar im Stadion, als Basel gegen die AS Roma spielte.
Kennen Sie einen FCB-Spieler?
Es gibt einen Frei, richtig? Zudem haben die Basler ein paar junge Spieler, die wirklich gut sind. Ich sah sie am Freitag, als sie Roger Federer beim Training zuschauten.
Schweizer essen viel Käse. Mögen Sie Fondue?
Und wie! Ich mag Fondue und Raclette. Meine Tante in Genf macht jedes Mal Raclette, wenn ich zu Besuch bin. Dann wird gross aufgetischt, mit Kartoffeln und all den kleinen Zutaten, die man zum Raclette isst.
Raclette ist nicht unbedingt Sportlernahrung.
Seit einem Jahr habe ich kein Raclette mehr gegessen. Ich weiss nicht einmal, ob es sich mit meiner Diät (Djokovic leidet an einer Glutenunverträglichkeit/die Redaktion) vereinbaren lässt.
Kennen Sie ausser Federer einen berühmten Schweizer?
Ich kenne viele Schweizer – meine Freunde in Genf. Berühmt sind sie jedoch nicht. (Pause) Jetzt haben Sie mich auf dem falschen Fuss erwischt. Ich werde Ihnen die Frage das nächste Mal beantworten, wenn wir uns sehen. Aber bitte nicht vergessen zu fragen, okay?
Gerne. Weshalb bestreiten Sie eigentlich so gerne die Swiss Indoors?
Die Organisation ist perf Zurbriggen! Genau: Pirmin Zurbriggen! Jetzt hab ich ihn. Sie haben mir zuvor nicht genug Zeit gelassen. Zurück zur Frage: Die Organisation in Basel ist einfach perfekt. Und es ist ein Turnier von grosser Tradition und mit einem fachkundigen Publikum; das Stadion ist immer gut gefüllt. Ich fühle mich fast wie zu Hause, wenn ich in die St.-Jakobs-Halle komme. Solange mein Team und ich uns hier willkommen fühlen, so lange werden wir zurückkehren. (Berner Zeitung)
Erstellt: 31.10.2011, 08:45 Uhr
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2 Kommentare
Hohe Schule der Diplomatie. Der Junge ist reifer geworden. ABer natürlich alles nur Charme-Offensive Marketing.
SUPER-Spieler, der nie langweilt und ein sehr zeitgemässes Angriffs-Tennis spielt. Komplimente. Wird wohl für einige Zeit die Nummer 1 bleiben (infolge Verletzungsanfälligkeit Rafael Nadal, Federer spielt nicht mher um die vorderen Plätze) Er war und ist der grösste Tennisspieler.
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